Punktnüchternheit: eine Alternative in der Suchtprävention

Mit dem Konzept der sogenannten Punktnüchternheit verständigen sich Unternehmensleitung und Beschäftigte auf den eigenverantwortlichen Kon­sum­verzicht vor und während der Arbeitszeit. Wie Führungskräfte das Konzept in der Praxis umsetzen und damit die Suchtprävention fördern können.

Alkoholverbot allein erfüllt nicht immer sein Ziel

Eine Führungskraft beobachtet, dass ein Mitarbeiter immer wieder alkoholisiert am Arbeitsplatz erscheint. Er ist häufig unkonzentriert und macht Fehler. Die Führungskraft hat ihn bereits mehr­fach an das Alkoholverbot im Unternehmen erinnert – doch der Mitarbeiter konsumiert den Al­ko­hol vor der Arbeit, verstößt also nicht gegen das generelle Alkoholverbot im Unternehmen.

An dieser Stelle setzt das Konzept der Punktnüchternheit an. Das Ziel: auf den Punkt, also in einer bestimmten Situation, komplett nüchtern zu sein. Deshalb ist der Konsum von Alkohol vor Ar­beits­be­ginn oder in der Pause tabu. Und zwar nicht im Sinne eines Verbots, sondern als freiwillige Selbstverpflichtung. Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sollte die Botschaft lauten: Jeder Mensch kann durch einen verantwortungsvollen Umgang mit Suchtmitteln Vorbild sein und dadurch gesundheitliche Risiken vermeiden.

So setzen Führungskräfte das Konzept schrittweise um

  • Überzeugen: Gewinnen Sie Ihre Mitarbeiter in einem ersten Schritt für das Konzept. Das Po­si­tive: Die Idee der Punktnüchternheit ist schnell erklärt. Das Konzept soll keine erzieherische Maß­nah­me zum Konsumverzicht sein, sondern eine freiwillige Selbstverpflichtung.
     
  • Ängste abbauen: Machen Sie Ihren Mitarbeitern klar, dass keine Sanktionen und Ab­mah­nun­gen drohen, wenn sie gegen das Konzept verstoßen. Stattdessen sollten Sie in diesem Fall für­sorg­lich mit Ihrem Mitarbeiter sprechen und die Ursachen für den Verstoß klären.
     
  • Vorbild sein: Als Führungskraft haben Sie eine Vorbildfunktion. Verpflichten Sie sich zur Punktnüchternheit, zum Beispiel indem Sie eine Selbstverpflichtung unterzeichnen.
     
  • Keine Ausnahmen machen: Führen Sie das Konzept der Punktnüchternheit nicht nur für bestimmte Berufsgruppen im Unternehmen ein. Stattdessen sollte es für alle gelten – von der Führungskraft über Personalmitarbeiter bis hin zu Fachkräften und Werksärzten. So fällt es leichter, eine verbindliche Regelung zu vereinbaren, die von allen getragen wird.
     
  • Nicht in Versuchung führen: Wenn Sie sich für Punktnüchternheit am Arbeitsplatz ent­schei­den, ist es wichtig, Alkohol komplett zu verbannen – auch bei Anlässen wie einem runden Geburtstag oder bei einem Ausstand.
     
  • Verbindlichkeit schaffen: Streben Sie an, dass das Konzept der Punktnüchternheit in die Dienstvereinbarung aufgenommen wird. Damit wird es fester Bestandteil der Unternehmens­kultur.

So unterstützt die AOK

Die Experten der AOK beraten Unternehmen gern zum Thema Suchtprävention. Die Ge­sund­heits­kas­se hat speziell geschulte Suchtberater und bietet zielgerichtete Kurse an. Darüber hinaus un­ter­stützt sie Unternehmen mit Tipps und Adressen von Anlaufstellen für weitere Hilfsangebote. Ihren Ansprechpartner finden Sie auf dem AOK-Fachportal für Arbeitgeber.

Stand

Erstellt am: 14.01.2020

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