Checkliste: Ist Ihr Unternehmen bereit für den Neustart nach der Corona-Krise?

Nach der coronabedingten Zwangspause sind viele Beschäftigte aus dem Homeoffice oder der Kurzarbeit zurück an ihrem Arbeitsplatz. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) hat Leitlinien für eine sichere Zusammenarbeit veröffentlicht. Die folgende Checkliste hilft Arbeitgebern, an alles zu denken, sodass das Infektionsrisiko auf ein Minimum begrenzt wird und die Zusammenarbeit trotzdem erfolgreich funktioniert.

Vorsichtig bleiben

Die Zahl der Neuinfektionen mit Covid-19 steigt in Deutschland wieder. Eine Rückkehr an den Arbeitsplatz ist daher weiterhin mit zahlreichen Sicherheitsmaßnahmen verknüpft. Der Mitte April vom Bundesministerium für Arbeit (BMAS) erlassene SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard wurde im August durch eine SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel konkretisiert (siehe Übersicht mit hilfreichen Links weiter unten). Was im Einzelfall vertretbar ist und den geltenden Auflagen entspricht, müssen Arbeitgeber derzeit sehr genau abwägen.

Unternehmen und Mitarbeiter in der Verantwortung

Bei der Umsetzung der Schutzmaßnahmen ist also die Eigenverantwortung des Einzelnen, aber auch die Verantwortung der Unternehmen gefragt, für den Arbeitsalltag Vorkehrungen zu treffen, die das Infektionsrisiko minimieren: Arbeitgeber prüfen in einer neuen Gefährdungsbeurteilung selbst, wie hoch das Ansteckungsrisiko in den einzelnen Abteilungen ist und welche Schutzkonzepte jeweils sinnvoll sind. Sie informieren die Beschäftigten regelmäßig dazu und bitten um Einhaltung der neuen Regeln und Mithilfe.

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Maßnahmen gemeinsam koordinieren

Das schließt die Beratung mit einer Fachkraft für Arbeitssicherheit und mit dem Personal- oder Betriebsrat mit ein. Sie sind an der Auswahl der richtigen Maßnahmen zu beteiligen. Die Umsetzung koordiniert ein Arbeitsschutzausschuss, sofern vorhanden, oder ein neu eingerichteter Krisenstab aus Arbeitgeber, Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsrat.

Auch wenn Arbeitssicherheit in diesen Zeiten das zentrale Thema ist, müssen zusätzlich einige andere Aspekte berücksichtigt werden, wie ein Blick in die Leitlinien der Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zeigt (siehe Liste mit hilfreichen Links weiter unten). Diese kompakte Checkliste mit zwölf Schritten hilft dabei, eine gesunde und sichere Rückkehr der Mitarbeiter zu bewerkstelligen:

Die Anwesenheit am Arbeitsplatz überdenken: Wie viele Mitarbeiter werden vor Ort tatsächlich benötigt? Wie viele Räume stehen zur Verfügung? Gleichen Sie diese Zahl mit der Zahl der Mitarbeiter ab, die nach den neuen Abstandsregeln in den vorhandenen Räumen arbeiten können. Homeoffice ist nach wie vor – wo immer möglich – die beste Wahl.

Arbeitsmodelle mit weniger Präsenzzeiten reduzieren die Zahl der anwesenden Mitarbeiter im Betriebsgebäude – und damit die Kontakte. Prüfen Sie, ob ein „Schichtbetrieb“ Sinn macht, also ein Wechsel zwischen den Teams vor Ort und Teams im Homeoffice. Auch für die Pausen kann ein Belegungsplan des Pausenraums oder der Kantine sinnvoll sein. Die immer gleichen Teams treffen sich in den Pausen – das hilft, die Zahl der Kontakte zu minimieren.

Gesundheitliche Gründe, dem Arbeitsplatz fern zu bleiben, erfragen: Gehört der Beschäftigte etwa wegen einer Vorerkrankung oder altersbedingt zu einer Risikogruppe? Auch wegen organisatorischer Probleme bei der Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen könnte Homeoffice die beste Lösung sein.

Um den Mindestabstand und die Vorgaben des neuen Arbeitsschutzregel des BMAS zu gewährleisten und die Kontaktanlässe zu reduzieren, sollten Sie prüfen:

  • Ist der Abstand von 1,5 Metern an allen Arbeitsplätzen gewährleistet?
  • Sind Schutzwände eingebaut?
  • Es gilt: räumliche Trennung von Personen, wo immer möglich.
  • Sind getrennte Ein- und Ausgänge sinnvoll?
  • Wo muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden?
  • Die Bestuhlung in Pausenräumen und Besprechungsräumen reduzieren, um den nötigen Abstand von 1,5 Meter zu wahren. 
  • Sind in allen Räumen ausreichend Lüftungsmöglichkeiten vorhanden? Häufiges Lüften kann die Anzahl der Krankheitserreger in der Luft senken. In einer Empfehlung der Bundesregierung zum „Infektionsschutzgerechten Lüften“ heißt es zum Beispiel, dass ein Besprechungsraum  grundsätzlich alle 20 Minuten für drei Minuten im Winter, fünf Minuten im Frühling/Herbst und zehn Minuten im Sommer stoßgelüftet werden soll. Zudem sind Arbeitgeber angehalten, Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) auf Funktionstüchtigkeit zu prüfen und erforderliche Reparaturarbeiten durchzuführen. Empfohlen wird, den Umluftbetrieb zu reduzieren und die RLT-Anlage auf möglichst hohe Luftwechselrate durch Frischluft von außen einzustellen.

