AOK im Ohr – der Arbeitgeberpodcast Folge 6

Wie Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten durch Stundung und Ratenzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen geholfen werden kann, erklärt AOK-Sozialversicherungsexperte Klaus Herrmann.

Rechtzeitig beantragen

Wegen der Corona-Krise haben viele Betriebe mit erheblichen finanziellen Verlusten zu kämpfen. Deshalb hatte der Gesetzgeber vorübergehend ein vereinfachtes Stundungsverfahren beschlossen. Diese Sonderregeln sind nun ausgelaufen. Doch es gibt weiterhin die Möglichkeit, Stundungen und Ratenzahlungen zu vereinbaren und hohe Säumniszuschläge zu vermeiden.

Podcast
AOK im Ohr – der Arbeitgeberpodcast: Folge 6
Klaus Herrmann von der AOK Bayern

Sozialversicherungsexperte Klaus Herrmann von der AOK Bayern erklärt, wie das Regelverfahren bei der Stundung und Ratenzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen funktioniert.  

Moderatorin: Die Auswirkungen des Coronavirus treffen insbesondere kleine und mittelständische Betriebe hart. Immer wieder fallen politische Entscheidungen, um diesen entgegenzuwirken. Vieles ist ungewiss – in allen Lebensbereichen. Doch gerade für Arbeitgeber stellen sich anlässlich der Pandemie zurzeit viele Fragen. Wir helfen. Denn: Ihre AOK hält Sie auf dem Laufenden, was die aktuellen Entwicklungen angeht – damit Sie und Ihr Betrieb gesund bleiben. Heute widmen wir uns dem Thema „Stundung von Beiträgen“. Dafür ist uns AOK-Experte Klaus Herrmann telefonisch zugeschaltet.

Darum geht es: Normalerweise entrichten Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) zum drittletzten Bankarbeitstag eines Monats für denselben Monat. Die Beiträge müssen dabei zu diesem Fälligkeitstermin vollständig bei der zuständigen Einzugsstelle (Krankenkasse/AOK) vorliegen. Wenn ein Betrieb in eine finanzielle Schieflage gerät, kann er auf Antrag Beiträge stunden lassen. Was ist eine Stundung überhaupt und wie wirkt sich das auf die Beiträge aus? Und nun zu meinem Mitstreiter. Eine ganze Menge an Fragen – und wir haben den Experten in Sachen Sozialversicherung hier: Herrn Klaus Herrmann. Herr Herrmann, bitte stellen Sie sich doch einmal kurz vor.

Herrmann: Mein Name ist Klaus Herrmann, ich bin Krankenkassenfachwirt bei der AOK Bayern und beantworte Ihnen gerne Ihre Fragen und gebe auch einige praktische Tipps zur Umsetzung rund um das Thema Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen.

Moderatorin: Dann legen wir gleich los: Was passiert, wenn ein Betrieb nicht rechtzeitig die Beiträge zum Fälligkeitstag entrichtet?

Herrmann: Es müssen von der Einzugsstelle zwingend Säumniszuschläge erhoben werden.

Moderatorin: Wie hoch sind die Säumniszuschläge?

Herrmann: Sie betragen ein Prozent des rückständigen Beitrags im Monat, abgerundet auf volle 50 Euro.

Moderatorin: Was ist eine Stundung und wie kann sie helfen, Säumniszuschläge zu vermeiden?

Herrmann: Die Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen ist ein Hinausschieben der Fälligkeit, damit ein Arbeitgeber Zeit gewinnt, um seine Beitragsschulden zu einem späteren Zeitpunkt zu begleichen. Wenn eine Stundung rechtzeitig vor Fälligkeit der Beiträge beantragt wird, werden keine Säumniszuschläge erhoben.

Moderatorin: Ist eine Stundung zum Nulltarif zu haben?

Herrmann: Nein, eine Stundung ist zu verzinsen und zwar mit 0,5 Prozent des rückständigen Beitrags im Monat, abgerundet auf volle 50 Euro. Aber: Stundungszinsen sind nur etwa halb so hoch wie Säumniszuschläge. Es ist also ratsam, dass ein Arbeitgeber, wenn er in Schieflage gerät, schnellstmöglich mit seiner AOK Kontakt aufnimmt.

Moderatorin: Welche zusätzliche Bedingung ist an eine Stundung geknüpft?

Herrmann: Eine Stundung ist an Sicherheiten geknüpft. Dies könnten zum Beispiel hinterlegte Wertpapiere oder eine Bankbürgschaft sein. Von einer Sicherheitsleistung darf die AOK immer dann absehen, wenn der Arbeitgeber bisher regelmäßig und pünktlich seiner Zahlungsverpflichtung nachgekommen ist. Oder wenn eine Gefährdung des Beitragsanspruchs generell bei dem Arbeitgeber ausgeschlossen erscheint. Von einer Sicherheitsleistung kann darüber hinaus abgesehen werden, wenn der zu stundende Betrag maximal das Zweifache der monatlichen Bezugsgröße (2020: 6.370 Euro) beträgt.

Moderatorin: Für welchen Zeitraum kann gestundet werden?

Herrmann: Es kann für maximal zwei Beitragsmonate gestundet werden. Für längere Zeiträume muss die Zustimmung des Trägers der Renten- und Arbeitslosenversicherung eingeholt werden. Ihre AOK findet mit Ihnen eine Lösung. Eine Stundung ohne Ratenzahlung ist maximal für die Dauer eines Zeitjahres zulässig.

Moderatorin: Wann kann ich einen Stundungsantrag stellen?

Herrmann: Ein Stundungsantrag ist vor dem Fälligkeitstag zu stellen, wenn der Arbeitgeber aufgrund ungünstiger wirtschaftlicher Verhältnisse vorübergehend in ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten gerät – oder durch die sofortige Zahlung in diese Situation geraten würde.

Moderatorin: Die Beschäftigten eines Unternehmens sind überwiegend bei der AOK versichert. Reicht es, wenn ich den Stundungsantrag bei der AOK stelle oder muss ich auch die anderen Krankenkassen miteinbeziehen?

Herrmann: Sind in Ihrem Unternehmen außerhalb der AOK weitere Krankenkassen vertreten und sollen die Beiträge für alle Beschäftigten des Unternehmens gestundet werden, ist ein Stundungsantrag an jede dieser Krankenkassen zu stellen.

Moderatorin: Wie muss der Antrag erfolgen?

Herrmann: Der Antrag muss schriftlich erfolgen und die vorübergehenden Zahlungsschwierigkeiten nachvollziehbar darlegen.

Moderatorin: Herr Herrmann, vielen Dank für die Informationen.

Herrmann: Sehr gerne geschehen.

Liebe Zuhörer, sollten Ihre Fragen nach unserer Fragerunde noch nicht hinlänglich beantwortet sein, wenden Sie sich gern an Ihren AOK-Firmenkundenberater. Ihren persönlichen Ansprechpartner finden Sie im Bereich „Kontakt“ hier im dem Firmenkundenportal. Er hilft Ihnen in allen beitragsrechtlichen Fragen weiter. Bleiben Sie gesund!

Über den Experten

Klaus Herrmann ist als Experte für Sozialversicherung vielen Teilnehmern der Online-Seminare der AOK vertraut. Der Krankenkassenfachwirt befasst sich seit vielen Jahren mit der Unterstützung von Firmenkunden bei der Anwendung des Sozialversicherungsrechts. In der Zentrale der AOK Bayern kümmert er sich um Produkte für Arbeitgeber.

Stand

Erstellt am: 01.10.2020

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