Betriebliche Gesundheit im August

Lesen Sie im AOK-Arbeitgeber-Newsletter: Coronavirus in Kontaktberufen * Selbstbestimmte Arbeitszeit * Alternsgerecht führen * Schlaf im Corona-Lockdown * Engagierte Führung

Arbeitsunfähigkeit wegen Coronavirus in Kontaktberufen

Beschäftigte in Gesundheitsberufen waren von März bis Mai 2020 am stärksten von Krank­schreibun­gen im Zusammenhang mit Covid-19 betroffen. Eine Analyse der Ar­beits­un­fä­hig­keits­daten der AOK-versicherten Beschäftigten durch das Wissenschaftliche Institut der AOK zeigt: In diesem Zeitraum fehlten 1.283 je 100.000 Beschäftigte in der Al­ten­pfle­ge sowie 1.237 Be­troffene je 100.000 Beschäftigte in der Gesundheits- und Krankenpflege im Zusammenhang mit Covid-19 bei der Arbeit. Verglichen mit dem Durchschnittswert der übrigen AOK-versicher­ten Beschäftigten waren Pflegekräfte damit 2,5-mal häufiger arbeitsunfähig. Dazu passt, dass Beschäf­tig­te in der Altenpflege auch häufiger im Krankenhaus wegen Covid-19 behandelt wur­den (157 je 100.000 Be­schäftigte). Am häufigsten wurden aber Beschäftigte aus der Fleisch­ver­arbei­tung mit Covid-19 in ein Krankenhaus eingewiesen (173 je 100.000 Beschäftigte). Der Ver­gleichs­wert aller AOK-Mitglieder liegt bei 91 je 100.000 Beschäftigen.

Tätigkeiten, die eher im Homeoffice oder in der freien Natur ausgeübt werden, waren laut der Aus­wer­tung mit einem niedrigeren Infektionsrisiko verbunden. Auch Beschäftigte, die ihren Beruf wegen des Kontaktverbots nicht ausüben konnten, hatten ein deutlich reduziertes Risiko zu er­kran­ken. Hierzu zählen beispielsweise Berufe in der Gastronomie (208 Betroffene je 100.000 Be­schäf­tig­te) oder im Kosmetikgewerbe (177 Betroffene je 100.000 Beschäftigte).

Freiere Zeiteinteilung stärkt die Life-Balance

Wer seine Arbeitszeit selbst beeinflussen kann, ist zufriedener mit seiner Life-Balance, wie eine aktuelle Broschüre der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) belegt. Das Institut untersuchte die Möglichkeit, Arbeitsanfang und -ende selbst zu bestimmen, Pausen- und Urlaubszeiten nach Wunsch zu gestalten, sowie die Flexibilität, ein paar Stunden oder Tage frei­zu­neh­men. Haben Beschäftigte bei diesen Entscheidungen wenig Mitspracherecht, sind nur rund zwei Drittel überzeugt, dass ihr Arbeits- und Privatleben miteinander im Einklang ist. Haben sie hin­ge­gen viel Einfluss auf ihre freie Zeit, zeigen sich bis zu 85 Prozent zufrieden mit ihrer Life-Ba­lance. Führungskräfte haben laut der BAuA-Broschüre zwar mehr Einfluss auf ihre Arbeitszeiten als Beschäftigte. Aber 18 Prozent der Vorgesetzten, die für mehr als zehn Mitarbeiter ver­ant­wort­lich sind, arbeiten trotz größerem Handlungsspielraum an ihrer Leistungsgrenze und fühlen sich stark belastet. Je größer das geführte Team, desto höher auch das empfundene Stresslevel.

Ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Privatleben stärkt nicht nur die Zufriedenheit der Beschäftigten. Lesen Sie hier, inwiefern es auch für wirtschaftlichen Erfolg im Unternehmen sorgt.

