Resilienz: der Schlüssel, um Krisen zu meistern

Je mehr Beschäftigte sich und ihr Unternehmen als resilient wahrnehmen, desto besser bewerten sie ihren eigenen Gesundheitszustand. Das ist eines der zentralen Ergebnisse aus dem AOK-Fehlzeiten-Report 2021. Was Resilienz bedeutet, erklärt Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des Wis­sen­schaft­li­chen Instituts der AOK und Mitherausgeber der Studie.

„Mitarbeitern vertrauen, Selbstverantwortung fördern“

Herr Schröder, was hat Sie an Ihrer Untersuchung am meisten überrascht?

Unsere Studienergebnisse belegen, dass Unternehmen und auch Beschäftigte während der Krise geradezu über sich hinausgewachsen sind: 87,7 Prozent der Befragten gaben bei Fragen zum Zusammenhalt und zur Arbeitsbelastung während der Pandemie an, dass sie bei Problemen von Kollegen unterstützt worden sind. 81,8 Prozent bejahten die Frage, ob ihre Führungskräfte stets ein offenes Ohr für sie und ihre Anliegen hatten. Das sind sehr gute Bewertungen für Un­ter­neh­men und deuten auf deren hohe organisationale Resilienz hin.

Was genau bedeutet organisationale Resilienz? 

In den Sozialwissenschaften bezeichnet Resilienz die Fähigkeit, sich auch in Stressphasen an­zu­pas­sen und zu reagieren, anstatt in Panik zu verfallen. Gerade bei der Krisenbewältigung kann Re­si­li­enz als Schlüssel beschrieben werden: Es ist die Widerstandsfähigkeit, die sich durch flexibles Zurückfedern und erneutes Aufrichten auszeichnet. Die organisationale Resilienz zeigt sich am Füh­rungs­stil, am Zusammenhalt in der Belegschaft sowie an den Anpassungskapazitäten – also wie flexibel Unternehmen auf Unvorhergesehenes reagieren können. Organisationale Resilienz ist somit eine Facette der Unternehmenskultur.

Wie hat sich diese Resilienz in der Coronakrise ganz konkret gezeigt?

In der Krise mussten Anpassungen in einem sehr schnellen Tempo erfolgen, zum Beispiel beim The­ma zeit- und ortsflexibler Arbeit. Hier hatten einige Betriebe durch geeignete technische Vo­raus­set­zun­gen und vor allem durch eine entsprechende Unternehmens- und Führungskultur, die darauf vertraut, dass auch im Homeoffice produktiv gearbeitet wird, sicherlich einen Startvorteil.

Wie können Führungskräfte die Resilienz ihrer Beschäftigten stärken?

Es reicht nicht, an der Eingangstür ein Schild mit der Aufschrift „Wir sind ein resilientes Un­ter­neh­men“ anzubringen. In unseren Befragungen hat sich gezeigt, dass Resilienz nur über das prak­ti­sche Agieren der Führungskraft an die Belegschaft vermittelt werden kann. Dazu zählen ein em­pa­thi­scher, vertrauensvoller Umgang mit der Belegschaft sowie eine offene Fehlerkultur. Das führt dazu, dass sich Beschäftigte bei Problemen angstfrei an ihre Vorgesetzten wenden und damit die Tür zu schnelleren Lösungswegen geöffnet wird. Genauso hilfreich ist es, die Selbstverantwortung jedes Einzelnen zu fördern. Das gelingt etwa, indem regelmäßig Feedbackgespräche geführt wer­den, um klare Ziele zu definieren und um Beschäftigte aktiv an Lösungsansätzen zu beteiligen.

Welche Vorteile haben Unternehmen davon?

Gerade die Coronakrise mit ihren gravierenden Erschütterungen auch in der Arbeitswelt hat den Nutzen einer resilienten Organisation verdeutlicht: Das bereits angesprochene angstfreie Be­triebs­kli­ma trägt dazu bei, dass Beschäftigte berufliche Schwierigkeiten als Herausforderung und nicht als Bedrohung wahrnehmen. Ein Team, das bei Schwierigkeiten aufeinander zählen kann, wird mu­ti­ger und damit auch innovativer an Problemstellungen herantreten. Zu guter Letzt hat Re­si­li­enz auch einen messbaren Effekt auf die Gesundheit: Beschäftigte, die der Resilienz ihres Un­ter­neh­mens besonders gute Noten geben, hatten im Schnitt 7,7 krankheitsbedingte Fehltage in den letzten zwölf Monaten, bei besonders schlechter Bewertung waren es dagegen knapp zwölf.

Was sind die Herausforderungen für die Zukunft?

Durch die Coronakrise gab es einen Schub bei der Digitalisierung, die an vielen Stellen Ent­wick­lun­gen wie Homeoffice erst möglich gemacht hat. Sie bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich. Da die digitalen Techniken rund um die Uhr zur Verfügung stehen, braucht es auf der einen Seite mehr Selbstdisziplin des Einzelnen, diese auch mal auszuschalten und auf Er­ho­lungs­zei­ten zu achten. Auf der anderen Seite sollten Unternehmen es durch entsprechende Maß­nah­men des Betrieblichen Gesundheitsmanagements unterstützen, etwa durch digitale Angebote für die Gesundheit, aber auch durch einen gesundheitsgerechten Führungsstil: Führungskräfte kön­nen ihre Beschäftigten dazu ermuntern, regelmäßige kurze Minipausen einzulegen – 25 Mi­nu­ten arbeiten, fünf Minuten Pause. Es könnte auch vereinbart werden, bei E-Mails die CC-Funk­ti­on stark dosiert zu verwenden, um die Informationsflut zu beschränken.

So unterstützt die AOK

Die Coronapandemie hat die Arbeitswelt nachhaltig verändert. Für Arbeitgeber und Beschäftigte stellen sich im Homeoffice oder am Arbeitsplatz viele neue Herausforderungen. Hilfreiche Tipps, um Beschäftigte zu schützen, zu motivieren und ihre Gesundheit zu erhalten, finden Sie hier.

Stand

Erstellt am: 16.11.2021

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