Hinzuverdienstgrenzen fallen für viele Rentner weg

Zum 1. Januar 2023 wird die Hinzuverdienstgrenze bei vorgezogenen Altersrenten aufgehoben. Gleichzeitig werden die Hinzuverdienstgrenzen bei voller und auch bei teilweiser Erwerbsminderung erheblich erhöht. Damit sind die Beschäftigten mit einer solchen Rente flexibler. Das macht ihren Einsatz für Arbeitgeber interessant, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Auf einen Blick

  • Ab 1. Januar 2023 können Rentnerinnen und Rentner mit vorgezogener Altersrente in beliebiger Höhe ohne Anrechnung auf ihre Rente hinzuverdienen.
  • Für Beschäftigte mit einer Erwerbsminderungsrente werden die Hinzuverdienstgrenzen ab 1. Januar 2023 angehoben.
  • Bei Renten mit voller Erwerbsminderung gilt ab 1. Januar 2023 eine kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze von 3/8 der 14-fachen monatlichen Bezugsgröße.
  • Bei Renten mit teilweiser Erwerbsminderung gilt ab 1. Januar 2023 eine kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze von 6/8 der 14-fachen monatlichen Bezugsgröße.

Beschäftigte mit vorgezogener Altersrente

Mit dem Bezug einer vorgezogenen Altersrente können Beschäftigte vom 1. Januar 2023 an – wie bereits bisher ab Erreichen der Regelaltersgrenze – in beliebiger Höhe hinzuverdienen, ohne dass es zu einer Anrechnung auf die Rente kommt. Damit setzt der Gesetzgeber den Weg fort, den er in den vergangenen drei Jahren bereits durch die erhebliche Anhebung der Hinzuverdienstgrenze eingeschlagen hat. Der Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand wird durch das vereinfachte Recht für Beschäftigte flexibler. Sie können weiterhin arbeiten, ohne Renteneinbußen zu haben. Für Arbeitgeber ergibt sich der Vorteil, dass sie einfacher auf erfahrene Mitarbeitende zurückgreifen und damit dem Fachkräftemangel entgegenwirken können.

Beschäftigte mit Erwerbsminderungsrente

Die jährliche Hinzuverdienstgrenze für Rentenbeziehende wegen voller Erwerbsminderung knüpft ab 1. Januar 2023 an die monatliche Bezugsgröße an und verändert sich damit entsprechend der Lohnentwicklung. Bis zum 31. Dezember 2024 gelten in den alten und in den neuen Bundesländern noch unterschiedliche Hinzuverdienstgrenzen.

Jährliche Hinzuverdienstgrenzen 2023 im Überblick:

Rente wegen voller Erwerbsminderung

(3/8 der 14-fachen monatlichen Bezugsgröße)

Alte Bundesländer:   17.823,75 Euro

Neue Bundesländer:   17.272,50 Euro

Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung

(6/8 der 14-fachen monatlichen Bezugsgröße)

Alte Bundesländer:   35.647,50 Euro

Neue Bundesländer:   34.545,00 Euro

Mit den angehobenen Hinzuverdienstgrenzen wird es Beziehenden einer Erwerbsminderungsrente ermöglicht, innerhalb ihres verbliebenen Leistungsvermögens einen höheren Verdienst als bisher zu erzielen. Dabei ist der voraussichtliche Hinzuverdienst einmal jährlich zu bestimmen (sogenannte Jahresprognose). Damit Beschäftigte und Arbeitgeber hinsichtlich des rentenunschädlichen Hinzuverdiensts rechtlich sicher sind, sollte der Rentenversicherungsträger über den Beschäftigten eingebunden werden. Der Rentenversicherungsträger prognostiziert bei jedem Rentenbeginn sowie einmal jährlich den voraussichtlichen Hinzuverdienst und legt ihn bei der Ermittlung der Rentenhöhe zugrunde. Auf Antrag der Rentenbeziehenden kann zudem bei Hinzutritt, Wegfall oder Änderung des laufenden Hinzuverdiensts um mindestens 10 Prozent eine neue Prognose zugrunde gelegt werden. Ab 1. Januar 2023 sollen die Bescheinigungen bei Hinzuverdiensten zu Renten in das rvBEA-Bescheinigungsverfahren aufgenommen werden, sodass der Arbeitgeber unmittelbar eine Information zum Hinzuverdienst seiner beschäftigten Rentenbeziehenden erhält.

Zum 1. Januar 2023 fällt zudem der Hinzuverdienstdeckel weg. Er wurde aus den höchsten Entgeltpunkten eines Kalenderjahres innerhalb eines Zeitraums von 15 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung berechnet und stellte eine zusätzliche Höchstgrenze beim Hinzuverdienst dar.