Türklinken, Räume und Arbeitsmittel regelmäßig desinfizieren. In Reinigungsplänen muss klar festgelegt werden: Wer reinigt die Oberflächen nach einer Teambesprechung, wer reinigt wann die Teeküche und inwieweit kann die Reinigungsfirma aktuell mehr und häufiger solche Aufgaben übernehmen?
Prüfen Sie außerdem, ob am Eingang des Betriebsgebäudes Desinfektionsmittelspender einsatzbereit sind.
Sorgen Sie dafür, dass Desinfektionsmittel, Masken und Handschuhe ausreichend vorhanden sind.
Hängen Sie Hinweise zum Händewaschen auf und planen Sie regelmäßige Erinnerungen an hygienische Verhaltensregeln ein – zum Beispiel mit einem Schulungsvideo.
Umfassende Hinweise und Vorlagen zur Erstellung eines Hygienekonzepts zum Beispiel die IHK Nürnberg zusammengestellt.

Prüfen Sie, ob die technischen Möglichkeiten für das Arbeiten auf Distanz verbesserungsbedürftig sind. Sind alle Mitarbeiter im Homeoffice und in den Büros optimal ausgestattet? Wie sieht es mit Notebooks, Firmenhandys und anderen Arbeitsmitteln aus? Funktionieren die Software und Meeting-Tools, gibt es sichere Zugänge zu den eigenen Dokumenten?
Bei Arbeitsplätzen, die von mehreren Mitarbeitern genutzt werden, ist zu überlegen, ob Tastaturen und Telefone mehrfach angeschafft werden, sodass sie jeweils nur von einer Person verwendet werden.

Stellen Sie sicher, dass folgende Maßnahmen befolgt werden:

  • Teeküchen, Besprechungsräume, Waschräume sind häufig oder ständig zu lüften.
  • Alle Oberflächen (Tische, Küchen, Drucker) sollten leicht zu desinfizieren sein und sind nach der Benutzung zu reinigen. Das gilt auch für gemeinsam genutzte Dienstwagen.
  • In den Waschräumen müssen Seife, Desinfektionsmittel und Einmal-Handtücher stets vorhanden sein.

Welche Anlässe für direkte Treffen sind wirklich wichtig? Virtuelle Meetings sollten möglichst beibehalten werden. Das gilt auch für den Umgang mit Kunden. Welche Meeting-Tools für Telefon-, Web- und Videokonferenzen stehen dafür zur Verfügung und sind die Beschäftigten im Umgang geschult?

Mitarbeiter mit direktem Kunden- oder Lieferantenkontakt müssen geschützt werden, etwa durch Trennwände und das Tragen von Masken.
Der Zugang zum Gebäude sollte nur mit Anmeldung möglich sein.

Ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung, aber auch psychische Unterstützung in Stress- und Krisenzeiten sind wichtig. Prüfen Sie, bei welchen Aktivitäten und Präventionskursen ihre Mitarbeiter auf digitale Angebote ausweichen können. Gerade im Sommer bietet sich vielleicht an, eine gemeinsame Bewegungseinheit oder die Yogastunde einfach ins Freie zu verlegen. Auch gesunde Führung und mit den abwesenden Teammitgliedern in Kontakt bleiben, ist eine ganz wichtige Unterstützung, um gemeinsam gut durch die Krise zu kommen.

Besonders strikt ist darauf zu achten, dass Persönliche Schutzausrüstung (PSA) und Arbeitsbekleidung nur von jeweils einer Person getragen wird. Außerdem sollte die Ausrüstung getrennt von der Alltagskleidung aufbewahrt werden. Wenn es dazu dient, die betrieblichen Kontakte zu reduzieren, sollte es Beschäftigten gestattet sein, ihre Arbeitskleidung zu Hause an- und auszuziehen.

Arbeitgeber sind dafür verantwortlich, betriebliche Regelungen zur raschen Aufklärung von Verdachtsfällen auf eine Covid-19-Erkrankung zu treffen. Insbesondere Fieber, Husten und Atemnot können Anzeichen für eine Infektion mit dem Coronavirus sein. Beschäftigte mit entsprechenden Symptomen sind aufzufordern, das Betriebsgelände zu verlassen beziehungsweise zu Hause zu bleiben, bis eine ärztliche Abklärung des Verdachts erfolgt ist.

Bei bestätigten Infektionen muss das Gesundheitsamt umgehend informiert werden, damit Personen (zum Beispiel Kollegen oder Kunden) ermittelt und informiert werden können, bei denen durch Kontakt mit der infizierten Person ebenfalls ein Infektionsrisiko besteht. Eine entsprechende Dokumentation der Kontakte ist dafür Voraussetzung.

Weiterführende Links für Arbeitgeber

Zur Eingrenzung der Pandemie ist es unerlässlich, dass diese neuen Regeln eingehalten und überwacht werden. Arbeitgeber sollten ihre Mitarbeiter fortlaufend über den aktuellen Stand und die Notwendigkeit der Einhaltung informieren. Beschäftigte können über die interne Unternehmenskommunikation auf dem Laufenden gehalten werden – sowohl am Schwarzen Brett, in den Büros, Kantine und Sanitäranlagen als auch im Intranet oder persönlich im Gespräch mit der Führungskraft und mit dem Team.

Weiterführende Links für Arbeitgeber:

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Stand

Zuletzt aktualisiert: 21.09.2020

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