Stärkung des Unternehmens: Azubis einstellen - neues Krankenkassenwahlrecht beachten

Auch für Auszubildende ist das seit 1.1.2021 geltende Krankenkassenwahlrecht zu beachten. Was Arbeitgeber dabei und darüber hinaus bei der Beitragsbemessung, bei Mindestlohn für Azubis und der Entgeltfortzahlung wissen müssen.

Auf den Punkt gebracht

  • Auszubildende sind in allen Zweigen der Sozialversicherung und in der Unfallversicherung versicherungspflichtig. Die Familienversicherung endet.
  • Azubis können ihre Krankenkasse innerhalb von zwei Wochen nach Ausbildungsbeginn frei wählen. 
  • Der Mindestlohn für Azubis beträgt zurzeit 585 Euro monatlich, die Beiträge aus dieser Vergütung tragen Ausbildungsbetrieb und Auszubildender je zur Hälfte

Versicherungspflicht zum Ausbildungsbeginn

Ab Ausbildungsbeginn sind Azubis in allen Zweigen der Sozialversicherung und in der Unfallversicherung versicherungspflichtig. In der Krankenversicherung hat der Auszubildende gleich zu Beginn der Ausbildung eine wichtige Entscheidung zu treffen – die Wahl der Krankenkasse. An diese Wahl sind Auszubildende dann mindestens zwölf Monate gebunden.

Ablauf der Krankenkassenwahl

Berufsstarter sollten vor Ausbildungsbeginn, spätestens jedoch innerhalb von zwei Wochen nach Beginn der Ausbildung die Krankenkasse wählen, bei der sie sich versichern möchten. Dazu gibt der Azubi eine Mitgliedserklärung bei der gewählten Kasse, beispielsweise der AOK, ab und erhält eine Bestätigung der Krankenkasse für seine Unterlagen. Die Zweiwochenfrist beginnt mit dem Folgetag des Ausbildungsbeginns.

Die vom Auszubildenden gewählte Krankenkasse übermittelt dem Arbeitgeber eine elektronische Bestätigung über das Bestehen der Mitgliedschaft. 
Übt ein Azubi sein Krankenkassenwahlrecht nicht aus, meldet der Ausbildungsbetrieb ihn bei der zuletzt zuständigen Krankenkasse an, also bei der Kasse, der der Azubi als Familienversicherter angehörte. War der Auszubildende bisher noch nie gesetzlich krankenversichert, kann der Betrieb die Krankenkasse frei wählen. 

Tipp: Ein nicht ausgeübtes Wahlrecht kann zu rückwirkendem Korrekturaufwand führen, wenn der Arbeitgeber die zuletzt zuständige Krankenkasse nicht zweifelsfrei feststellen konnte. Das kann verhindert werden, wenn der Arbeitgeber Auszubildende in den ersten zwei Wochen nach Beschäftigungsbeginn um die aktive Ausübung des Wahlrechts bittet. Ihr Firmenkundenberater der AOK berät die Auszubildenden gerne auch direkt über die Möglichkeiten des Krankenkassenwahlrechts.  

Ansprechpartner finden

Beispiel: Ausbildungsbeginn am 1. September 2022

Zwei-Wochen-Frist endet am 15.September 2022

Fällt das Fristende auf einen Samstag, Sonntag oder einen gesetzlichen Feiertag, endet die Frist mit dem Ablauf des nächstfolgenden Werktages.

Beiträge für Auszubildende

Die Beiträge für Berufsstarter werden auf der Grundlage der monatlichen Ausbildungsvergütung bemessen. Insbesondere bei einer Teilzeitausbildung ist bei der Beitragstragung die Geringverdienergrenze zu beachten. Erhält der Auszubildende eine Ausbildungsvergütung bis zur Grenze von 325 Euro, entrichtet der Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge allein. In aller Regel überschreiten die Ausbildungsvergütungen die Geringverdienergrenze. Die Auszubildenden sowie die Ausbildungsbetriebe teilen sich damit die Beitragslast je zur Hälfte.

