Arbeitsbedingte Allergien vermeiden

Allergien, die durch Arbeitsbedingungen ausgelöst werden, belasten Beschäftigte gesundheitlich und Unternehmen wirtschaftlich. Wie Arbeitgeber Al­ler­gien vorbeugen können, erklärt Sonja Lämmel, die sich seit mehr als 20 Jahren beim Deutschen Allergie- und Asthmabund schwerpunktmäßig mit dem Thema Beruf und Allergie beschäftigt.

„Berufsbedingte Hautallergien kommen am häufigsten vor“

Frau Lämmel, was sind typische Auslöser für Allergien am Arbeitsplatz?

Das hängt von der Branche ab. Bei Bäckern und Köchen sorgen zum Beispiel Mehlproteine, Backmit­tel und Inhaltsstoffe wie Aromen und Öle, die in Kochdämpfen transportiert werden, für al­ler­gi­sche Reaktionen. Bei Handwerkern sind es unter anderem Betonhärtemittel, Chrom und Ze­ment, bei Schreinern und Tischlern Lösungsmittel und Klebstoffe. Friseure reagieren auf Haar­fär­be­mit­tel, Bleichmittel und Inhaltsstoffe in Gummihandschuhen. Auch Pflegeberufe sind be­trof­fen: Allergien entstehen hier zum Beispiel durch den Kontakt mit Arznei- und Desin­fek­ti­ons­mit­teln.

Welche Allergien sind im Job besonders verbreitet?

Bei den Berufserkrankungen, die durch Allergien ausgelöst werden, stehen Kontaktallergien an erster Stelle. Dabei handelt es sich um juckende und oft schmerzhafte Ekzeme, die vor allem an den Händen auftreten – etwa bei Friseuren und Reinigungskräften. Auch allergische Atem­wegs­er­kran­kun­gen sind typisch. Arbeitsstoffe, die Beschäftigte über die Luft aufnehmen, lösen zum Beispiel allergischen Schnupfen, Bronchitis oder allergisches Asthma aus. Am Arbeitsplatz gibt es rund 400 Allergieauslöser und Reizstoffe, die Asthma und Entzündungen der Nasenschleimhaut verursachen können.

Wie können Arbeitgeber dafür sorgen, dass es gar nicht erst zu einer Allergie kommt?

Für die Prävention ist es wichtig, dass Arbeitgeber jede Tätigkeit auf ihre Gefahren untersuchen. Nach dem Ersatzstoffgebot sollten Unternehmen gefährliche Stoffe am besten gar nicht erst zu­lassen. Lässt sich das nicht vermeiden, ist es wünschenswert, Berufsallergene zu kennzeichnen. Es gibt aber auch ganz praktische Maßnahmen: Arbeitgeber können zum Beispiel dafür sorgen, dass Beschäftigte nicht essen oder trinken, während sie den Reizstoffen ausgesetzt sind. Denn dabei würden die Beschäftigten die Stoffe noch schneller aufnehmen. Sinnvoll ist deshalb ein Pau­sen­raum oder zumindest ein abgetrennter Bereich, wo Beschäftigte Mahlzeiten einnehmen können.

Berufs- und Freizeitkleidung sollten getrennt aufbewahrt werden, da sich riskante Stoffe sonst in der Freizeitkleidung festsetzen. Hier hilft ein Spind oder auch einfach eine Kiste, in der die Mit­ar­bei­ter ihre Freizeitkleidung während der Arbeitszeit lagern. Haben Beschäftigte oft Kontakt mit Wasser, können Arbeitgeber rückfettende Seifen und Cremes bereitstellen. Für Mitarbeiter, die regelmäßig mit staubförmigen Stoffen wie Mehl- und Futtermittelstäuben zu tun haben, in­stal­liert der Betrieb im besten Fall eine Abzugsanlage.

Inwieweit hilft das sogenannte STOP-Prinzip Arbeitgebern dabei, ihre Mitarbeiter vor Reizstoffen zu schützen?

Das STOP-Prinzip steht für substituierende, technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen im Umgang mit allergenen Stoffen. Eine substituierende Maßnahme ist zum Bei­spiel, wenn ein Arbeitgeber Nitrilhandschuhe statt der häufig allergieauslösenden Latexvariante anbietet oder duftstofffreie Reinigungsmittel statt herkömmlicher Seife. Abzugsanlagen und Atem­masken fallen unter die technischen Maßnahmen. Auf organisatorischer Ebene können Ar­beit­ge­ber festlegen, dass ein Mitarbeiter nicht mehrere Stunden am Stück mit allergenen Stof­fen arbeitet. Als personenbezogene Maßnahme gibt es zum Beispiel den Hautschutzplan: Er in­for­miert darüber, wie Beschäftigte ihre Haut aktiv selbst schonen und pflegen sollten.

So unterstützt die AOK

Auf dem AOK-Fachportal für Arbeitgeber finden Sie weitere Informationen rund um das Thema „Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit“. Lesen Sie hier mehr zur Ar­beits­stät­ten­ver­ord­nung und zu Gefährdungsbeurteilungen.

Stand

Erstellt am: 11.03.2020

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