Sozialversicherungsbeiträge während der Corona-Krise – Stundung möglich

Um die Folgen der Corona-Krise für Arbeitgeber abzufedern, hilft die AOK Unternehmen durch eine vereinfachte Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen. Die Regelung wurde jetzt für den Monat Mai verlängert.

Hilfe für Unternehmen in der Krise

Die Corona-Krise bringt viele Unternehmen in Bedrängnis. Insbesondere Klein- und mittelständische Betriebe beklagen bereits erhebliche finanzielle Einbußen. Sie müssen für ihre Mitarbeiter zum Teil Kurzarbeit beantragen oder sie in Zwangsurlaub schicken. Kann ein Arbeitgeber aufgrund der aktuellen Situation seine Beiträge nicht zahlen, können die Firmen beantragen, Beiträge zu stunden oder in Raten zu zahlen. Unternehmen in Schwierigkeiten sollten schnellstmöglich mit der AOK Kontakt aufnehmen.

AOK-Podcast: Stundung von SV-Beiträgen
Ein Mann mit In-Ear-Kopfhörern sitzt an einem Schreibtisch und schaut in ein Smartphone.

Ein AOK-Experte schildert wie Arbeitgeber, die aufgrund der aktuellen Situation ihre Beiträge nicht zahlen können, eine Stundung oder eine Ratenzahlung vereinbaren können.

Moderatorin: Die Auswirkungen des Coronavirus treffen insbesondere kleine und mittelständische Betriebe hart. Immer wieder fallen politische Entscheidungen, um diesen entgegenzuwirken. Vieles ist ungewiss – in allen Lebensbereichen. Doch gerade für Arbeitgeber stellen sich anlässlich der Pandemie zurzeit viele Fragen.

Wir helfen. Denn: Ihre AOK hält Sie auf dem Laufenden, was die aktuellen Entwicklungen angeht – damit Sie und Ihr Betrieb gesund bleiben.

Heute widmen wir uns dem Thema „Stundung von Beiträgen“. Dafür ist uns AOK-Experte Klaus Herrmann telefonisch zugeschaltet.
Darum geht es: Kann ein Arbeitgeber aufgrund der aktuellen Situation seine Beiträge nicht zahlen, kann die AOK die Beiträge unter erleichterten Bedingungen stunden und bis zur Beendigung der Vereinbarungen auf die Einleitung von Vollstreckungsmaßnahmen verzichten.

Und nun zu meinem Mitstreiter: Eine ganze Menge an Fragen – und wir haben den Experten in Sachen Sozialversicherung hier: Herrn Klaus Herrmann. Herr Herrmann, bitte stellen Sie sich doch kurz vor.

AOK-Experte: Mein Name ist Klaus Herrmann, ich arbeite bei der AOK Bayern und bin Krankenkassenfachwirt. Ich werde Ihnen sehr gerne heute alle relevanten Fragen beantworten und Hinweise zur praktischen Umsetzung rund um das Thema Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen geben.

Moderatorin: Danke – dann legen wir gern gleich los mit der ersten Frage: Welche Möglichkeiten der Entlastung bietet die AOK bei der Beitragszahlung?

AOK-Experte: Hier ist zunächst die Stundung zu nennen – also die spätere Zahlung der Beiträge. Ebenso gibt es auch die Möglichkeit, Beiträge in Raten zu zahlen.

Moderatorin: Die Beschäftigten eines Unternehmens sind überwiegend bei der AOK versichert. Reicht es, wenn ich den Stundungsantrag bei der AOK stelle, oder muss ich auch die anderen Krankenkassen mit einbeziehen?

AOK-Experte: Wenn in Ihrem Unternehmen außerhalb der AOK weitere Krankenkassen vertreten sind und die Beiträge für alle Beschäftigten des Unternehmens gestundet werden sollen, dann ist es ganz wichtig, dass Sie den Stundungsantrag an jede einzelne dieser Krankenkassen stellen.

Moderatorin: Müssen die Beschäftigten tätig werden?

