Beschäftigte erfolgreich an Veränderungsprozessen beteiligen

Veränderungsprozesse sind effektiver und effizienter, wenn Beschäftigte eingebunden und aktiv beteiligt werden. Die betriebliche Gesundheitsförderung hat die Mitsprache und Beteiligung von Beschäftigten als wesentlichen Erfolgsfaktor identifiziert. Erkenntnisse aus dem Projekt „Gesundheit in der Arbeitswelt 4.0“ bestätigen dies erneut.

Worum geht es?

Der Einsatz digitaler Technologien und digitalisierter Prozesse verändert Arbeitstätigkeiten sowie Kommunikations- und Führungsprozesse. Diese Veränderungen können psychisch und physisch beanspruchend sein. Als belastend nannten Beschäftigte in den Projektbetrieben eine höhere In­for­ma­ti­ons­men­ge, mehr gleichzeitig zu bearbeitende Prozesse und fehlerhafte oder überschätzte 4.0-Technologien. Zudem sind Veränderungsprozesse häufig mit Unsicherheit und Ängsten ver­bun­den. Diese lassen sich vor allem auf frühere negative Erfahrungen zurückführen.

Beschäftigte stellen sich folgenden Fragen:

  • Was wird aus meinem Arbeitsplatz?
  • Kann ich den veränderten Arbeitsanforderungen gerecht werden?
  • Was darf und was kann ich künftig noch entscheiden?
  • Warum werde ich nicht gefragt?
  • Wird alles so funktionieren wie geplant?

Ziel ist, Beanspruchungen zu verringern oder sogar in gesundheitsförderliche Ressourcen um­zu­wan­deln (siehe Praxisbeispiel unten). Dabei ist der Schlüssel zum Erfolg, die Beschäftigten ein­zu­bin­den und zu beteiligen.

Was bringt es?

Restrukturierungen durch 4.0-Technologien können Tätigkeiten vereinfachen, aber auch die An­for­de­run­gen an das Wissen und die Kompetenzen der Beschäftigten erhöhen. Um dem gerecht zu werden, müssen sie sowohl in der Lage als auch bereit sein, sich die neuen Technologien an­zueig­nen und anzuwenden. Diese Bereitschaft fördert, wer Beschäftigte in Veränderungsprozesse einbindet und aktiv daran beteiligt, die Arbeitsbedingungen zu gestalten.

Es zeigen sich in der Regel folgende Wirkungen:

  • Wird über geplante Veränderungen frühzeitig transparent informiert, verringert dies bei Füh­rungs­kräf­ten und Beschäftigten Unsicherheit und Ängste.
  • Vielseitige Kompetenzen fließen in die Ausgestaltung der Veränderungsprozesse ein.
  • Veränderungen werden stärker akzeptiert und 4.0-Technologien produktiver genutzt.
  • Die Arbeitsressource „Beteiligung“ fördert die Gesundheit der Beschäftigten.

Wie geht man vor?

Um Beschäftigte zu beteiligen, ist eine gewissenhafte Planung erforderlich:

Beteiligung und Transparenz

Nicht alle Beschäftigten wollen gleichermaßen eingebunden werden. Doch ein Ver­än­de­rungs­pro­zess kann nur beginnen, wenn die Beschäftigten über dessen Gründe und Ziele informiert sind. Es hilft, Veränderungen ehrlich und transparent darzustellen und eine adressatengerechte Spra­che zu nutzen. Dabei sollte deutlich werden, wie die Beschäftigten beteiligt werden können und wie Ergebnisse und Entscheidungen kommuniziert werden.

Rolle der Fach- und Führungskräfte

Eine besondere Rolle spielen die direkten Führungskräfte sowie die Fach- und Führungskräfte, wel­che die Veränderungsprozesse planen. Um die Umsetzung erfolgreich moderieren zu können, müssen sie überzeugt sein, dass Veränderungsprozesse und Beteiligung der Beschäftigten sinnvoll sind. Damit sie diese Rolle wahrnehmen können, sind ausreichend Zeitressourcen sowie Qua­li­fi­zie­rungs­mög­lich­kei­ten erforderlich.

Engagement der Unternehmensleitung

Zentraler Erfolgsfaktor für Veränderungsprozesse ist, dass die Leitung des Unternehmens diese startet, die Ergebnisse prüft und abschließend persönlich würdigt.

Beteiligung der Interessensvertretung

Neue Projekte profitieren auch davon, wenn die Interessensvertretung der Beschäftigten sie be­glei­tet und unterstützt.

Aus der Praxis des Projektunternehmens Assmann Büromöbel GmbH & Co. KG

Beim Aufbau einer nahezu vollautomatisierten Fertigungsanlage waren neben zwei Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­tern auch Vertreter von Betriebsrat, Instandhaltung und Teamleitung von Anfang an be­tei­ligt. Zudem wirkten Sie als Multiplikatoren mit: Sie brachten selbst Erfahrungen und Ideen ein und nahmen Anregungen von Kollegen auf.

Nach dem Aufbau der Fertigungsanlage ermittelte eine Analyse des Soziologischen For­schungs­ins­ti­tuts Göttingen, dass die Mehrheit der befragten Beschäftigten eine Verbesserung ihrer Ar­beits­si­tu­a­ti­on empfinde. Durch die neue Fertigung habe sich die körperliche Belastung reduziert, die Zusammenarbeit und das Arbeitsklima verbessert. Für den Umgang mit der Technik müsse viel gelernt werden. Die Beschäftigten erkennen auch eine Aufwertung ihrer Arbeit und gehen davon aus, dass die Modernisierung geeignet sei, ihren Arbeitsplatz zu sichern, um die jetzt weniger be­las­ten­de Arbeit langfristig leisten zu können. Eine Erhebung zeigt, dass die Rücken- und Na­cken­be­schwer­den zurückgingen.


Projekt 4.0
Gesundheit in der Arbeitswelt 4.0
Gesundheit n der Arbeitswelt 4.0

Als Vorreiterin engagiert sich die AOK Nie­der­sach­sen bei der Weiterentwicklung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements – die gesellschaftlichen Megatrends der Globalisierung und Digitalisierung stehen dabei im Fokus.

Stand

Erstellt am: 15.09.2020

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