Den Flow im Job ermöglichen

Wer bei der Arbeit die Zeit vergisst und seine Tätigkeit als selbstbelohnend erlebt, ist laut Experten „im Flow“. Ein erstrebenswerter, produktiver Zustand, für den Arbeitgeber die Rahmenbedingungen schaffen können. Dr. Oliver Weigelt, Forscher im Bereich Arbeit und Gesundheit an der Universität Leipzig, er­klärt, wie das geht.

„Über die Freude an der Arbeit die Zeit vergessen“

Herr Dr. Weigelt, während Ihrer Forschung haben Sie immer wieder mit dem „Flow-Effekt“ zu tun. Was bedeutet es, bei seiner beruflichen Tätigkeit „im Flow“ zu sein?

Der Begriff Flow beschreibt einen Zustand, in dem man völlig vertieft in seiner aktuellen Tätigkeit aufgeht. Wer im Flow ist, konzentriert sich komplett auf sein Tun und lässt sich nicht ablenken. Man vergisst die Zeit, wundert sich, warum sie gefühlt viel schneller vergangen ist. Der Flow be­flü­gelt: Wer sich in diesem Zustand befindet, kennt die Bedeutung des eigenen Handelns und grübelt nicht über sein Können nach. Stattdessen sind Beschäftigte im Flow sicher, der Aufgabe gewachsen zu sein, sie haben das Ziel und den Weg dorthin klar vor Augen.

Warum sollten Arbeitgeber ihre Mitarbeiter aktiv dabei unterstützen, den Flow-Zustand zu erreichen?

Viele Beschäftigte sehnen sich heute nach einem Job, der sie erfüllt. Monetäre Dinge wie Gehalt oder Bonus-Zahlungen sind oftmals eher zweitrangig. Was zählt, ist die Lebensqualität, bei der die Zufriedenheit und das Wohlbefinden im Job eine große Rolle spielen. Beim Flow wird die Ar­beit an sich als eine Art Belohnung erlebt. Das ist vergleichbar mit intrinsischer Motivation, also einem inneren, aus sich selbst entstehenden Antrieb – ohne dass weitere, äußere Anreize nötig sind. Das Ergebnis sind glückliche Mitarbeiter, die unterm Strich produktiver, aber auch gesünder sind, insbesondere im Hinblick auf die psychische Gesundheit. Deshalb sollten Arbeitgeber das Thema ernst nehmen – um attraktiv zu sein, aber auch, um kompetente Menschen an sich zu binden.

Was genau können Arbeitgeber für ein Arbeitsklima mit Flow-Potenzial tun?

Sie können gewisse Rahmenbedingungen schaffen. Wichtig ist zum Beispiel, dass Mitarbeiter von ihrer Aufgabe gefordert werden – aber nicht überfordert. Wer sich zu stark beansprucht oder gar unterfordert fühlt, erreicht keinen Flow-Zustand. Um das richtige Maß zu finden, helfen Mit­ar­bei­ter­ge­sprä­che. Hier gilt es herauszufinden, wo die persönlichen Stärken und Schwächen liegen, was sich die Mitarbeiter von ihrer Tätigkeit versprechen – und was ihnen besonders wichtig ist. So können Führungskräfte eine passende Grundlage in Form von optimaler Aufgaben- und Tä­tig­keits­ver­tei­lung schaffen.

Nun kann man aber nicht jedem Beschäftigten seinen Traumjob ermöglichen …

Das stimmt. Aber: Ein guter Schritt in die richtige Richtung ist es, Ziele zu definieren. Füh­rungs­kräf­te sollten klar sagen, was sie von ihren Mitarbeitern erwarten. Offen, ehrlich und ohne Wi­der­sprü­che. Kleine, konkrete Zwischenziele sind dabei besonders hilfreich, um den Mitarbeitern immer wieder positive Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Führungskräfte müssen abschätzen, was genau zuzumuten ist und den Beschäftigten dann viele Freiheiten im eigenverantwortlichen Ar­bei­ten lassen. Übrigens ist es wenig sinnvoll, als Führungskraft ständig nachzubohren, wie der Stand der Dinge ist. Auch zu detaillierte Vorgaben sind nicht zielführend. Das Schlagwort ist hier Autonomie.

Welche Rahmenbedingungen sind für den Flow noch entscheidend?

Eine gewisse Ruhe. Denn bereits kleinste Unterbrechungen in der Konzentrationsphase wie Te­le­fon­klin­geln reichen, um den Flow zu stören. Umso wichtiger ist es, „stille Stunden“ einzurichten. Das können festgelegte Zeitfenster sein, in denen niemand erwartet, dass Mitarbeiter ans Telefon gehen oder Mails beantworten. In dieser Zeit können sie sich voll und ganz auf ihre Aufgaben konzentrieren.

Gute Bedingungen für den Flow sind also eine Garantie für motivierte Mitarbeiter?

Im Grunde ja. Für Arbeitgeber liegt die Herausforderung darin, all diese Tipps und Tricks auch wirklich dauerhaft und regelmäßig in den Arbeitsalltag zu integrieren. Nur durch viele positive Ereignisse, durch Anerkennung und Feedback ist es möglich, den Flow zu fördern und Mit­ar­bei­tern somit eine Grundlage für ein motivierendes Umfeld zu schaffen.

So unterstützt die AOK

Führungskräfte können viel dafür tun, um die digitale Informationsflut zu beschränken und damit für gute Rahmenbedingungen für mehr Flow im Job zu sorgen. Die AOK unterstützt bei diesem Thema mit vielen hilfreichen Tipps.

Stand

Erstellt am: 14.01.2021

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