Alternsgerechtes Führen lohnt sich

Durch den demografischen Wandel haben es deutsche Arbeitgeber zunehmend mit al­ters­he­te­ro­genen Teams zu tun. Die gute Nachricht: Rund 66 Prozent der Unternehmen gehen bereits auf die unterschiedlichen altersabhängigen Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter ein. Das zeigt eine re­prä­sen­ta­ti­ve Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft unter mehr als 1.100 Unternehmen. Die Ar­beit­ge­ber sorgen zum Beispiel für altersgemischte Teams, was die Produktivität von älteren und jüngeren Beschäftigten erhöht. Zudem organisieren sie die Arbeit abwechslungsreich, indem Mit­ar­bei­ter durch wechselnde Arbeitsplätze und Aufgaben ständig Neues lernen. Auch ermöglichen sie flexible Formen der Arbeitsorganisation, etwa mobiles Arbeiten, bieten Le­bens­ar­beits­zeit­kon­ten, die einen frühzeitigen Ruhestand erleichtern, und Sabbaticals, also Auszeiten über mehrere Monate – ein Angebot, das sich für jüngere und ältere Beschäftigte gleichermaßen lohnen kann. Darüber hinaus halten die Unternehmen Gesundheitsprogramme und -beratungen bereit, die auf die individuelle gesundheitliche Situation der Beschäftigten je nach Lebensabschnitt eingehen. Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter auf diese Weise motivieren und unterstützen, geben laut Studie deutlich seltener an, dass ihre Beschäftigten nicht bereit oder fähig für Veränderungen sind.

Angesichts zunehmend alternder Belegschaften wird lebensphasenorientiertes Führen immer wich­ti­ger. Wie das gelingt, lesen Sie hier.

Corona lässt Beschäftigte länger, aber schlechter schlafen

Die Covid-19-Pandemie hat die Schlafgewohnheiten vieler Beschäftigten durcheinandergebracht: Während des Lockdowns haben sie zum einen bis zu 50 Minuten länger geschlafen als zuvor. Zum anderen hat sich die Qualität des Schlafes verschlechtert. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Basel und der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel unter 435 Menschen in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich. Mehr als 85 Prozent der Befragten arbeiteten zum Zeitpunkt der Befragung im Homeoffice. Dass sie im Schnitt länger schliefen, kann laut Studie da­ran liegen, dass die Pendelstrecke zum Arbeitsplatz weggefallen ist. Die schlechtere Schlafqualität erklären sich die Studienautoren mit der belastenden Gesamtsituation, etwa finanziellen und ge­sund­heit­li­chen Sorgen oder Problemen bei der Kinderbetreuung.

Erholsamer Schlaf und die Möglichkeit, abschalten zu können, sind wichtig für die Leis­tungs­fä­hig­keit und Stressresilienz von Beschäftigten. Wie Arbeitgeber ihre Mitarbeiter dabei unterstützen können, erfahren Sie hier.

Vorgesetzte empfinden sich als hilfsbereit und motivierend

Ein Großteil der Führungskräfte in Deutschland beschreibt den eigenen Führungsstil als „en­ga­giert“. Das heißt: 80 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, ihren Mitarbeitern dabei zu helfen, Aufgaben zu erledigen, ihnen Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung in ihren je­wei­li­gen Arbeitsbereichen zu bieten und Vorbilder für ihr Team sein zu wollen. Das geht aus dem Führungskräfte-Radar 2019 der Bertelsmann Stiftung unter knapp 1.000 Teilnehmern hervor, der in diesem Jahr erschienen ist. Die Studie zeigt außerdem weitere Voraussetzungen auf, damit „engagierte“ Führung positive Auswirkungen auf die Beschäftigten hat. Diese sind zum Beispiel:

  • Klarheit in der Unternehmensstrategie
  • Transparenz bei operativen Prozessen, ohne unnötige Bürokratie
  • gelebte Werte und eine vertrauensvolle, wertschätzende Unternehmenskultur, besonders im direkten Austausch mit Vorgesetzten und Kollegen
  • ambitionierte Ziele der Führungskräfte, auch für ihre eigene Entwicklung
  • hohe Identifikation der Vorgesetzten mit dem Unternehmen, aber auch Erfüllung privater Bedürfnisse
  • motivierte und begeisterte Mitarbeitende, die auch die Führungskraft in ihrer Rolle unter­stützen

Sind diese Bedingungen erfüllt, arbeiten Beschäftigte laut Studie produktiver, zufriedener, kre­a­ti­ver und kollegialer, während Fehlzeiten und Fluktuation abnehmen. Auch wenn die Mehrheit der Führungskräfte sich selbst laut der Umfrage ein positives Zeugnis ausstellt, kann die eigene Wahr­neh­mung täuschen.

Um die Führungskompetenz gezielt zu verbessern, bietet das Online-Programm „Gesund füh­ren“ der AOK viele hilfreiche Ansätze. Damit gelingt eine engagierte und reflektierte Führung, die die Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Mitarbeiter steigert.

Stand

Erstellt am: 12.08.2020

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