Überschreiten der Hinzuverdienstgrenzen

Werden die Hinzuverdienstgrenzen überschritten, wird die Erwerbsminderungsrente nur teilweise geleistet. Die dann zu zahlende Rente wird berechnet, indem 1/12 des die Hinzuverdienstgrenze übersteigenden Betrags zu 40 Prozent von der Rente abgezogen wird.

Die Anrechnung des Hinzuverdiensts erfolgt in maximal zwei Schritten:

  1. Bis zur Hinzuverdienstgrenze wird nicht angerechnet.
  2. Über der Hinzuverdienstgrenze wird zu 40 Prozent angerechnet.

Hinweis: Eine Umwandlung einer Rente wegen voller Erwerbsminderung in eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung findet bei Überschreiten der Hinzuverdienstgrenze nicht automatisch statt. Es wird vom Rentenversicherungsträger allerdings geprüft, ob sich das gesundheitlich bedingte Restleistungsvermögen geändert hat und deshalb gar kein Rentenanspruch mehr besteht oder nur noch ein Anspruch auf Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung.

Beschäftigte mit voller Erwerbsminderungsrente

Bei der Rente wegen voller Erwerbsminderung wird die bisherige starre Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro zum 1. Januar 2023 abgeschafft. Stattdessen gilt unter Beachtung des eingeschränkten Leistungsvermögens von weniger als drei Stunden täglich eine kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze von 3/8 der 14-fachen monatlichen Bezugsgröße. Dies entspricht 17.823,75 Euro für das Jahr 2023.

Beispiel: Rente wegen voller Erwerbsminderung und Beschäftigung (alte Bundesländer)

1.200 Euro – monatliche Rente wegen voller Erwerbsminderung
9.360 Euro – jährlicher Hinzuverdienst

Vergleichsberechnung9.360,00 Euro
– 17.823,75 Euro
(Hinzuverdienstgrenze)
8.463,75 Euro

Da der jährliche Hinzuverdienst die Hinzuverdienstgrenze nicht übersteigt, wird die Rente in voller Höhe (1.200 Euro) gezahlt.

Beschäftigte mit teilweiser Erwerbsminderungsrente

Bei der Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung wird die kalenderjährliche Mindesthinzuverdienstgrenze – entsprechend des Restleistungsvermögens von unter 6 Stunden täglich – 6/8 der 14-fachen monatlichen Bezugsgröße betragen. Das entspricht dem Doppelten im Vergleich zur Grenze bei einer Rente wegen voller Erwerbsminderung. Die Grenze für 2023 liegt demnach bei 35.647,50 Euro. Sofern vor Eintritt der Erwerbsminderung ein höheres Einkommen erzielt wurde, gilt weiterhin die höhere individuell-dynamische Hinzuverdienstgrenze.

Beispiel: Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung und Beschäftigung (alte Bundesländer)

700 Euro       monatliche Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung
36.400 Euro  kalenderjährlicher Hinzuverdienst

1. Schritt36.400,00 Euro
– 35.647,50 Euro
(Hinzuverdienstgrenze)
752,50 Euro
2. Schritt752,50 Euro × 1/12 × 40Prozent = 25,08 Euro
(anzurechnender Hinzuverdienst)

700,00 Euro
– 25,08 Euro
674,92 Euro

(gekürzte Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung)

Mit dem kalenderjährlichen Hinzuverdienst in Höhe von 36.400 Euro wird die kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze von 35.647,50 Euro um 752,50 Euro überschritten. Ein Zwölftel von 752,50 Euro sind 62,71 Euro. Von diesem Betrag werden 40 Prozent (= 25,08 Euro) von der Monatsrente (700 Euro) abgezogen. Die gekürzte Rente beträgt 674,92 Euro.

BMAS
Gesetzgebung

Die Neuregelung ist Teil des 8. SGB-IV-Änderungsgesetzes und befindet sich noch im parlamentarischen Verfahren, soll aber zum 1. Januar 2023 in Kraft treten.

Bescheinigungen bei Hinzuverdiensten

Die Bescheinigungen bei Hinzuverdiensten zu Renten sollen ab 1. Januar 2023 in das elektronische Bescheinigungsverfahren der Rentenversicherung (rvBEA) aufgenommen werden. Das rvBEA-Verfahren ist seit dem 1. Januar 2022 verpflichtend für alle Arbeitgeber und integraler Bestandteil von systemgeprüfter Entgeltabrechnungssoftware. Mit Hilfe von rvBEA können derzeit Rentenversicherungsträger und Elterngeldstellen bei Arbeitgebern Bescheinigungen elektronisch anfordern. Ebenso können die Rückantworten der Arbeitgeber entgegengenommen werden. Damit soll die Digitalisierung in der Rentenversicherung und anderen Behörden ausgebaut werden.

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rvBEA – Bescheinigungen Elektronisch Anfordern

Weitere Informationen zum rvBEA-Verfahren finden Sie auf den Seiten der Deutschen Rentenversicherung Bund.

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Stand

Erstellt am: 15.12.2022

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