AOK-Experte: Nein, die Arbeitnehmer brauchen hier nichts zu machen. Beitragsschuldner von Gesamtsozialversicherungsbeiträgen ist immer der Arbeitgeber. Ebenso werden die Beiträge für freiwillig versicherte Arbeitnehmer oftmals vom Arbeitgeber im sogenannten Firmenzahlerverfahren beglichen. Ein Stundungsantrag gilt auch hierfür automatisch. Apropos freiwillig Versicherte: Soweit diese Firmenzahler sind, kann der Arbeitgeber eine Beitragsreduzierung beantragen, wenn eine Entschädigung wegen Quarantäne oder Kinderbetreuung gezahlt wird.

Moderatorin: Woher bekomme ich als Unternehmer das entsprechende Formular?

AOK-Experte: Die AOK hilft Ihnen hier sehr gerne. Bitte verwenden Sie das einheitliche Antragsformular. Sie finden das ganz einfach online im Fachportal für Firmenkunden im Bereich „Coronavirus – Informationen für Arbeitgeber“.

Moderatorin: Welche Unterlagen muss der Unternehmer zusammen mit dem Antrag einreichen?

AOK-Experte: Sie müssen glaubhaft nachweisen, dass durch die Corona-Pandemie in Ihrem Betrieb ein erheblicher Schaden entstanden ist. Und dass Sie von den Hilfspaketen der Bundesregierung Gebrauch machen. Hierzu zählt insbesondere das Kurzarbeitergeld oder auch die Beantragung von anderen Hilfen zur Unterstützung in der Corona-Krise. Es reicht in diesem Fall eine Erklärung, dass Sie die entsprechenden Anträge gestellt haben. Wenn dann die Bundes- oder Landeshilfen zur Verfügung gestellt werden, zahlen Sie hiervon die gestundeten Beiträge.

Moderatorin: So viel zu den Formularen – jetzt zu einem, anderen Thema. Es ist klar, dass auf Stundungszinsen verzichtet wird. Auf Säumniszuschläge auch?

AOK-Experte: Ja, auf Säumniszuschläge auch – denn die Beiträge müssen durch die Stundung ja erst später gezahlt werden. Das ist der Sinn der Stundung. Es entfällt sogar eine Sicherheitsleistung.

Moderatorin: Was passiert, wenn das Lastschriftverfahren zum Fälligkeitstermin nicht mehr zu stoppen ist?

AOK-Experte: Sprechen Sie in dem Fall einfach Ihre AOK an! Die Stundung der Beiträge ist auch in diesem Fall möglich, wenn Sie alle Voraussetzungen für das Verfahren erfüllen.

Moderatorin: Schauen wir noch im übertragenen Sinne auf den Kalender: Bis zu welchem Zeitpunkt können meine Beiträge gestundet, also bis wann müssen sie gezahlt werden?

AOK-Experte: Aktuell gilt: Beiträge können jetzt auch für den Monat Mai erleichtert gestundet werden. Für die folgenden Beitragsmonate gelten für alle von der aktuellen Corona-Pandemie unmittelbar und nicht unerheblich Betroffenen weitere Vereinfachungen. Ihre AOK unterstützt Sie hier gerne.

Moderatorin: Herr Herrmann, vielen Dank für die Informationen.

AOK-Experte: Sehr gerne!

Moderatorin: Liebe Zuhörer, sollten Ihre Fragen nach unserer Fragerunde noch nicht hinlänglich beantwortet sein, wenden Sie sich gern an Ihren AOK-Firmenkundenberater. Ihren persönlichen Ansprechpartner finden Sie im Bereich „Kontakt“ auf dem Firmenkundenportal. Er hilft Ihnen in allen beitragsrechtlichen Fragen weiter. Bleiben Sie gesund!

 

Voraussetzungen bei den Unternehmen

Voraussetzung für eine Stundung ist, dass die Unternehmen die Entlastungsmöglichkeiten durch Kurzarbeitergeld und sonstige Unterstützungs- und Hilfsmaßnahmen, die als Schutzschirme aktuell von der Bundesregierung zur Verfügung gestellt werden, nutzen. Die dadurch den Unternehmen zur Verfügung stehenden Mittel sind nach entsprechender Gewährung auch für die Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge einschließlich der bis dahin gestundeten Beiträge zu verwenden, so ein Rundschreiben des GKV-Spitzenverbands.

