Beiträge im Übergangsbereich und in der Gleitzone

Seit Juli 2019 ist Übergangsbereich der neue Begriff für die bisherige Gleitzone. Der Übergangsbereich wird relevant, wenn das regelmäßige Arbeitsentgelt zwischen 450,01 Euro und 1.300 Euro liegt. Bis 30. Juni 2019 galt für diese Beschäftigungen die Gleitzone, allerdings nur bis zu einem Entgelt von 850 Euro.

Arbeitsentgelt im Übergangsbereich

Im Übergangsbereich gelten ab 1. Juli 2019 dieselben Grundsätze wie für die Ermittlung des regelmäßigen Arbeitsentgelts bei geringfügig entlohnten Beschäftigungen. Es ist also für die Beitragsberechnung mindestens das Arbeitsentgelt heranzuziehen, auf das der Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch hat.

Ein Verzicht auf künftig entstehende Arbeitsentgeltansprüche vermindert das zu berücksichtigende Arbeitsentgelt. Nicht berücksichtigt werden Einnahmen aus der Beschäftigung, die kein Arbeitsentgelt im Sinn der Sozialversicherung darstellen.

Auch Einmalzahlungen, wie zum Beispiel Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, gehören zum regelmäßigen Arbeitsentgelt, wenn sie mindestens einmal im Jahr mit hinreichender Sicherheit gewährt werden (garantierte Zahlung).

Ausnahmen vom Übergangsbereich

Die Regelungen des Übergangsbereichs gelten nicht für Personengruppen, die schon von der Gleitzonenregelung ausgeschlossen waren:

  • Personen, die zu ihrer Berufsausbildung beschäftigt sind (zum Beispiel Auszubildende, Praktikanten)
  • Teilnehmer am freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahr und am Bundesfreiwilligendienst
  • Personen in Beschäftigungen, für deren Beitragsberechnung fiktive Arbeitsentgelte zugrunde gelegt werden (zum Beispiel bei behinderten Menschen in anerkannten Werkstätten, Mitgliedern geistlicher Genossenschaften)
  • Personen in Wiedereingliederungsmaßnahmen nach einer Arbeitsunfähigkeit, in denen nur das dadurch reduzierte Entgelt im Übergangsbereich liegt
  • Personen, die Kurzarbeitergeld beziehungsweise Saison-Kurzarbeitergeld beziehen und für die deshalb das Entgelt insoweit reduziert ist

Ausgangswert zur Beitragsberechnung

Um den Arbeitnehmeranteil an den Beiträgen zur Sozialversicherung gering zu halten, wird bei der Beitragsberechnung im Übergangsbereich eine reduzierte Bemessungsgrundlage für die Sozialversicherungsbeiträge herangezogen: der Ausgangswert. Es wird nicht das tatsächlich erzielte Arbeitsentgelt zugrunde gelegt. Vielmehr wird die beitragspflichtige Einnahme mit folgender Formel errechnet:

Formel für Berechnung des Ausgangswerts

Die Formel kann für die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 2019 verwendet werden:

beitragspflichtige Einnahme = 1,12885882352941 × AE – 167,516470588235

AE = Arbeitsentgelt

Beispiel: Berechnung des Ausgangswerts

Ein am 1.7.2019 eingestellter Arbeitnehmer, für den die Regelungen des Übergangsbereichs gelten, erhält für Juli 2019 ein Bruttoarbeitsentgelt von 900 €.

Das reduzierte beitragspflichtige Arbeitsentgelt beträgt

(1,12885882352941 x 900 €) – 167,516470588235 € = 848,46 €.

Der Gesamtbeitrag wird für alle Versicherungszweige aus 848,46 € berechnet, der Arbeitgeberanteil aus dem tatsächlich erzielten Arbeitsentgelt von 900 €.

Beiträge berechnen

Welche Beiträge konkret anfallen, können Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit dem Minijob- und Übergangsbereichsrechner der AOK ermitteln.

Das könnte nützlich sein
Grafik Rechner
Minijob- und Übergangsbereichsrechner

Hier können Sie ermitteln, wie hoch die Sozialversicherungsbeiträge ausfallen.

Gleitzonenfälle (bis 30. Juni 2019)

Ein Gleitzonenfall lag bis Juni 2019 vor, wenn das regelmäßige Arbeitsentgelt zwischen 450,01 und 850 Euro lag. Die Grundsätze sind die gleichen wie für die Ermittlung des regelmäßigen Arbeitsentgelts bei geringfügig entlohnten Beschäftigungen. Als Grundlage gilt mindestens das Arbeitsentgelt, auf das der Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch hat.

Auch bei Beschäftigungsverhältnissen innerhalb der Gleitzone wird in der Sozialversicherung nicht das tatsächlich erzielte Arbeitsentgelt als beitragspflichtige Einnahme zugrunde gelegt. Stattdessen berechnet sich der Arbeitnehmerbeitrag nach folgender Formel (Gleitzonenformel):

Gleitzonenformel

Diese Formel wird für die Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni 2019 wie folgt verwendet: 

beitragspflichtige Einnahme = 1,273825 × AE – 232,75125.

Die so ermittelte beitragspflichtige Einnahme wird als Gleitzonenentgelt bezeichnet.

Stand

Erstellt am: 01.07.2019

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