Stehberufe gesund gestalten

Viele Jobs müssen Beschäftigte im wahrsten Sinne des Wortes durchstehen. Allerdings ist langes Stehen genauso schädlich wie langes Sitzen. Wie Arbeit­geber Stehberufe möglichst gesundheitsgerecht organisieren können.

Einseitige Belastung tut dem Körper nicht gut

Friseure, Verkäufer, Köche oder Beschäftigte in der Produktion – sie alle erledigen ihren Job durch­gängig im Stehen. Das kann langfristig ihre Gesundheit beeinträchtigen. Denn ständiges Stehen schadet Muskeln, Gelenken und der Wirbelsäule der Beschäftigten.

„Wer stundenlang steht, belastet seinen Körper einseitig“, sagt Professor Nils Hansen-Algen­staedt, Orthopäde und Wirbelsäulenspezialist im OrthoCentrum Hamburg. „Vor allem die Wir­bel­säu­le ist für eine statische Dauerbelastung nicht geschaffen.“ Der Grund: Muskeln versuchen per­ma­nent, die Wirbelsäule zu stützen. Allerdings sind sie auf lange Dauer damit überfordert und ver­kramp­fen. Die Folge sind Rückenschmerzen, erklärt Hansen-Algenstaedt. Zudem steigt das Risi­ko für Venenleiden in den Beinen. Und auch für das Herz ist die Einseitigkeit fatal: Dauer­ste­hen­de Beschäftigte sind doppelt so oft von einer koronaren Herzerkrankung, sprich verengten Adern, betroffen wie dauersitzende. Beschäftigte, die ihre Arbeit dagegen wechselnd im Sit­zen, Stehen und Gehen erledigen, haben diese erhöhten Risiken nicht. Umso wichtiger ist es, Stehberufe möglichst abwechslungsreich und entlastend zu gestalten. Arbeitgebern kommt hier eine zentrale Rolle zu.

Neun Tipps für Arbeitgeber

Mit den richtigen Maßnahmen können Arbeitgeber krankheitsbedingte Fehltage bei Be­schäf­tig­ten mit Stehberufen reduzieren. So schaffen Sie eine gesunde Arbeitsumgebung:

  • Für das Thema sensibilisieren: Machen Sie zum Beispiel in regelmäßigen Meetings deutlich, wie wichtig Abwechslung und Bewegung im Berufsalltag für die Gesundheit bei Dauer-Steh­be­ru­fen sind. Oder ernennen Sie einen Bewegungsbeauftragten, der die Kollegen zu kleinen, aber regelmäßigen Übungen am Arbeitsplatz motiviert. Hängen Sie – auch dafür – das AOK-Poster „Stehen im Job“ gut sichtbar auf.
     
  • Individuelle Steharbeitsplätze schaffen: Passen Sie Steharbeitsplätze individuell an die Größe Ihrer Beschäftigten an. Heißt: Ablage- oder Arbeitsflächen haben die optimale Höhe, wenn die Unterarme locker darauf liegen können. Arbeiten mehrere Beschäftigte abwechselnd an den gleichen Stationen, bieten sich höhenverstellbare Tische an.
     
  • Stehhocker anbieten: Schaffen Sie gute Stehhilfen an, also Hocker mit kleiner Sitzfläche. Diese fangen bis zu 70 Prozent des Körpergewichts ab und entlasten die Muskeln maßgeblich. Ach­ten Sie darauf, dass Beschäftigte auch diese Helfer im Stehalltag individuell an ihre Größe an­pas­sen können.
     
  • Aufgaben nach Haltung aufteilen: Planen Sie – sofern es möglich ist –, die Arbeitstage Ihrer Be­schäf­tig­ten so, dass sie abwechselnd stehen, sitzen und gehen. In vielen Fällen bietet sich hier das Prinzip der Rotation an, also über den Tag verteilte und regelmäßige Ar­beits­platz­wech­sel. Mehrere Beschäftigte wechseln so zwischen Arbeitsplätzen mit unterschiedlichen Auf­ga­ben, die hinsichtlich ihrer Qualifikation vergleichbar sind.
     
  • Für den passenden Untergrund sorgen: Statten Sie die Arbeitsplätze mit arbeitstauglichen Bo­den­schutz­mat­ten oder Teppichen aus. Die weichen Unterlagen entlasten die Gelenke zu­sätz­lich.
     