Auf Antrag des Arbeitgebers bei der AOK konnten die Beiträge zunächst für März bis April 2020 gestundet werden. Jetzt ist das mit einem neuen Antrag auch für den Monat Mai möglich. Dazu gibt es ein einheitliches Antragsformular, in dem Unternehmen angeben, welche Unterstützungs- und Hilfsmaßnahmen sie bereits in Anspruch genommen oder beantragt haben.

Stundungen werden längstens bis zum Fälligkeitstag für die Beiträge des Monats Juni 2020 gewährt. Einer Sicherheitsleistung bedarf es für diese drei Monate nicht, auch Stundungszinsen, Säumniszuschläge und Mahngebühren werden nicht berechnet. Ab Juni wird dann wieder das normale Stundungsverfahren gelten. Bis zum 30. September 2020 sind jedoch weitere Vereinfachungen bei der Stundung für Arbeitgeber, die von der aktuellen Corona-Pandemie unmittelbar und nicht unerheblich betroffen sind, möglich. Sprechen Sie dazu Ihre AOK vor Ort an.  

Die häufigsten Fragen und Antworten zum Thema Stundung beantwortet der GKV-Spitzenverband auf seiner Internetseite.

GKV
Wissenswertes zur Stundung

Aktuelle Informationen zur Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen sowie zum vereinfachten Stundungsverfahren finden Sie auf der Internetseite des GKV-Spitzenverbandes.

Freiwillig versicherte Arbeitnehmer

Beiträge für freiwillig gesetzlich versicherte Arbeitnehmer zur Kranken- und Pflegeversicherung im sogenannten Firmenzahlerverfahren gelten bei Stundung der anderen Beiträge ebenfalls als gestundet.   

Stundung auch für Selbstständige möglich

Die Stundungsmöglichkeiten gelten auch für freiwillig versicherte Selbstständige. Dabei wird vor einer Stundung immer geprüft, ob eine Beitragsermäßigung wegen eines krisenbedingten Gewinneinbruchs in Betracht kommt. Die Hürden hinsichtlich der erforderlichen Nachweise werden dabei gesenkt. Es ist nun bereits eine Erklärung eines Steuerberaters oder eine betriebswirtschaftliche Auswertung oder auch eine glaubhafte Erklärung des Selbstständigen über erhebliche Umsatzeinbußen ausreichend. 

Bestehen bereits Stundungsvereinbarungen mit Ratenzahlungen, so können diese vorübergehend ausgesetzt werden. Leistungen werden in diesen Fällen dennoch gewährt. Jeder Einzelfall wird individuell beurteilt. Versicherte stellen am besten formlos einen Antrag. Darin sollten sie konkret begründen, wodurch es zu Einbußen kommt und wie hoch der geschätzte Gewinn des Selbstständigen aktuell ist. Die vorübergehende Beitragsfestsetzung erfolgt dann in der gesetzlichen Mindeststufe. Wenn sich die Einkommenslage wieder bessert, sollte der Selbstständige rechtzeitig seine Krankenkasse informieren, um nachträgliche Beitragsnachberechnungen zu vermeiden

AOK Bremen/Bremerhaven als Partner

„Wir greifen damit die Absicht der Bundesregierung auf, die bisher noch nicht im Detail ausformuliert ist. Aber wir müssen jetzt pragmatisch helfen – wir wollen unseren Unternehmen und Selbständigen zeigen, dass wir sie in dieser Krise nicht allein lassen“, betonte AOK-Vorstandschef Olaf Woggan.

Konkret gilt das Angebot für diejenigen, die schon jetzt absehen können, dass sie durch die Corona-Krise in eine wirtschaftliche Notsituation geraten und die Sozialversicherungsbeiträge nicht fristgerecht werden zahlen können. Sie haben die Möglichkeit, sich mit einer kurzen Mail an coronakrise(at)hb.aok.de zu wenden und hier die Stundung zu beantragen.  Bitte nutzen Sie hierfür unseren Antrag auf Stundung der Ihnen nachfolgend als Download zur Verfügung steht. Unter den Nummern 0421-1761 77710 (Firmenkunden) und 0421-1761 77711 (Freiwillig Versicherte, Studenten) beraten die AOK-Mitarbeiter wochentags auch per Telefon. Die AOK wird die Stundung bestätigen, sodass die Firmen und Selbständigen Planungssicherheit erhalten.

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Stand

Zuletzt aktualisiert: 19.05.2020

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