AOK im Ohr – der Arbeitgeberpodcast Folge 8

Stundung und Ratenzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen in der Corona-Krise: Wie Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten geholfen werden kann, erklärt AOK-Sozialversicherungsexperte Klaus Herrmann.

Erleichterte Stundung auch im Januar und Februar 2021

Wegen des Lockdowns haben viele Betriebe mit erheblichen finanziellen Verlusten zu kämpfen. Da es zu Verzögerungen bei der Auszahlung der Wirtschaftshilfen kommt, hat der GKV-Spitzenverband ein vereinfachtes Stundungsverfahren für die Monate Januar und Februar 2021 beschlossen. Im Podcast geht es auch darum, wann die bereits gestundeten Beiträge für die Monate November und Dezember 2020 fällig werden.

Podcast
AOK im Ohr – der Arbeitgeberpodcast: Folge 8
Klaus Herrmann von der AOK Bayern

Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen 2021: Wie es nun weitergeht, erklärt Sozialversicherungsexperte Klaus Herrmann von der AOK Bayern in Folge 8

Moderatorin: Gerade für Arbeitgeber stellen sich anlässlich der Pandemie immer wieder neue Fragen. Wir helfen. Denn: Ihre AOK hält Sie auf dem Laufenden, was die aktuellen Entwicklungen angeht – damit Sie und Ihr Betrieb gesund bleiben.

So auch beim Thema Stundung von Beiträgen. Hinsichtlich der Beiträge für die Beitragsmonate Januar und Februar 2021 ist davon auszugehen, dass den vom Shutdown betroffenen Unternehmen die Wirtschaftshilfen in Form der Überbrückungshilfe III nicht kurzfristig zufließen werden.

Heute sprechen wir mit unserem Experten für Sozialversicherung, Klaus Herrmann von der AOK Bayern, erneut über das Thema Stundung.

Darum geht es: Kann ein Arbeitgeber aufgrund der aktuellen Situation seine Beiträge nicht zahlen, kann die AOK ab sofort und bis zur Beendigung der Vereinbarungen auf die Einleitung von Vollstreckungsmaßnahmen verzichten. Außerdem gilt ein vereinfachtes Verfahren.

Und nun zu unserem Experten, Herr Herrmann, welche Möglichkeiten der Entlastung bietet die AOK bei der Beitragszahlung?

Klaus Herrmann: Hier ist zunächst die Stundung zu nennen – also die spätere Zahlung der Beiträge. Ebenso gibt es auch die Möglichkeit, Beiträge in Raten zu begleichen.

Moderatorin: Die Beschäftigten eines Unternehmens sind überwiegend bei der AOK versichert. Reicht es, wenn ich den Stundungsantrag bei der AOK stelle, oder muss ich auch die anderen Krankenkassen mit einbeziehen?
Klaus Herrmann: Sind in Ihrem Unternehmen außerhalb der AOK weitere Krankenkassen vertreten und sollen die Beiträge für alle Beschäftigten des Unternehmens gestundet werden, ist ein Stundungsantrag an jede dieser Krankenkassen zu stellen.

Moderatorin: Müssen die Beschäftigten tätig werden?
Klaus Herrmann: Nein. Beitragsschuldner von Gesamtsozialversicherungsbeiträgen ist immer der Arbeitgeber. Oft werden die Beiträge für freiwillig versicherte Arbeitnehmer oftmals vom Arbeitgeber im Firmenzahlerverfahren beglichen. Ein Stundungsantrag gilt auch hierfür automatisch. Apropos freiwillig Versicherte: Selbständige, die bei der AOK versichert sind, unterstützen wir selbstverständlich auch. Diese sollten sich schnell bei ihrer AOK vor Ort melden.

