Beiträge 2020 – Welche Änderungen das Jahressteuergesetz bringt

Das Jahressteuergesetz 2019 befindet sich noch im Gesetzgebungsprozess. Hier geben wir einen Ausblick auf die geplanten Änderungen für Unternehmen und ihre Auswirkungen auf die Sozialversicherungsbeiträge.

Stand des Gesetzgebungsverfahrens

In der Sommerpause des Parlaments 2019 hat das Bundeskabinett den Entwurf eines „Gesetzes zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“ vorgelegt. Der Finanzausschuss des Bundestags hat dem Gesetzentwurf am 6. November zugestimmt. Mit einer Verabschiedung ist erfahrungsgemäß nicht vor Dezember zu rechnen.

Elektromobilität – Geldwerter Vorteil

Ein Schwerpunkt des diesjährigen Jahressteuergesetzes ist der Ausbau der steuerlichen Förderung von Elektromobilität:

  • Elektro-Dienstwagen: Die pauschalierte Besteuerung der privaten Nutzung eines betrieblichen Elektro- und Hybridelektrofahrzeugs (monatlich pauschal mit 1 Prozent des halben Bruttolistenpreises) wird über den 31. Dezember 2021 hinaus verlängert. Die Verlängerung gilt auch, wenn die Fahrzeuge Mindestreichweiten und Schadstoffgrenzwerte einhalten.
Mindestreichweiten und Grenzwerte

Vom 1.1.2022 bis 31.12.2024 soll eine Mindestreichweite mit reinem Elektroantrieb von 60  Kilometern oder ein maximaler CO2-Ausstoß von 50  Gramm pro Kilometer gelten.

In der nächsten Stufe vom 1.1.2025 bis 31.12.2030 soll eine Mindestreichweite mit reinem Elektroantrieb von 80 Kilometern oder ein maximaler CO2-Ausstoß von 50  Gramm je Kilometer gelten

  • Aufladung: Das kostenlose Aufladen eines Elektrofahrzeugs oder Hybridelektrofahrzeugs im Betrieb des Arbeitgebers bleibt steuer- und damit beitragsfrei. Steuerfrei ist auch die zeitweise Überlassung einer Ladevorrichtung zu privaten Nutzung. Aber: Eine Übereignung der Ladevorrichtung gilt als steuer- und beitragspflichtiges Entgelt.
  • E-Bike: Die Steuerbefreiung des gewährten geldwerten Vorteils aus der Überlassung eines betrieblichen Elektro-Fahrrads durch den Arbeitgeber wird bis zum Ablauf des Jahres 2030 verlängert. Auch ein normales Fahrrad ist steuerfrei.
  • E-Scooter: Für die Bewertung des geldwerten Vorteils bei privater Nutzung eines betriebseigenen E-Scooters gelten die gleichen Regeln wie für E-Bikes.

Pauschbetrag für Berufskraftfahrer

Für angestellte Berufskraftfahrer wird ein Pauschbetrag von 8 Euro pro Kalendertag eingeführt. Die Pauschale wird anstelle der tatsächlich entstehenden Mehraufwendungen für Auswärtstätigkeit angesetzt. Es können aber wahlweise auch höhere Aufwendungen als 8 Euro nachgewiesen und geltend gemacht werden. Wichtig: Diese Unterscheidung darf nur einmal im Kalenderjahr gewählt werden. Egal ob Pauschale oder tatsächlicher Aufwand – der steuerfreie Betrag ist auch beitragsfrei in der Sozialversicherung.

Mitarbeiterwohnungen

Stellt ein Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer unentgeltlich oder verbilligt Wohnraum zu eigenen Wohnzwecken zur Verfügung, so ist dies ein steuerpflichtiger Sachbezug. Hier gilt ab Januar ein Bewertungsabschlag. Den geldwerten Vorteil durch die günstige Arbeitgeberwohnung muss der Mieter künftig nicht mehr versteuern, wenn die Miete

  • mindestens zwei Drittel des ortsüblichen Mietwerts beträgt und
  • nicht höher als 25 Euro je Quadratmeter (ohne umlagefähige Kosten) ist.

