Depression am Arbeitsplatz: was Arbeitgeber tun können

Depressionen sind eine ernsthafte Erkrankung, mit der auch Arbeitgeber lernen müssen umzugehen, wenn Beschäftigte davon betroffen sind.

Mensch sitzt auf Holzbank

Einer von fünf Erwachsenen erkrankt einmal in seinem Leben an einer Depression. In der Arbeitswelt sind psychische Erkrankungen eine immer häufigere Ursache für Fehlzeiten und sorgen mit rund 29 Krankentagen je Fall für besonders lange Ausfallzeiten. Gute Gründe für Arbeitgeber, sich mit dem Thema Depression zu befassen, eine der häufigsten psychischen Erkrankungen.

Angemessen auf Betroffene zugehen

Eine Depression bringt sehr häufig erkennbare Anzeichen mit sich: vor allem gedrückte Stimmung, Antriebs- und Freudlosigkeit. Bei der Arbeit kann sich das als permanente Müdigkeit oder Erschöpfung niederschlagen. Oft fühlen sich Betroffene überfordert und können sich nicht mehr so gut auf ihre Arbeit konzentrieren, was die Arbeit auch fehleranfälliger macht. 

Fallen einer Führungskraft solche Verhaltensveränderungen auf, ist ein sensibler Umgang mit den beobachteten Warnsignalen immer eine gute Wahl, wie Dr. Astrid Maroß, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie beim AOK-Bundesverband erklärt: „Vorgesetzte können und sollen keine Diagnose stellen.“

Bemerken sie aber solche Verhaltensveränderungen, können sie im ersten Schritt überprüfen, ob es äußere Anlässe dafür gibt: 

  • Ist der Arbeitsdruck tatsächlich gestiegen? 
  • Gibt es eine Mehrbelastung oder Konflikte im Team oder im Unternehmen?
  • Gibt es im Privatleben der Person erklärende Belastungen, zum Beispiel einen Trauerfall? 

Wenn solche Ursachen ausgeschlossen werden können, rät die Expertin dazu, das Gespräch auf die vermutete gesundheitliche Belastung zu lenken. Da es sich dabei um ein sehr sensibles Thema handelt, sollte das Gespräch in einer ruhigen Atmosphäre ohne Störungen stattfinden.   

Als Führungskraft der eigenen Rolle bewusst sein

Eine Führungskraft muss ihrer Rolle gerecht werden. Dazu gehört es sicherzustellen, dass Teammitglieder ihre Aufgaben gut erfüllen. Auf der anderen Seite ist jede Führungskraft auch Mensch und hat eine kollegiale Nähe zu der betroffenen Person. Die Führungskraft ist darüber hinaus kein Experte in medizinischen Fragen und kann weder Diagnostik noch Behandlung leisten. 

Was im Gespräch hilft, weiß die Expertin: „Bleiben Sie bei Ich-Botschaften, indem Sie schildern, was Sie wahrnehmen, was Sie an Veränderung beobachten und welche Eindrücke Sie haben. Drücken Sie Ihre Sorge aus und schaffen Sie so eine Atmosphäre, in der es leichter fällt, Hilfsangebote anzunehmen.“

Da sich viele Menschen unsicher sind, wie man im Berufskontext mit depressiven Mitarbeitenden umgeht, lohnt sich ein Blick auf die Seiten der Deutschen Depressionshilfe und die Broschüre „Psychisch krank im Job“.

Profis einbinden

Sollte es nötig sein, professionelle Hilfe zu suchen, könnte es ein erster Schritt sein, den Betriebsarzt oder Hausarzt einzubinden. 
Wenn Vorgesetzte dann dazu raten, einen Arzt zu konsultieren, machen Sie klar, dass jeder Arzt, auch der Betriebsarzt der Schweigepflicht unterliegt. Eine offene Aussprache ist somit in einem geschützten Umfeld möglich und nur ein Arzt kann die Tragweite einer Erkrankung einschätzen, um dem oder der Betroffenen dann ggf. zu empfehlen, einen Facharzt oder Psychotherapeuten aufzusuchen. 

Kultur der Offenheit leben

Nicht immer sind Betroffene bereit, über ihre Einschränkungen der Leistungsfähigkeit zu sprechen. Vielleicht erfordert es Geduld, das nötige Vertrauen aufzubauen. Sicher hilft es, wenn im Unternehmen generell ein toleranter und nicht-stigmatisierender Umgang mit psychischen Erkrankungen gelebt wird. Das kann unterstützt werden, indem in Aufenthaltsräumen Informationen bereitgestellt werden, die über seelische Erkrankungen wie Depression aufklären. Hilfreich ist da beispielsweise der Ratgeber Depression der Deutschen Depressionshilfe. Ergänzend können Hinweise auf Selbsthilfegruppen die Hemmschwelle senken, sich Hilfe zu holen.

Personalabteilung, Betriebsarzt und BGF-Beauftragte können eingebunden werden, wenn es darum geht, Mitarbeitende allgemein und präventiv über seelischen Erkrankungen zu informieren und in einen Dialog einzutreten. 

Zauberformel Geduld

Nicht jedes Hilfsangebot wird sofort mit offenen Armen angenommen. Dr. Maroß sagt dazu: „Es kommt darauf an, Angebote und Vorschläge zu machen und auch in Kauf zu nehmen, mehr als einen Anlauf zu nehmen. Wichtig dabei: Arbeitgeber sollten sich ihrer begrenzten Rolle bewusst sein. Sie sollten keinen Druck ausüben, um jemanden zu einem Hilfsangebot zu drängen. Appellieren Sie an die Selbstverantwortung, besprechen Sie die Auswirkungen auf das Unternehmen und setzen Sie ruhig Nachfolgetermine fest, um zu besprechen, wie es weitergeht und ob zwischenzeitlich Hilfe in Anspruch genommen wurde.“

Der Arbeitsplatz als hilfreiches Umfeld

Einem Beruf nachzugehen ist bei einer Depression nicht ausschließlich eine Belastung. Dr. Maroß betont, dass geregelte Aufgaben und Arbeitszeiten sich stabilisierend auswirken können, weil sie eine Tagesstruktur geben, sinnstiftend erlebt werden können und für sozialen Kontakt und Erfolgserlebnisse sorgen können, was wiederum Symptome einer Depression lindern hilft. 
Damit Betroffene das so erleben, sollten Sie offen darüber sprechen, welche Aufgaben gut bewältigt werden können und ggf. Anpassungen im Aufgabenprofil vornehmen. Vielleicht ist es sinnvoll, mit der Schichtarbeit zu pausieren oder jemanden aus dem direkten Kundenkontakt rauszunehmen. 

So hilft die AOK

Weiterführende Informationen zum Krankheitsbild und den Symptomen gibt es im AOK-Portal "Psychische Gesundheit" und im AOK-Portal „Depressionen“.

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Stand

Erstellt am: 13.11.2022

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