Praktische Ansätze für mehr Achtsamkeit im Job

Regelmäßiges Achtsamkeitstraining wirkt sich positiv auf die psychische und physische Gesundheit aus. Wie Unternehmen Achtsamkeit im Arbeitsalltag för­dern können, erklärt Dr. Maren M. Michaelsen vom Institut für Integrative Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung der Universität Witten/Her­de­cke, das von Prof. Dr. Tobias Esch geleitet wird.

„Weniger Stress und geringeres Burn-out-Risiko“

Frau Michaelsen, was bedeutet es, achtsam im Arbeitsalltag zu sein?

Achtsamkeit bedeutet, die Aufmerksamkeit ganz bewusst auf den gegenwärtigen Moment zu len­ken, ohne diesen zu bewerten. Im Arbeitskontext wirkt Achtsamkeit wie eine Art Stress­be­ra­ter: Wenn sich der Posteingang mit E-Mails füllt und sich Kundenanfragen stapeln, sollten die Aufgaben trotzdem nicht hektisch abgearbeitet werden. Es gilt zu priorisieren. Wie viel Zeit kann ich wofür einräumen? Wie kann ich mit der Fülle an Arbeit bewusst und vor allem gesund um­ge­hen? Genau dabei helfen Achtsamkeitsübungen.

Wie kann Achtsamkeit in verschiedenen Arbeitssituationen praktisch umgesetzt werden?

Wichtig ist, dass Arbeitgeber eine Struktur schaffen, die Achtsamkeit im Arbeitsalltag langfristig zulässt und fördert, egal in welcher Branche das Unternehmen tätig ist. Beschäftigten kann ein „Raum der Stille“ zur Verfügung gestellt werden. Dort können die Mitarbeiter meditieren oder andere Achtsamkeitsübungen praktizieren. Kann aus Platzgründen kein eigener Raum geschaffen werden, tut es auch eine ruhige Ecke in der Kantine, die den Beschäftigten einen Rückzugsort bietet. Außerdem können Führungskräfte Plakate an den Wänden anbringen, die die Be­schäf­tig­ten an Achtsamkeitsmomente erinnern: Innehalten und tief durchatmen. Oder: Wie geht es mir in diesem Moment?

Wie kann Achtsamkeit bei akutem Stress helfen?

In solchen Situationen empfehle ich, ein Bild vor das innere Auge zu holen, bei dem man zur Ruhe kommt. Das kann etwa die Vorstellung von einem Moment am Strand oder in den Bergen sein. Eine weitere gute Übung, die sich fast überall praktizieren lässt: achtsames Gehen, zum Beispiel indem auf dem Weg zu einem Kundentermin die Aufmerksamkeit für einen Moment ganz bewusst auf das Abrollen der Füße gelenkt wird. Wie genau rollt der Fuß ab? Wie folgt der nächste Schritt? Den Kontakt der Füße mit dem Boden wahrnehmen. Oder: einen „Anker“ bei regelmäßigen Tätigkeiten setzen. Das heißt, jedes Mal, wenn ich die Kasse bediene oder eine Tür­klinke anfasse, tief durchatmen und wirklich bei dem ankommen, was ich gerade tue. Das ist wie ein Ritual.

Funktionieren solche Übungen in jedem Arbeitsumfeld?

Ja, denn die Übungen lassen sich situativ anpassen. Sind die Beschäftigten etwa im Handwerk tätig, empfiehlt es sich, diesen „Anker“ auf einen Hebel oder Schalter zu setzen. Dadurch wird Achtsamkeit immer dann geübt, wenn eine Maschine betätigt wird. Bei viel Kunden- oder Pa­ti­en­ten­kon­takt kann das Gegenüber für eine Achtsamkeitsübung dienen, indem man mit der ganzen Aufmerksamkeit beim Gesagten ist und nicht schon über etwas anderes nachdenkt, während die andere Person noch spricht. In Büros können beispielsweise Meetings mit einer Minute der Acht­sam­keit beginnen: 60 Sekunden lang still sitzen und den eigenen Atem beobachten. Am Ende klingt die Minimeditation mit einem Handgong aus und die Besprechung kann mit voller Auf­merk­sam­keit beginnen.

Wie oft müssen solche Übungen ausgeführt werden, damit sie wirken?

Kontinuität ist sehr wichtig. Für Arbeitgeber, die Achtsamkeit in den Betrieb holen möchten, hat sich gezeigt: Mehrwöchige, regelmäßige Trainings sind wirksamer als kurze, die nur wenige Stun­den umfassen. Den Auftakt kann eine gemeinsame Veranstaltung machen. Danach ist kon­ti­nu­ier­li­che Übung unerlässlich. Das ist im Prinzip, wie eine neue Sprache zu erlernen. Acht Wochen lang einen Kurs zu besuchen, heißt nicht, dass man die Sprache wirklich beherrscht. Man muss sie weiterhin üben. Dabei können auch digitale Formate wie Achtsamkeits-Apps oder Online-Se­mi­na­re helfen.

Inwiefern profitieren Arbeitgeber von einer achtsamen Unternehmenskultur?

Durch praktizierte Achtsamkeit nimmt das persönliche Stresserleben stark ab. Beschäftigte kön­nen besser schlafen, sich besser konzentrieren, möglicherweise kreativer arbeiten und em­pa­thi­scher kommunizieren. Achtsamkeit im Job verbessert also psychische wie physische Parameter und verringert dadurch das Burn-out-Risiko. Auch Motivation und Leistungsfähigkeit im Job steigen. Davon profitiert jedes Unternehmen. Dabei ist für eine achtsame Unternehmenskultur wichtig, dass Führungskräfte selbst vom Thema angetan sind und Achtsamkeit vorleben. Das kann auf die Beschäftigten wie ein Magnet wirken.

So unterstützt die AOK

Für Arbeitgeber lohnt es sich, in Achtsamkeit zu investieren und im Betrieb entsprechende An­gebo­te zu machen. Was in Ihrem Unternehmen langfristig zu einem Kulturwandel führen kann, wissen die AOK-Experten für Betriebliche Gesundheitsförderung. Klicken Sie hier, wenn Sie mehr darüber erfahren möchten.


iga
Achtsamkeit im Arbeitskontext

Der iga.Report 45 zeigt, wie gezielte Achtsamkeitsübungen das Stresserleben im Beruf senken können.

Stand

Erstellt am: 11.08.2021

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