Jobtickets – neue Pauschalsteuer

Ab 2020 können Arbeitgeber auf Jobtickets, die als Gehaltsumwandlung gewährt werden, einen Pauschalsteuersatz von 25 Prozent anwenden. Die pauschal besteuerten Bezüge werden dabei nicht auf die Entfernungspauschale angerechnet und bleiben beitragsfrei.

Mit dieser neuen Möglichkeit wird den Arbeitgebern eine einfache steuerliche Lösung gegeben, um Jobtickets ganzen Arbeitnehmergruppen oder allen Arbeitnehmern zur Verfügung zu stellen. Denn mit der Pauschalsteuer entsteht keinem Arbeitnehmer durch die unentgeltliche Gewährung eines Jobtickets, das er nicht oder nur sehr eingeschränkt nutzen kann, ein steuerlicher Nachteil bei den Werbungskosten.

Durch den Verzicht auf die Minderung des Werbungskostenabzugs in Form der Entfernungspauschale beim Arbeitnehmer müssen die pauschal besteuerten Bezüge auch nicht in der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung übermittelt werden.

Weiterbildungsleistungen kein geldwerter Vorteil

Maßnahmen zur Weiterbildungsförderung durch den Arbeitgeber sind steuerbefreit. Das gilt künftig auch für Weiterbildungen, die Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vermitteln, die über eine rein arbeitsplatzbezogene Fortbildung hinausgehen. Die neue Steuerbefreiungsvorschrift stellt klar, dass die Weiterbildungsleistungen des Arbeitgebers für Maßnahmen nach § 82 Abs. 1 und 2 SGB III nicht der Besteuerung unterliegen und damit auch beitragsfrei sind.

Verpflegungsmehraufwendungen

Die Pauschalen für Verpflegungsmehraufwendungen werden erhöht:
 

  • Von 24 Euro auf 28 Euro bei Abwesenheit des Arbeitnehmers von 24 Stunden von seiner Wohnung und der ersten Tätigkeitsstätte,
  • Von 12 Euro auf 14 Euro für An- und Abreisetage,
  • Von 12 Euro auf 14 Euro bei Abwesenheit von mehr als 8 Stunden ohne Übernachtung.

Zuschüsse zu Mahlzeiten

Gewährt ein Arbeitgeber Zuschüsse zu arbeitstäglichen Mahlzeiten, zum Beispiel in Form von sogenannten Essensmarken oder Restaurantschecks, sind diese Zuwendungen künftig steuerpflichtig. Bislang waren sogenannte Sachbezüge bis zu einem Wert von 44 Euro im Monat nicht zu versteuern. Künftig sind sie mit dem maßgebenden amtlichen Sachbezugswert nach der Sozialversicherungsentgeltverordnung (SvEV) anzusetzen.

Der Zuschuss des Arbeitgebers darf dabei den amtlichen Sachbezugswert der Mahlzeit um nicht mehr als 3,10 Euro übersteigen und nicht höher als der tatsächliche Preis der Mahlzeit sein.

Ein Beispiel: Ein Mittagsessen im Wert von 6,40 Euro ist in 2020 mit dem amtlichen Sachbezugswert von 3,40 Euro zu bewerten und kann pauschal mit 25 Prozent besteuert werden. Im Fall der Pauschalbesteuerung ist der geldwerte Vorteil beitragsfrei. Der darüberhinausgehende Betrag von 3 Euro stellt im Ergebnis einen steuerfreien Zuschuss des Arbeitgebers dar.

Es dürfen maximal 15 Zuschüsse zu Mahlzeiten im Kalendermonat ausgegeben werden. Pro Arbeitstag und pro bezuschusster Mahlzeit (Frühstück, Mittag- oder Abendessen) kann nur ein Zuschuss mit dem amtlichen Sachbezugswert angesetzt werden. Erwirbt der Beschäftige am selben Tag weitere Mahlzeiten für andere Tage auf Vorrat, sind dafür gewährte Zuschüsse als Barlohn zu erfassen

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Stand

Erstellt am: 07.10.2019

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