Arbeitsalltag mit strengen Auflagen

Das Friseurhandwerk leistet einen Dienst am Menschen – Abstand halten ist da Fehlanzeige, das Tragen einer Maske Pflichtprogramm. Unter strengen Hygieneauflagen arbeiten Friseursalons bundesweit seit dem 4. Mai 2020 wieder. Darüber sind die Mitarbeiter der Salons Your Hair Dresser froh – auch angesichts erschwerter Bedingungen. Trotz deutlichen Mehraufwandes verzichten die Salons sogar auf einen Preisaufschlag für die Kunden.

Your Hair Dresser auf einen Blick

  • Zwei Salons in Düsseldorf.
  • Sechsköpfiges Team: drei Friseurmeister, zwei Gesellen und ein Azubi.
  • Gegründet 2017 mit der Übernahme von zwei Salons in Düsseldorf.
  • Es gibt keine Termine – wer kommt, wird bedient.
  • Neben den beiden Salons vertreibt Your Hair Dresser eine Eigenmarke mit Haarpflegeprodukten.
  • yourhairdresser.eu
Fassade eines der beiden Friseursalons
Friseurwerkzeug
Fassade des zweiten Friseursalons

Aufstocken im Shutdown

Christian Singler, Geschäftsführer

100% Gehalt

Your Hair Dresser stockte das Kurzarbeitergeld von 60 Prozent bis zum regulären Gehalt für alle Mitarbeiter während des Shutdowns auf. Ein fairer Zug, den sich das Unternehmen leisten konnte, weil es gut gewirtschaftet hatte.

Selbst föhnen verboten

Zu den Corona-Auflagen gehört, dass sich Kunden im Salon die Haare nicht mehr selbst föhnen dürfen, um den Kontakt zu den Geräten zu vermeiden. Außerdem ist Haarewaschen vor dem Schnitt jetzt Pflicht – eine Regel, die bei Your Hair Dresser schon vor Corona Standard war.

 

Großer Ansturm nach dem Shutdown

Im Mai verzeichnete Your Hair Dresser laut eigenen Aussagen einen Zulauf wie sonst nicht an Ostern und Weihnachten zusammen. Das brachte einen Rekordumsatz, der nach sechs Wochen Schließung mehr als willkommen war.

Neue Abläufe im Arbeitsalltag

Linda Wilmes, Friseurin

Runterfahren zwischendurch

Christian Singler, Geschäftsführer

„Uns sind schon einige Corona-Frisuren im Mai begegnet, wenn die Farbe rausgewachsen war oder mal selbst die Schere angesetzt worden war. Wir haben die Kunden dann geneckt, sie hätten sich im Shutdown gehen lassen – das Lachen haben wir auch unter der Maske erkannt.“

Yasemin Singler, Prokuristin

Arbeiten unter strengen Vorschriften

Die Hygienevorschriften für das Friseurhandwerk sind sehr streng und sollen alle Beteiligten bestmöglich schützen, gerade weil Abstand halten nicht möglich ist. Für die beiden Salons heißt das: Maximal vier Kunden gleichzeitig dürfen sich in einem Salon aufhalten.

Yasemin und Christian Singler

Die neuen Spielregeln halten wir strikt ein

Yasemin und Christian Singler müssen als Geschäftsführer und Prokuristin sicherstellen, dass die Kunden im Salon Abstand halten können. Dazu wurden die Frisierplätze umgeräumt, so dass der Mindestabstand von 1,50 Meter gewährleistet ist. Auch beim Umgang mit Arbeitsgeräten, Möbeln und Friseur-Umhängen setzt das Paar auf ein strenges Hygiene-Konzept. Ihnen ist das tägliche Risiko durch die vielen Kontakte sehr bewusst. Deshalb halten sie ihre Mitarbeiter auch an, sich in ihrer Freizeit vorsichtig zu verhalten.
Für die Rückverfolgbarkeit erfassen sie alle Kundendaten, so wie es behördlich vorgegeben ist.

