Beispiele aus der Praxis: Abgrenzung zwischen Geldleistung und Sachbezug

Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat die Abgrenzung zwischen Geldleistung und Sachbezug in einem neuen Anwendungsschreiben für Gut­schei­ne und Geldkarten konkretisiert. Außerdem gilt bis Ende 2021 ein Übergangszeitraum.

Auf den Punkt gebracht

  • Gutscheine und Geldkarten, die zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen berechtigen, kön­nen noch bis zum 31. Dezember 2021 als Sachbezug anerkannt werden. Bis dahin gilt der Übergangszeitraum.
     
  • Es gibt verschiedene Fallkonstellationen, unter denen Gutscheine und Geldkarten als Sach­bezug angenommen werden können.
     
  • Die Sachbezugsfreigrenze wird ab 1. Januar 2022 von 44 auf 50 Euro erhöht.

Übergangszeitraum bis Ende 2021

Obwohl es bereits seit dem 1. Januar 2020 eine anderslautende gesetzliche Regelung gibt, hat das BMF mit einem neuen Anwendungsschreiben nun eine Übergangsregelung eingeführt. Demnach können Gutscheine und Geldkarten, die zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen berechtigen, übergangsweise bis zum 31. Dezember 2021 als Sachbezüge angesehen werden. Das gilt auch, wenn die Gutscheine und Geldkarten nicht die Voraussetzungen des § 8 Abs. 1 Satz 3 EStG erfüllen. Gutscheine und Geldkarten, die von der Finanzverwaltung über­gangs­weise als Sachbezug angesehen werden, führen auch nicht zur Beitragspflicht in der So­zi­al­ver­sicherung.

Was zählt zu den Geldleistungen?

Durch die neue gesetzliche Definition „Zu den Einnahmen in Geld gehören“ wird fixiert, dass zweck­ge­bun­de­ne Geldleistungen, nachträgliche Kostenerstattungen, Geldsurrogate und andere Vorteile, die auf einen Geldbetrag lauten, grundsätzlich keine Sachbezüge, sondern Geld­leis­tun­gen sind.

Wann handelt es sich um einen Sachbezug?

Gutscheine und Geldkarten, die ansonsten als Geldleistung anzusehen sind, zählen zum Sach­­be­­zug, wenn sie

Die Ausnahmeregelungen lassen sich drei Fallgruppen zuordnen:

Fall 1: begrenztes Netzwerk

Beispiel 1 (§ 2 Abs. 1 Nr. 10 Buchstabe a ZAG)

Ein Arbeitnehmer erhält eine Kundenkarte im Wert von 44 Euro von seinem Arbeitgeber, dem Onlinehändler A mit Sitz in Luxemburg. Damit kann er Waren aus der Produktpalette des Onlinehändlers A erwerben (Verkauf und Versand durch diesen Onlinehändler). Die Produktpalette umfasst rund 5 Mio. Artikel.

Es handelt sich um einen Sachbezug, da ausschließlich Waren aus der Produktpalette des Ausstellers der Kundenkarte (Onlinehändler A) bezogen werden können. Unerheblich ist, dass der Aussteller der Kundenkarte seinen Sitz im Ausland hat und über ein sehr großes Warenangebot verfügt.

Beispiel 2 (§ 2 Abs. 1 Nr. 10 Buchstabe a ZAG)

Wie Beispiel 1. Mit der Kundenkarte kann der Arbeitnehmer auf der Plattform des Online­händlers aber auch Produkte von Fremdanbietern erwerben („Marketplace“).

Es handelt sich aufgrund der Einbeziehung der Fremdanbieter nicht um einen Sachbezug, da nicht ausschließlich Waren aus der Produktpalette des Gutscheinausstellers gekauft wer­den können. Folglich handelt es sich um eine Geldleistung, für die die monatliche 44-Euro-Freigrenze nicht in Anspruch genommen werden kann.

Fall 2: begrenzte Produkt­palette

Beispiel (§ 2 Abs. 1 Nr. 10 Buchstabe b ZAG)

Ein Arbeitnehmer erhält von seinem Arbeitgeber die Tankkarte einer Mineralölgesell­schaft im Wert von 44 Euro, die bei dieser Mineralölgesellschaft im Inland und Ausland aus­schließ­lich zum Erwerb von Kraftstoff eingesetzt werden kann.

Da mit der Tankkarte lediglich Kraftstoff bezogen werden kann (= sehr begrenzte Wa­ren­pa­let­te), handelt es sich um einen Sachbezug, für den die monatliche 44-Euro-Freigrenze in Anspruch genommen werden kann. Der zulässige Einsatz der Tankkarte dieser Mi­ne­ral­öl­ge­sell­schaft auch im Ausland ist unerheblich.

Fall 3: steuerliche und soziale Zwecke

Beispiel (§ 2 Abs. 1 Nr. 10 Buchstabe c ZAG)

Ein Anbieter stellt Arbeitgebern digitale Essenmarken für ein Mittagessen im Wert von 6,57 Euro arbeitstäglich zur Verfügung, die die Arbeitgeber an ihre Arbeitnehmer wei­ter­ge­ben. Die digitalen Essenmarken können an einer Vielzahl von Akzeptanzstellen ein­ge­löst werden.

Es handelt sich um einen Sachbezug, da Verzehrkarten aller Art zu den begünstigten Zweck­kar­ten gehören. Auf die Anzahl der Akzeptanzstellen kommt es nicht an. Aufgrund der besonderen Bewertungsvorschriften für Mahlzeiten ist der geldwerte Vorteil mit dem amtlichen Sachbezugswert von 3,47 Euro für ein Mittagessen anzusetzen und der über­stei­gen­de Betrag von 3,10 Euro ist steuer- und beitragsfrei. Der geldwerte Vorteil kann mit 25 Prozent pauschal besteuert werden. Eine Anwendung der monatlichen 44-Euro-Freigrenze für Sachbezüge ist nicht möglich.

Neue Freigrenze

Die monatliche 44-Euro-Freigrenze für Sachbezüge wird ab Januar 2022 auf 50 Euro erhöht.

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Stand

Erstellt am: 11.08.2021

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