  • Bequeme Schuhe erlauben: Empfehlen Sie Ihren Beschäftigten ausdrücklich bequemes Schuh­werk. Wenn Sie den Mitarbeitern Sicherheitsschuhe zur Verfügung stellen, ist es wichtig, auf eine bequeme Passform mit Fußbett und eine flache, stoßdämpfende Sohle zu achten.
     
  • Für Auszeiten sorgen: Kurze Entspannungspausen sind für Füße, Beine und Rücken enorm wichtig. Schaffen Sie deshalb kleinere und größere Sitzmöglichkeiten in Form von Sofas oder mit Kissen ausgelegte Liegeflächen. Diese Vielfalt ermöglicht den Beschäftigten, ihren Körper in verschiedenen Positionen auszuruhen.
     
  • Sport und Bewegung fördern: Mit Sportangeboten wie Rückenkursen, Ausdauertraining oder Yoga können Sie Ihre Mitarbeiter im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung mo­ti­vie­ren, sich mehr zu bewegen.
     
  • Freiwillige Kostenbeteiligung: Unterstützen Sie Ihre Arbeitnehmer, in dem Sie einen Zuschuss zu deren Fitnessstudio-Gebühren zahlen.
Rückenaktiv im Job
Rückenaktiv im Job
Ein Mann macht Rückenübungen am Arbeitsplatz

Bei Rückenschmerzen sind Maßnahmen zur Ge­sund­heits­för­de­rung am Arbeitsplatz besonders effektiv. Genau hier setzt das kostenlose in­ter­ak­tive AOK-Online-Programm „Rückenaktiv im Job“ an.

So unterstützt die AOK

Was zeichnet einen gesunden Arbeitsplatz aus? Im Arbeitgeberportal der AOK finden Füh­rungs­kräf­te dazu viele nützliche Tipps und Hinweise

Gute Ideen, um mit Angeboten der Betrieblichen Gesundheitsförderung mehr Bewegung in den Arbeitsalltag der Beschäftigten zu bringen, finden Sie hier.

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat untersucht, wie groß Belastungen für die Beschäftigten in der Hotellerie sind.

Führungskräfte, die Gefährdungsbeurteilungen für die Hotellerie und Gastronomie erstellen, kön­nen oft nur schätzen, wie anstrengend ver­schie­de­ne Tätigkeiten für den Muskel- und Ske­lett­ap­pa­rat der Beschäftigten sind. Die AOK Nordost wollte es genau wissen und hat beim Julius Wolff Ins­ti­tut der Charité eine Studie in Auftrag gegeben.

Kern der Untersuchung

20 Beschäftigte von fünf Berliner Hotels (Centrovital, The Circus, Estrel, Waldorf Astoria, Mercure) erhielten Sensor-Einlegesohlen (gekoppelt mit einem iPod) für eine digital unterstützte Be­we­gungs­ana­ly­se. Die Testpersonen trugen die Einlagen im Arbeitsalltag während drei typischer Schich­ten über einen Zeitraum von zwei Wochen. Gemessen wurde die Quantität der Belastung wie die Anzahl der Schritte oder Bewegungszyklen pro Tag. Auch die Qualität, etwa die Sym­me­trie der Belastungen beider Beine, wurde untersucht.

Ergebnis: Die Belastungen sind groß. Chronische Erschöpfung und ein erhöhtes Verletzungsrisiko können die Folge sein. Doch es gibt einfache Möglichkeiten, die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen.

Empfehlungen für die Praxis

Die Beschäftigten sollen bei der täglichen Schrittzahl möglichst auf 10.000 kommen. Zudem sol­len immer gleiche Bewegungsmuster durch va­ri­ie­ren­de Abläufe ersetzt werden. Für die Rezeption können das zum Beispiel eine häufigere Gewichtsverlagerung von Fuß zu Fuß, die Platzierung des Dru­ckers abseits des Empfangs oder aktive Pausen mit Spaziergängen sein. Zimmerservice, Rei­ni­gungs- und Empfangskräfte sollten versuchen, kurze Pausen einzubauen, weil neben körperlicher Anstrengung auch und gerade das statische Verharren in einer Position zu erhöhten Belastungen führt.

Interesse an BGF

Sie wollen ein gesundheitsförderliches Arbeitsumfeld schaffen und benötigen Unterstützung? Schreiben Sie an: bgf@nordost.aok.de

Bonusprogramm der AOK Nordost

Sie schaffen 10.000 Schritte locker? Sportliche Aktivitäten und gesundheitliche Vorsorge werden belohnt – mit der AOK Bonus-App.

Stand

Erstellt am: 15.12.2020

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