AOK im Ohr – der Arbeitgeberpodcast: Präsentismus in der Pflege

Präsentismus – das Phänomen krank zur Arbeit zu gehen – ist bei Führungskräften in der Pflegebranche weit verbreitet.

Präsentismus in der Pflege

Viele Menschen in Deutschland gehen arbeiten, obwohl sie sich krank fühlen. In der Pflegebranche ist Präsentismus besonders verbreitet, wie eine aktuelle Befragung des AOK-Bundesverbandes zeigt. Unter den Führungskräften sind in den vergangenen zwölf Monaten 36 Prozent krank arbeiten gegangen. Welche Probleme damit einhergehen und wie Unternehmen vorbeugen können, erklärt Werner Winter. Er ist Experte für Betriebliche Gesundheitsförderung im AOK-Bundesverband.

AOK im Ohr – der Arbeitgeberpodcast

Werner Winter vom AOK Bundesverband informiert über Präsentismus in der Pflegebranche.

Der Podcast zum Nachlesen

Werner Winter: Von Präsentismus spricht man, wenn Menschen krank zur Arbeit gehen, vor allem dann, wenn sie dies auch noch gegen ärztlichen Rat tun. Pflegekräfte neigen dazu, sich stark zu verausgaben, deshalb ist Präsentismus in der Pflege weiter verbreitet als in anderen Branchen.

Sprecher: Pflichtbewusstsein, Verantwortungsgefühl oder die eigene Vorbildfunktion seien weitere Gründe, erklärt Werner Winter weiter. Er ist Experte für Betriebliche Gesundheitsförderung im AOK-Bundesverband.

Werner Winter: Wenn man häufig krank zur Arbeit geht, dann erholt man sich nicht richtig. Und wenn man sich nicht richtig erholt, besteht die Gefahr, dass die Krankheiten chronisch werden. Dann fallen die Beschäftigten noch länger aus. Vor allem bei Infektionskrankheiten können Kolleginnen und Kollegen, aber auch die Pflegebedürftigen angesteckt werden. Und wenn man krank zur Arbeit geht, steigt das Fehler- und das Unfallrisiko. Und – das wissen wir ja alle – gerade in der Pflege können Fehler pflegebedürftige Menschen in echte Gefahr bringen.

Sprecher: Dagegen können Unternehmen einiges tun. Tipps wie sie vorbeugen können, hat Experte Winter.

Werner Winter: Auf der Ebene der Beschäftigten ist es zunächst mal wichtig, deren Gesundheitskompetenz zu steigern. Das heißt, sie zu unterstützen, gesundheitsbewusste Entscheidungen zu treffen. Die AOK hat hier passgenaue Informations- und Trainingsangebote im Programm. Auf Ebene der Pflegeorganisationen ist eine wertschätzende Unternehmenskultur besonders wichtig. So eine wertschätzende Unternehmenskultur drückt sich darin aus, dass die Gesundheit der Beschäftigten als hohes Gut zur Erreichung der Unternehmensziele gesehen wird. Mit der Initiative „Pflege.Kräfte.Stärken.“ will die AOK noch mehr Pflegeeinrichtungen motivieren, Betriebliche Gesundheitsförderung systematisch und strukturiert umzusetzen. Ziel ist, die Arbeit in der Pflege gesünder zu machen.

Sprecher: Weitere Informationen zu „Pflege.Kräfte.Stärken.“ gibt es im Internet auf aok-bv.de und Engagement

Über den Experten

Werner Winter ist seit 1982 in unterschiedlichen Feldern der Betrieblichen Gesundheitsförderung tätig. Bei der AOK Bayern war er als Leiter des Fachbereichs Betriebliches Gesundheitsmanagement für die Arbeitsschwerpunkte Organisationsentwicklung, Qualitätsmanagement, psychosoziale Belastungen, Sucht und Führung und digitale Gesundheitsangebote verantwortlich. Seit März 2020 ist er im bundesweiten Fachprojekt „BGF in der Pflege“ beim AOK-Bundesverband in Berlin tätig.

Stand

Erstellt am: 30.11.2021

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