Beschäftigung von Geflüchteten

Zahlreiche Asylbewerber und anerkannte Geflüchtete streben auf den deutschen Arbeitsmarkt. Sie können dazu beitragen, den aufgrund der demografischen Entwicklung zunehmenden Personalmangel abzufedern. Sie zu beschäftigen ist für Unternehmen wesentlich einfacher, als es noch vor wenigen Jahren der Fall war. Einige Details sind aber zu beachten.

Der Aufenthaltsstatus

Bei der Frage, ob die Beschäftigung eines Geflüchteten im Unternehmen möglich ist, kommt es auf den Aufenthaltsstatus der Person an.

Vor Abschluss des Asylverfahrens:

  • Geflüchteten, die Asyl beantragt haben, ist das Arbeiten in den ersten drei Monaten des Aufenthalts in Deutschland untersagt. Asylbewerber können einen verpflichtenden Aufenthalt in einer Erstaufnahmeeinrichtung auferlegt bekommen. Dieser kann bis zu sechs Monate dauern. In der Zeit des Aufenthalts in der Erstaufnahmeeinrichtung wird meist keine Arbeitserlaubnis erteilt.
  • Asylbewerber mit einer Aufenthaltsgestattung sind Menschen, deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Mit der Beantragung von Asyl wird in der Regel bis zum Abschluss des Asylverfahrens eine Aufenthaltsgestattung ausgesprochen. Asylbewerber können sich grundsätzlich frei im Bundesgebiet bewegen. Es kann jedoch eine Residenzpflicht bestehen. Sie können ab dem vierten Monat in Deutschland eine Arbeitserlaubnis beantragen.
  • Für Asylbewerber aus sicheren Herkunftsstaaten gilt ein Arbeitsverbot, wenn der Asylantrag nach dem 31. August 2015 gestellt wurde.

Nach Abschluss des Asylverfahrens:

  • Anerkannte Flüchtlinge dürfen jede Beschäftigung aufnehmen.
  • Geduldete sind Menschen, deren Asylantrag abgelehnt wurde, die aber nicht abgeschoben werden können. Gründe dafür können beispielsweise eine Krankheit, fehlende Ausweispapiere oder ein Abschiebestopp des Innenministeriums sein. Geduldete können mit Arbeitserlaubnis beschäftigt werden.
  • Bei Geduldeten, die das Abschiebehindernis selbst zu vertreten oder ihre Mitwirkungspflichten verletzt haben, ist die Beschäftigung untersagt. Das gilt auch für Geduldete aus sicheren Herkunftsstaaten, wenn der Asylantrag nach dem 31. August 2015 gestellt wurde.

Beschäftigung mit Arbeitserlaubnis

Arbeitgeber können Personen mit Aufenthaltsgestattung und mit Duldung ab dem vierten Monat beschäftigen, in dem sie sich in Deutschland aufhalten. Dazu hat der Bewerber eine Arbeitserlaubnis für die konkrete Beschäftigung bei der Ausländerbehörde zu beantragen.

Arbeitgeber müssen sich den Aufenthaltstitel des Bewerbers zeigen lassen. Wenn ein eingeschränkter Zugang zum Arbeitsmarkt gilt, steht in der Aufenthaltsgestattung oder Duldung der Satz „Erwerbstätigkeit nur mit Genehmigung der Ausländerbehörde gestattet“.

Eine Arbeitserlaubnis muss immer bei der Ausländerbehörde beantragt werden. Voraussetzung ist, dass der Asylsuchende bereits eine Arbeitsstelle gefunden hat. Bei der Ausländerbehörde bekommt er ein Formular, das der Arbeitgeber für ihn ausfüllt.

