Für psychisches Wohlergehen im Homeoffice sorgen

Unternehmen könnte im Herbst geraten werden, Homeoffice anzubieten, um Energie zu sparen. Was Führungskräfte dann für die psychische Gesundheit der Beschäftigten tun können.

Vermehrtes Arbeiten im Homeoffice kannten viele bisher vor allem als Reaktion auf die Coronapandemie. Nun kann das Arbeiten in den eigenen vier Wänden laut Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) auch eine Antwort auf die drohende Energiekrise durch Gasknappheit sein. Wie können Arbeitgeber der Situation und der damit weiter andauernden psychischen Belastung der Belegschaft begegnen?

Robert Habeck hat jüngst vorgeschlagen, das Arbeiten von zu Hause zum Standard zu machen, um steigenden Energiekosten für Unternehmen und der wachsenden Inflation zu begegnen. Homeoffice wird also vermutlich bleiben. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich für Arbeitgeber, das Arbeiten von zu Hause als Teil der regulären Arbeitswelt zu betrachten. Neben vielen positiven Aspekten von Homeoffice können Mitarbeitende allerdings auch mit gesundheitlichen Herausforderungen konfrontiert werden: Schon aus dem Fehlzeiten-Report 2021 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zu den ersten Corona- und Homeoffice-Monaten ging hervor, dass etwa emotionale Probleme wie Angststörungen bei den Erwerbstätigen von 69 auf 88 Prozent gestiegen waren. Auch Schlafstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten hätten zugenommen, so das WIdO. Nicht zwangsläufig alleinige Tendenzen aus der Heimarbeit, doch Warnsignale für den Arbeitsalltag im kommenden Herbst.

Die Kommunikation stimmt

Die positive Nachricht: Belegschaft und Vorgesetzte kommunizieren immer besser, besagt eine Sonderauswertung des iga.Barometer der Initiative Gesundheit und Arbeit, ebenfalls von 2021. Seit 2019 sei die Kommunikations- und auch die Gesundheitskompetenz laut Umfragen innerhalb der Betriebe auf beiden Seiten gestiegen. Die virtuelle Teamarbeit schränke zwar direkte Kontrollmöglichkeiten ein, umso bedeutsamer sei die Vertrauensebene auf Distanz. Eine indirekte Führung mit Ergebnisorientierung sei Ausdruck dessen. Anstelle von Methoden wie etwa Tracking-Apps schlagen die Studienautorinnen und -autoren der iga demnach vor, etwa auf eine positive Fehlerkultur, die Förderung von Kompetenzentwicklungen der Mitarbeitenden und eine allgemeine Demokratisierung von Prozessen zu setzen. Kurz gesagt: weniger Controlling, mehr Coaching.

Stress vermeiden: fünf Faktoren für Führungskräfte

Die Mitarbeitenden auch im Homeoffice vor psychischen Belastungen zu schützen, ist eine zentrale Aufgabe von Führungskräften. Dabei hilft, deren Auslöser zu kennen. Den häufigsten Stressfaktoren, die zu massiven Arbeitsausfällen führen können, ist unter anderem die WiSo-Fakultät der Uni Hamburg in einem Forschungsprojekt nachgegangen.

Faktor Entgrenzung

Arbeiten im Homeoffice kann zu einer Entgrenzung führen, also der Auflösung der räumlichen, zeitlichen und inhaltlichen Trennung von Arbeit und Privatleben.

Gründe sind zum Beispiel 

  • ergebnisorientiertes Arbeiten,
  • die fehlende Trennung zwischen Arbeits- und Wohnraum sowie
  • Homeschooling oder Haushaltserledigungen.

Konsequenzen dieser permanenten Belastung durch Beruf und Privatleben können Dauerstress, Erschöpfung und Konzentrationsstörungen bis hin zu Burnout oder Depressionen sein.

Lösungsansatz für Vorgesetzte: Kommunizieren Sie deutlich, am besten in einem persönlichen Gespräch oder einem Videocall, das Handy nach Feierabend wegzulegen. So muss niemand ständig erreichbar sein.

Etablieren Sie während der Woche Kernarbeitszeiten mit festgelegten Pausenphasen und beschränken Sie Ihre eigenen E-Mails, Telefonate oder Videocalls auf einen bestimmten Zeitraum. 

