Nachhaltigkeit als Unternehmensprinzip

Ein nachhaltiger Führungsstil sorgt für einen kleineren ökologischen Fußabdruck, fördert aber auch die psychische Gesundheit der Beschäftigten. Was nötig ist, um Nachhaltigkeit effektiv im Unternehmen zu verankern, erklärt Professor Lutz Becker, Studiendekan Master Sustainable Marketing & Leadership an der Hochschule Fresenius Köln.

„Das A & O ist die richtige Strategie“

Herr Becker, warum ist Nachhaltigkeit in Unternehmen wichtig?

Wird Nachhaltigkeit im Unternehmen gelebt, trägt das zum einen dazu bei, den ökologischen Fuß­ab­druck zu verringern und damit Klimawandel und Artensterben aktiv etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Zum anderen sorgt ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen für loyalere und gesündere Mit­ar­bei­ter. Schließlich achten inzwischen viele Menschen privat auf einen nachhaltigen Le­bens­stil, ernähren sich vegan und versuchen, so wenig Müll wie möglich zu verursachen. Sie wün­schen sich auch von dem Unternehmen, bei dem sie arbeiten, mehr Engagement für Um­welt­schutz und einen bewussteren Umgang mit Ressourcen.

Inwiefern sorgt nachhaltige Führung für gesündere Mitarbeiter?

Nachhaltigkeit bringt viele kleine Entscheidungen mit sich, die nebenbei das Stresslevel der Be­schäf­tig­ten senken können. Etwa indem Unternehmen weniger Dienstreisen verlangen und dafür mehr Video-Calls ansetzen – wie es in der Pandemie bereits umgesetzt wird. Wer sich mit seinem Unternehmen außerdem dafür engagiert, die Nachhaltigkeit der eigenen Produkte und Prozesse zu verbessern, steigert die Arbeitgeberattraktivität.

Das kann zum Beispiel sein, bei den Verpackungen der Produkte auf recycelbares Material um­zu­stel­len oder intern komplett papierlos zu arbeiten. Auch habe ich von einem Unternehmen ge­hört, das einen Gemeinschaftsgarten initiiert hat, bei dem sich Beschäftigte einbringen können. Das schweißt zusammen, setzt ein Zeichen. Unternehmen gewinnen damit vor allem junge Ge­ne­ra­ti­o­nen – als Kunden, aber eben auch als gesunde, motivierte Mitarbeiter. Denn Bewegungen wie Fridays for Future zeigen, dass die Bedeutung des Themas enorm wächst.

Wie können Unternehmen Nachhaltigkeit in ihr Geschäft integrieren?

Nachhaltigkeit bedeutet, ökologische, ökonomische und soziale Aspekte miteinander in Einklang zu bringen. Also Gewinne zu erzeugen, dabei ökologische Ziele wie den Schutz von Ressourcen nicht aus den Augen zu verlieren und langfristig soziale Ziele wie das Bereitstellen von sicheren Arbeitsplätzen und Weiterbildungsmöglichkeiten zu gewährleisten. Im Grunde müssen Un­ter­neh­men das Thema Nachhaltigkeit in jedem ihrer Prozesse mitdenken und integrieren.

Wichtige Fragen dabei sind: Wo wollen Entscheider mit ihrem Unternehmen hin? Was sind kon­kre­te Ziele? Und – eine meiner Lieblingsfragen: Wer würde das Unternehmen vermissen, wenn es plötzlich weg wäre? Es bringt nichts, wenn man die Praktikanten mal eine Blumenwiese aussäen lässt. Das beruhigt nur das Gewissen, wenn gleichzeitig andere Kollegen Papier verschwenden und nicht richtig recyceln. So etwas endet oft in Feigenblattkampagnen, man heuchelt zum Bei­spiel Umweltbewusstsein, wir sprechen dann von Greenwashing. Das ist verheerend fürs Image.

Das heißt, kleine Gesten zählen gar nicht?

Doch, natürlich. Damit fängt es an: Man fördert Fahrräder oder E-Bikes, sorgt dafür, dass Mit­ar­bei­ter weniger ausdrucken. In der Kantine und bei Kundenterminen bietet man nur noch Fair-Trade-Kaffee an. Führungskräfte sollten bei jeder Entscheidung die Nachhaltigkeit mitdenken. Dabei gilt: Schluss mit dem alten Trott! Ausreden nach dem Motto „Das haben wir immer schon so gemacht“ sind toxisch. Am Ende geht es dann aber um die Frage, womit das Unternehmen sein Geld verdient. Dabei können Unternehmen sich zum Beispiel an die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen halten. Die sind mit ihren Themen wie der Gleichstellung von Männern und Frauen oder bezahlbarer und sauberer Energie ein guter Leitfaden. Unternehmen müssen sich aber auch eigene Ziele setzen.

Wie mobilisieren Führungskräfte ihre Beschäftigten für das Thema?

Durch die richtige Kommunikation. Es ist wertvoll, jeden Schritt mit einem „Weil“ begründen zu können. Das bringt eine Sinnhaftigkeit hinter jede Aktion und führt am Ende zu weniger Fehl­zei­ten. Denn Arbeitnehmer, die ihre Arbeit als sinnhaft erleben, stärken ihre Gesundheit und sind motivierter und seltener krank. Für Führungskräfte ist es also bedeutend, richtig und ehrlich zu kommunizieren, wenn das Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit auch im Kern ernst meint. Führungskräfte können feste Arbeitsgruppen bilden – bestehend aus Beschäftigten, die be­son­ders viel Lust auf diesen Teilbereich haben. Da empfehle ich, die Teammitglieder dann eigen­ver­ant­wort­lich arbeiten zu lassen, um ihnen ein Gefühl der Selbstständigkeit zu geben. Das ist enorm wichtig bei diesem Thema, denn nur so kann man Leute lang­fris­tig begeistert halten.

So unterstützt die AOK

Führungskräfte haben eine wichtige Rolle bei der Sinnfindung im Arbeitsleben. Lesen Sie hier, wie Sie Mitarbeiter mit Anerkennung, Eigenverantwortung und Wertschätzung motivieren und lang­fris­tig an Ihr Unternehmen binden.

Was einen nachhaltigen, gesunden Führungsstil außerdem ausmacht, vermittelt das AOK-Online-Programm Gesund führen.

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Stand

Erstellt am: 15.06.2021

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