Die Vorrangprüfung

Bei Bewerbern aus dem Ausland ermittelt die Bundesagentur für Arbeit (BA) im Rahmen einer Vorrangprüfung, ob bevorrechtigte Bewerber für eine Beschäftigung zur Verfügung stehen, beispielsweise Deutsche oder EU-Bürger. Diese Prüfung ist nicht immer notwendig:

  • Vom vierten Monat nach ihrer Einreise an können Asylbewerber und Geduldete in vielen Teilen Deutschlands ohne Vorrangprüfung der BA beschäftigt werden.
  • Ab dem 16. Monat des Aufenthalts ist der Arbeitsmarkt in ganz Deutschland ohne Vorrangprüfung offen.
  • Ab dem 49. Monat ist keine Zustimmung der BA mehr erforderlich, jedoch weiterhin die der Ausländerbehörde.

Ob auf die Vorrangprüfung verzichtet wird, ist regional unterschiedlich. Auskunft gibt hier im Zweifel die zuständige BA oder die Ausländerbehörde. Die Ausländerbehörde leitet bei Beantragung einer Arbeitsgenehmigung jeweils die notwendigen Schritte teils automatisiert ein.

Beschäftigung ohne Vorrangprüfung

Ohne Vorrangprüfung können Asylbewerber oder Geduldete eingestellt werden, die

  • die Voraussetzungen für die Erteilung einer Blauen Karte EU in Mangelberufen erfüllen oder
  • Fachkräfte mit anerkannter, qualifizierter Berufsausbildung in Engpassberufen sind oder
  • eine praktische Tätigkeit zur Anerkennung ihrer Berufsqualifikation ausüben oder
  • sich bereits 15 Monate in Deutschland aufhalten.

Beschäftigung als Leiharbeitnehmer

Eine Tätigkeit als Leiharbeitnehmer ist für Asylbewerber und Geduldete erlaubt, wenn für die ausgeübte Beschäftigung keine Vorrangprüfung erfolgt. Leiharbeit ist nach Ablauf der Zugangsfrist von drei Monaten in den meisten Regionen oder bei den genannten Beschäftigungen als Fachkraft und generell nach einem Aufenthalt von 15 Monaten möglich.

Geflüchtete im Praktikum

Für Praktika von Geflüchteten ist in allen Fällen eine Arbeitserlaubnis durch die Ausländerbehörde erforderlich, nicht jedoch die zusätzliche Zustimmung der Agentur für Arbeit. Eine Vorrangprüfung durch die BA findet hier nicht statt. Ein Praktikum kann erst nach der Dreimonatsfrist des generellen Arbeitsverbots seit Ankunft in Deutschland aufgenommen werden.

Bei bezahlten Praktika sind Arbeitgeber an die Regeln des Mindestlohngesetzes (MiLoG) gebunden.

KOFA
Handlungsempfehlung Praktikum für Geflüchtete

Arbeitgeber, die Geflüchteten Praktika anbieten möchten, finden mehr Informationen beim Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA).

Ausbildung von Geflüchteten

Arbeitgeber dürfen Asylsuchenden, die länger als drei Monate in Deutschland sind, einen Ausbildungsplatz anbieten. Geduldete dürfen eine Ausbildung vom ersten Tag an, an dem sie als Geduldete gelten, beginnen.

  • Voraussetzung für eine Ausbildung ist eine Beschäftigungserlaubnis, die bei der zuständigen Ausländerbehörde beantragt werden kann und im Ausweis eingetragen wird. Eine Arbeitsgenehmigung kann ohne Vorrangprüfung und ohne Prüfung der Arbeitsbedingungen zur Berufsausbildung ausgestellt werden.
  • Darüber hinaus gibt es Fördermöglichkeiten für ausbildende Betriebe. Auskunft erteilen die ausbildungsbegleitenden Kammern.
  • Geflüchtete erhalten bis zu einem Alter von 21 Jahren auch bei einer Duldung (also einer Ablehnung des Asylbegehrens) bis zum Ende der Ausbildung ein Bleiberecht in Deutschland bis zum Ende der Ausbildung.
  • Bereits anerkannte Flüchtlinge haben einen direkten Zugang zum Ausbildungsmarkt.
DIHK
Leitfaden zur Integration

Der Deutsche Industrie- und Handelskammerverlag (DIHK) hat einen Leitfaden für Unternehmen veröffentlicht, der zahlreiche Tipps zur Integration von Geflüchteten enthält.

Stand

Erstellt am: 01.07.2019

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