Sie können auch eine feste Morgen- oder Abendroutine einführen, die für Ihre Mitarbeitenden eine klare Grenze zwischen Privatem und Arbeitszeit zieht.

Faktor Vereinsamung

Der kleine Plausch in der Kaffeeküche, gemeinsames Essen in der Kantine, reale Meetings – vielen Beschäftigten fehlt im Homeoffice die Nähe zu den Kollegen, das Gefühl der Zugehörigkeit. Und das kann auf Dauer aufs Gemüt schlagen.

Lösungsansatz für Vorgesetzte: Um das Team zusammenzuhalten, muss Raum für privaten Austausch bleiben. 

Nutzen Sie virtuelle Meetings nicht nur, um die nächsten Aufgaben zu besprechen, sondern übernehmen Sie die Moderatorenrolle und fragen Sie gezielt nach, wie es den Teilnehmenden persönlich geht und was sie im Privaten beschäftigt. 

Vergessen Sie Geburtstage, Jubiläen und andere Anlässe nicht. Auch regelmäßige Treffen, zum Beispiel im Biergarten oder zum Sport, fördern das Miteinander und ein gutes Betriebsklima.

Faktor Missverständnisse

Virtuelle Zusammenarbeit erschwert die persönliche Kommunikation. Aufgabenverteilung, Zuständigkeiten und Prioritäten bleiben oft nebulös, und statt spontan etwas nachzufragen zu können, lassen Antworten per E-Mail auf sich warten oder sind nicht konkret genug. Durch den gestörten Arbeitsfluss entsteht bei den Mitarbeitenden schnell ein Gefühl der Unzulänglichkeit – das erhöht die Frustration.

Lösungsansatz für Vorgesetzte: Auch bei Videokonferenzen gehen viele Dinge wie Mimik und Gestik unter. Daher ist es wichtig, ihren Ablauf im Vorfeld genau zu planen.

Dazu gehört auch, die Teilnehmenden um Punkte zu bitten, die sie besprechen möchten. Diese Agenda können Sie im Vorfeld des Meetings verschicken, damit jede Person weiß, wann der richtige Zeitpunkt für ihr Problem oder ihre Herausforderung ist.

Daneben wichtig: Binden Sie stillere Teilnehmende immer wieder ein, damit sie nicht untergehen. 

Faktor Interessierte Selbstgefährdung

Aus Angst, nicht zu genügen, machen viele Mitarbeitende aus eigenem Antrieb Überstunden und sind auch nach der Arbeitszeit telefonisch erreichbar. Dadurch gefährden sie teils wissentlich ihre Gesundheit.

Lösungsansatz für Vorgesetzte: In einigen Betrieben gehört Mehrarbeit und ein hohes Engagement zur Unternehmenskultur – und hier ist besondere Sensibilität gefragt. Wenn die Jahresziele ständig angehoben werden, erhöht sich der Druck. Unternehmen sollten Warnsignale für interessierte Selbstgefährdung ernst nehmen, damit Betroffene nicht in diese Spirale geraten.

Faktor Präsentismus

Der Fehlzeiten-Report 2021 des WIdO belegt, dass fast jede und jeder Siebte trotz Arbeitsunfähigkeit und gegen ärztlichen Rat zur Arbeit geht. Im Homeoffice, davon gehen die Studienautorinnen und -autoren aus, liegt die Dunkelziffer weit höher. Auch das führt bei den Beschäftigten auf Dauer zu psychischen Belastungen.

Lösungsansatz für Vorgesetzte: Die Kosten, die durch „Präsentismus“ entstehen, sind, wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ermittelt hat, mindestens so hoch wie die Kosten durch krankheitsbedingte Fehlzeiten. 

Denn kranke Mitarbeitende sind nicht so leistungsfähig und produzieren mehr Fehler. Mit einem effektiven Betrieblichen Gesundheitsmanagement können Sie Ihren Beschäftigten vermitteln, dass Kranksein kein Versagen ist, und stärken das Vertrauen, dass sie keine beruflichen Nachteile zu befürchten haben, wenn sie sich Zeit für ihre Gesundheit nehmen.

So unterstützt die AOK

Das AOK-Online-Programm „Gesund im Homeoffice“. 

Das AOK-Online-Programm „Gesund Führen“.

Das Online-Selbsthilfeprogramm „Moodgym“ bietet Ihnen zusätzliche Hilfe zur Vorbeugung oder Verringerung von depressiven Symptome.

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