Gesund mit Fehlern umgehen

Fehler passieren jedem mal. Den Unterschied macht, wie man mit ihnen umgeht. Fehler bei der Arbeit sollten kein Tabuthema sein – denn eine konstruktive Fehlerkultur fördert sogar die Gesundheit der Beschäftigten.

Fehler: ansprechen statt vertuschen

Fehler kosten manchmal Geld, Nerven und verursachen unangenehme Situationen. Beliebt sind sie definitiv nicht. Doch Unternehmen brauchen Fehler, denn sie fördern Lernen und Fortschritt. „Eine gute Fehlerkultur verbessert nicht nur Arbeitsabläufe, Produkte und Dienstleistungen, sie nimmt auch emotionalen Druck sowie Stress und fördert somit die psychische Gesundheit aller Beteiligten“, weiß Gudrun Glowalla, Psychologieprofessorin und Studiengangsleiterin Change Management und Decision Making der Hochschule Fresenius. „Worauf es ankommt, ist, wie man mit Fehlern umgeht“, ist sie sich sicher. Ihrer Erfahrung nach zeigt es sich immer wieder, dass eine gute Fehlerkultur ein zentraler Erfolgsfaktor in Unternehmen ist.

In vielen Unternehmen würden Fehler indes bis heute als Karrierekiller gelten, so die Expertin. Deutschland und sein Unternehmertum stünden für Präzision, Pünktlichkeit und hohe Qualität – Fehler hätten da oft schlichtweg keinen Platz.

Sieben Tipps für Arbeitgeber

Eine gesunde und zielführende Fehlerkultur zu etablieren, ist ein langwieriger Prozess und nicht von heute auf morgen umsetzbar. Mit den richtigen Maßnahmen können Arbeitgeber aber schon kurzfristig zu einem gesünderen Umgang mit Fehlern finden. Dadurch bewahren sie Beschäftigte vor unangenehmem, emotionalen Druck sowie unnötigen Stresssituationen. Mit diesen Tipps von Glowalla schaffen Sie eine gesunde Arbeitsumgebung:

  • Als Führungskraft offen zu eigenen Fehlern stehen: Führungskräfte gehen im besten Fall mit gutem Beispiel voran. Sie fördern innovatives Denken und machen allen klar, dass Fehler vollkommen menschlich und kein Tabu sind. Und das gilt zuallererst für sie selbst. Wenn Vor­ge­setz­te so tun, als würden sie selbst nie Fehler machen, dann trauen sich auch die Beschäftigten nicht, offen mit Fehlern umzugehen. Führungskräfte sprechen stattdessen besser proaktiv an, wenn sie mal danebenlagen, und leben damit vor: Das ist keine Katastrophe.
     
  • Emotionen herunterfahren: Ist der Fehler passiert, sind emotionale Ausbrüche in Form von Wut oder Frust kontraproduktiv. Vielmehr gilt es für Führungskräfte, die negative Nachricht zu­nächst sacken zu lassen. Glowalla empfiehlt, ein „imaginäres Stoppschild“ einzubauen. Be­vor Vorgesetzte Mitarbeiter wütend anschreien, sollten sie sich sagen: Stoppschild hoch, durch­at­men, Situation sacken lassen und erst dann reagieren.
     
  • Fehlerursachen suchen und bewerten: Aus welchem Grund ist der Fehler passiert? Es lohnt sich, nach den Ursachen zu forschen – und dementsprechend mit den Verantwortlichen um­zu­ge­hen. Hinterfragen Sie als Führungskraft, ob der Fehler auf fehlende Informationen, auf un­kla­re Prozesse und Verantwortlichkeiten oder auf Überlastung zurückzuführen ist – oder ob der Fehler aus Nachlässigkeit, Desinteresse oder gar mit böser Absicht passierte.
     
  • Sachlich über Fehler sprechen: Beteiligte sollten Fehler als Probleme mit negativen Aus­wirkun­gen sehen und sachlich über sie sprechen. Dabei gilt es insbesondere, produktiv und lösungs­ori­en­tiert mögliche Lösungsszenarien durchzuspielen. Glowalla empfiehlt zusätzlich, Fehler nicht schönzureden. Fehler sind und bleiben negativ. Wenn Führungskräfte sie aber offen und sachlich ansprechen, dann können sie in vielen Fällen für die Zukunft dazulernen und sie vermeiden.
     
  • Vier-Augen-Gespräch bevorzugen: Glowalla rät davon ab, den Verursacher des Fehlers vor Kollegen an den Pranger zu stellen. Das erste Gespräch über den Fehler erfolgt am besten ver­trau­lich zu zweit, um den emotionalen Druck und den Stress herauszunehmen. Auch hier gilt: sachlich, nicht emotional reagieren. Nach einem solchen ersten Gespräch kann man dann in großer Runde über Lösungsmöglichkeiten diskutieren – insbesondere bei Fehlern, die aufgrund von mangelnden Informationen oder unklaren Prozessen und Verantwortlichkeiten passierten.
     
  • Fehlerkultur einführen: Um langfristig eine gesunde Fehlerkultur zu etablieren, ist es nach Meinung der Expertin unumgänglich, Fehler regelmäßig zu thematisieren, bis sie Teil des nor­ma­len Feedbackprozesses sind, etwa bei Besprechungen zu Produkten oder Dienstleistungen. Der Ansatz: „Um zu vermeiden, dass Kunden oder Geschäftspartner sich beschweren, weil XY passiert, sollten wir …“ So denken alle Beteiligten mögliche Fehler mit – und etablieren eine gesunde Feedback- und Fehlerkultur.
     
  • Haltung zeigen: Führungskräfte sollten bedenken, dass Beschäftigte sich oft nicht trauen, ihre Vorgesetzten darauf hinzuweisen, wenn diese einen Fehler gemacht haben. Deshalb kommu­ni­zie­ren Führungskräfte im Idealfall ganz klar, dass konstruktives Feedback erwünscht ist, und betonen immer wieder: Fehler sind nur Probleme mit Konsequenzen und Lern­po­ten­zi­al, aber kein Weltuntergang.

So unterstützt die AOK

Das AOK-Programm Gesund führen hilft Führungskräfte dabei, ihre Mitarbeiter fair und wert­schät­zend zu führen. Sehen sie hier, wie Sie die Motivation und Arbeitszufriedenheit weiter fördern.

Stand

Erstellt am: 11.02.2021

gesundes unternehmen – der Arbeitgeber-Newsletter der AOKAOK/Region ändern

Dieser Beitrag stammt aus dem Arbeitgeber-Newsletter der AOK. Bleiben Sie auf dem Laufenden und erhalten Sie einmal im Monat kostenfrei Informationen aus den Themenbereichen Sozialversicherung und Gesundheit im Betrieb sowie zu den Angeboten und Leistungen der Gesundheitskasse speziell für Arbeitgeber.

Kontakt zur AOK AOK/Region wählen
Grafik Ansprechpartner
Ihr Ansprechpartner steht Ihnen gerne für Ihre Fragen zur Verfügung.
Grafik e-mail
Melden Sie uns Ihr Anliegen, wir antworten umgehend oder rufen Sie zurück.