Expertenforum - Statusfestellungsverfahren Familienangehörige

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  • 01
    Statusfestellungsverfahren Familienangehörige
    Hallo,

    ein Mandant von mir hat jetzt seinen Vater eingestellt. Es handelt sich hierbei um ein normales Arbeitsverhältnis im Baugewerbe, also keine Besonderheiten.
    Er ist der einzigste Beschäftigte. Sind wir jetzt zwingend (gesetzlich) verpflichtet ein Statusfeststellungsverfahren einzuleiten. Im § 7a (1) Satz 2 SGB V heißt es nur bei Ehegatten, Lebenspartner und Abkömmling. Oder wäre es nur empfehlenswert.

    Dankeschön
  • 02
    RE: Statusfestellungsverfahren Familienangehörige
    Guten Tag,
     
    beschäftigt ein Unternehmer in seinem Betrieb Familienmitglieder, ist es immer schwierig, den Sozialversicherungsstatus korrekt festzulegen. Erschwerend kommt hinzu, dass speziell Familienangehörige in Form sogenannter familienhafter Mitarbeit im Unternehmen beschäftigt sein können. In Zweifelsfällen sollten Betroffene grundsätzlich mit einem Statusfeststellungsverfahren bei der Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung Bund für Klarheit sorgen. Ein ungeklärter Sozialversicherungsstatus sorgt oft für große Komplikationen.
     
    Wir empfehlen Ihnen einen Antrag auf ein Statusfeststellungsverfahren nach § 7a SGB IV zu stellen, verpflichtend ist es jedoch nicht. Da im Rahmen des vorgeschriebenen Verfahrens zum obligatorischen Statusfeststellungsverfahren eine entsprechende Kennzeichnung bei der Beschäftigung von Elternteilen nicht erforderlich ist.
     
    Sofern es sich bei dem Arbeitgeber um eine juristische Person (z. B. GmbH) handelt, kann kein Verwandtschaftsverhältnis vorliegen. In einem solchen Fall ist ein Statusfeststellungsverfahren nicht erforderlich.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
  • 03
    RE: Statusfestellungsverfahren Familienangehörige
    Danke für Ihre gute Antwort.

    Könnte man so ein Verfahren (egal ob freiwillig oder verpflichtend) auch noch nachträglich anstoßen? Also wenn der AN schon 2 Jahre beschäftigt ist zum Beispiel. Welche Personen gehören den zu Familienangehörigen, habe mal was von gerader Linie und Seitenlinie gehört. Könnte aber auch sein das dies nur für das Steuerrecht gilt.
  • 04
    RE: Statusfestellungsverfahren Familienangehörige
    Guten Tag,
     
    grundsätzlich ist die Frage der Sozialversicherungspflicht bei Familienangehörigen nach den gleichen Kriterien zu beantworten, wie bei allen anderen Arbeitnehmern auch. Doch die Abgrenzung zwischen einem regulären abhängigen Beschäftigungsverhältnis und familienhafter Mitarbeit fällt nicht immer leicht.
    Besonders deshalb, weil die Leistungen an den mitarbeitenden Familienangehörigen häufig aus einer ohnehin bestehenden Unterhaltsverpflichtung resultieren. Damit sind sie keine Gegenleistung für erbrachte Arbeit. Außerdem wird die Arbeit häufig selbstständig und ohne Weisungen des "Chefs" erledigt.
    Eine Beschäftigung begründet dann Sozialversicherungspflicht, wenn ein Anspruch auf Arbeitsentgelt besteht; ob Arbeitsentgelt tatsächlich gezahlt wird, ist ohne Belang. Wenn in einem solchen Fall also tatsächlich ein Beschäftigungsverhältnis besteht, ist für die Ermittlung der Beitragshöhe das Arbeitsentgelt zugrunde zu legen, das dem Arbeitnehmer gezahlt werden müsste.
    Die Deutsche Rentenversicherung Bund prüft anhand der vertraglichen und tatsächlichen Gegebenheiten inwiefern bei Tätigkeiten von Ehegatte, Lebenspartner oder Abkömmlingen des Arbeitgebers eine abhängige Beschäftigung oder familienhafte Mitarbeit vorliegt. Hierfür ist in der Anmeldung ist das Statuskennzeichen "1" einzutragen. Unter Abkömmling sind Kinder oder die weiteren Nachkommen, die in gerader Linie von einander abstammen, oder Adoptivkinder zu verstehen (Enkel, Urenkel).
     
    Auch die Arbeitnehmer, die sonstige Angehörige des Arbeitgebers sind (z. B. Cousin), sind einer besonderen Prüfung hinsichtlich der Feststellung der Versicherungspflicht zu unterziehen. Zuständig ist hierfür die Krankenkasse des Angehörigen.
     
    Das obligatorische Statusfeststellungsverfahren ist für die Beschäftigung der Eltern nicht verpflichtend. Die freiwillige Überprüfung ist jedoch jederzeit möglich, wir empfehlen die zuständige Krankenkasse des Vaters mit allen Unterlagen (z. B. Arbeitsvertrag) um Überprüfung des Versicherungsstatus einzuschalten.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
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