Tragung der Beiträge

In der Krankenversicherung gilt der gesetzlich festgelegte allgemeine Beitragssatz. Erhebt die Krankenkasse einen Zusatzbeitrag, wird auch dieser je zur Hälfte vom Auszubildenden und vom Arbeitgeber getragen. In der Pflegeversicherung ist das Alter des Azubis zu beachten: Hat der Auszubildende das 23. Lebensjahr vollendet und ist kinderlos, fällt ein Beitragszuschlag von 0,35 Prozentpunkten zur Pflegeversicherung an, den der Auszubildende allein tragen muss.

Mindestvergütung für Auszubildende

Für neue Berufsausbildungsverhältnisse gilt seit 2020 in Betrieben, die keinem Tarifvertrag unterliegen, eine Mindestvergütung für Auszubildende. Sie beträgt 585 Euro monatlich im Jahr 2022. Der Mindestlohn steigt während der Ausbildung und beträgt zurzeit 690,30 Euro im zweiten Ausbildungsjahr.

In den nächsten Jahren wird der Mindestlohn für Azubis schrittweise auf bis zu 620 Euro monatlich im ersten Ausbildungsjahr angehoben. Ab 2024 ist die Anpassung der Mindestvergütung für Azubis an die durchschnittliche Entwicklung der vertraglich vereinbarten Ausbildungsvergütungen gekoppelt.

Tipp: Auszubildende interessiert in den ersten Tagen auch, was am Monatsende auf dem Girokonto landet. Mit dem AOK-Gehaltsrechner können Sie Ihren Auszubildenden schnell und unkompliziert einen Überblick über die anfallenden Steuer- und Sozialversicherungsabzüge und die sich ergebende Nettoausbildungsvergütung ermöglichen. Darüber hinaus ermöglicht der AOK-Gehaltsrechner auch für den Ausbildungsbetrieb einen schnellen Einblick in die anfallenden Lohnnebenkosten des Ausbildungsvertrags. Den AOK-Gehaltsrechner finden Sie unter Gehaltsrechner & Brutto-Netto-Rechner.

Entgeltfortzahlung

Erkrankt ein Auszubildender, hat er während der Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf Fortzahlung der Ausbildungsvergütung bis zur Dauer von sechs Wochen durch den Arbeitgeber. Zu Beginn des Ausbildungsverhältnisses greift die sogenannte Wartezeit.

Tipp: Für die ersten vier Wochen des Ausbildungsverhältnisses besteht kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Der Auszubildende erhält in dieser Zeit anstelle von Entgeltfortzahlung Krankengeld von seiner Krankenkasse.

Umlageversicherung

Die Umlagen zur U1 (bei Krankheit) und U2 (bei Mutterschaft) sind auch für die (Ausbildungsvergütungen zu zahlen. Infolge Krankheit beziehungsweise Mutterschaft fortgezahlte Ausbildungsvergütungen werden dem Arbeitgeber auf Antrag durch die Krankenkasse des jeweiligen Auszubildenden erstattet. Der U1 gehören die Arbeitgeber an, die regelmäßig nicht mehr als 30 Arbeitnehmer beschäftigen. Bei der Ermittlung der 30 Arbeitnehmer werden Auszubildende nicht mitgezählt.

Tipp: Gerade in Betrieben mit zahlreichen Teilzeitbeschäftigten ist die Ermittlung der der Grenze von 30 Arbeitnehmern für die Teilnahme am U1-Verfahren nicht immer leicht. Hilfe bietet dabei der Umlagepflichtrechner im Firmenkundenportal.

Die AOK bietet Arbeitgebern noch viele weitere Informationen rund um das Thema Ausbildungsbeginn an. Im Fachportal für Arbeitgeber finden Sie Informationen rund um die gesetzlichen Grundlagen für die Ausbildung, zum Ausbildungsplan, zum digitalen Berichtsheft und vieles mehr.
Ausbilden – Regeln & Sozialversicherung

 

Stand

Erstellt am: 12.07.2022

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Dieser Beitrag stammt aus dem Arbeitgeber-Newsletter der AOK. Bleiben Sie auf dem Laufenden und erhalten Sie einmal im Monat kostenfrei Informationen aus den Themenbereichen Sozialversicherung und Gesundheit im Betrieb sowie zu den Angeboten und Leistungen der Gesundheitskasse speziell für Arbeitgeber.

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