Moderatorin: Woher bekomme ich als Unternehmer das entsprechende Formular?
Klaus Herrmann: Der Antrag auf Stundung der Beiträge im vereinfachten Verfahren ist weiterhin mittels eines einheitlich gestalteten Antragsformulars zu stellen. Dieses finden die Arbeitgeber und Steuerberater ganz einfach online im Fachportal für Firmenkunden im Bereich Coronavirus-Hilfen für Arbeitgeber.

Moderatorin: Welche Unterlagen muss der Unternehmer mit dem Antrag einreichen?
Klaus Herrmann: Er muss glaubhaft nachweisen, dass durch die Corona-Pandemie im Betrieb ein erheblicher Schaden entstanden ist. Voraussetzung ist, dass vorrangig die bereit gestellten Wirtschaftshilfen einschließlich des Kurzarbeitergeldes genutzt und beantragt werden.

Moderatorin: So viel zu den Formularen – jetzt zu einem, anderen Thema. Es ist klar, dass auf Stundungszinsen verzichtet wird. Auf Säumniszuschläge auch?
Klaus Herrmann: Ja, auf Säumniszuschläge auch – denn die Beiträge müssen durch die Stundung ja erst später gezahlt werden. Das ist der Sinn der Stundung. Es entfällt sogar eine Sicherheitsleistung.

Moderatorin: Für welchen Zeitraum ist eine solche vereinfachte Stundung möglich?
Klaus Herrmann: Die Beiträge für die Monate Januar und Februar 2021 werden auf Antrag der betroffenen Arbeitgeber maximal bis zum Fälligkeitstag für die Beiträge des Monats März 2021, also dem 29.3.2021, gestundet werden können.

Moderatorin: Nun mussten viele Firmen schon im vergangenen Jahr von der Möglichkeit der Stundung Gebrauch machen. Es ist auch zu hören, dass die Wirtschaftshilfen verzögert ausgezahlt werden. Hat das Konsequenzen für die Beitragszahlung?
Klaus Herrmann: Wenn die finanziellen Hilfsprogramme von Bund und Ländern für die zurückliegenden Monate zur Auszahlung gekommen sind, gibt es seitens der Sozialversicherung keinen Anlass mehr für die vereinfachte Stundung der Beiträge. Wenn hier aber Verzögerungen bei der Bewilligung eintreten – und das hört man ja momentan bei den Hilfen für Dezember – dann können die Beiträge für Dezember weiterhin im vereinfachten Verfahren gestundet werden. Das geht längstens bis zum Fälligkeitstag für die Februar-Beiträge.

Moderatorin: Das klingt ja ziemlich kompliziert. Wenn ein Unternehmen hier betroffen ist, was muss es dann machen?
Klaus Herrmann: Wir machen es den Betroffenen so einfach wie möglich. Auch in diesem Fall sollte unbedingt der Antrag auf Stundung genutzt werden. Mit diesem Vordruck kann auch eine erneute Stundung der Beiträge für Dezember beantragt werden.

Moderatorin: Nun gibt es ja auch die Möglichkeit, die Beiträge in Raten zu zahlen. Was ist hier zu machen?
Klaus Herrmann: Vorteil der Ratenzahlung ist, dass die Beitragsschuld schrittweise abgetragen wird. Hier kommt es natürlich immer auf die finanziellen Möglichkeiten der einzelnen Firma an. Meine Empfehlung: Sprechen Sie Ihre AOK an! Meine Kolleginnen und Kollegen vor Ort werden mit Ihnen eine gemeinsame Lösung finden.

Moderatorin: Vielen Dank, Herr Herrmann. Bleiben Sie gesund!

Über den Experten

Klaus Herrmann ist als Experte für Sozialversicherung vielen Teilnehmern der Online-Seminare der AOK vertraut. Der Krankenkassenfachwirt befasst sich seit vielen Jahren mit der Unterstützung von Firmenkunden bei der Anwendung des Sozialversicherungsrechts. In der Zentrale der AOK Bayern kümmert er sich um Produkte für Arbeitgeber.

Stand

Erstellt am: 22.01.2021

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