Mitarbeiter bei der Arbeit

Verschnaufpausen sind wichtig

Während des gesamten Aufenthaltes im Salon müssen die Beschäftigten Masken tragen. Außer in der direkten Kundenbetreuung gelten die 1,50 Meter Abstand, die gegenüber Kollegen und den anderen Kunden einzuhalten sind. Die eigenen Arbeitsplätze und Geräte sind von den Beschäftigten nach jedem Kunden zu reinigen und zu desinfizieren. Das bringt nicht nur einen Mehraufwand pro Kunde. Auch das persönliche Gespräch ist durch das Maskentragen erschwert, weil jeder lauter sprechen muss, um überhaupt verstanden zu werden. Auch das strengt auf Dauer an.

Kundin bekommt die Haare gekämmt.

Wissen die Sorgfalt zu schätzen

Da bei Your Hair Dresser nach wie vor keine Termine vergeben werden, müssen Kunden neuerdings vor der Tür warten. In dem einen Salon gibt es jetzt gar keinen Wartebereich mehr, im anderen Salon wird er derzeit nicht genutzt, weil sonst zu viele Menschen im Raum wären. Wird ein Kunde hereingebeten, geht er zuerst Hände waschen und wird dann direkt an den Frisierplatz gebracht. Eine Bewirtung mit Wasser und Kaffee ist derzeit nicht erlaubt. Auch müssen die Kunden die ganze Zeit ihre Maske aufbehalten.

Corona-Alltag im Salon: Maskentests und Kinderhaarschnitte

Das Ehepaar Singler rechnet mit schwierigen Zeiten, weil das Ende der Corona-Pandemie noch nicht absehbar ist. Sie sind aber auch froh, die sechswöchige Pause als Unternehmen gut überstanden zu haben. Aktuell beschäftigen die Friseure Fragen, wie „Was macht eine gute Maske aus?“ und „Wie gehen wir mit kleinen Kindern im Salon um?“.

Viele Masken getestet

Christian Singler, Geschäftsführer

Kinderfreundlich

Yasemin Singler, Prokuristin

Friseurhandwerk in Zahlen

230.000

Beschäftigte arbeiten bundesweit im Friseurhandwerk


21.000

Auszubildende lernen derzeit den Beruf


80.000

Friseursalons gibt es aktuell in Deutschland

Quelle: Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks

„Durch die Masken ist es echt schwierig, die Kunden wiederzuerkennen. Das ist manchmal wirklich unangenehm, gerade wenn man Stammkunden nicht auf den ersten Blick erkennt. Nur die Augen zu sehen, macht es wirklich oft schwer.“

Shahin Aghahassani, Azubi

Ausbildung in Corona-Zeiten

Icon Information

Für die Ausbildung erlaubt der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks, die 1,50 Meter Abstandsregel zu unterschreiten: Nur so ist eine Anleitung der Auszubildenden möglich.

Pandemie mit Folgen

Was sonst in einem Jahr verbraucht wird, wurde in der Pandemie in wenigen Monaten benötigt:

16 Liter

das ist der Mehrbedarf an Desinfektionsmittel je Monat seit der Wiederöffnung.


8 Flaschen

so viel mehr Flüssigseife benötigen die Mitarbeiter in den beiden Salons im Monat, weil sie jeden Kunden zu Beginn zum Händewaschen schicken.


7 Jahre

ab diesem Alter müssen Kinder im Salon eine Maske tragen, in Baden-Württemberg schon ab sechs.


0 Euro

schlug der Friseurbetrieb trotz Mehraufwand auf die Preise auf.

Die meisten Kunden sind kooperativ

 

Inzwischen sind alle Mitarbeiter darin geübt, den Kunden die neuen Hygiene-Auflagen zu erklären. Hände waschen, desinfizieren, Kontaktdaten angeben und die Maske durchgängig tragen – das sind die Regeln, an die sich alle halten müssen.

Die wenigsten Kunden reagieren widerwillig. Die meisten sind vielmehr dankbar, dass auf ihren Schutz geachtet wird und die Corona-Regeln in den Salons streng befolgt werden.

Sicher gefühlt

Karin Ribaucourt, Kundin

Maskenpflicht ungewohnt

Männlicher Kunde beim Friseur

 

„Das Tragen der Maske war bei den ersten Friseurbesuchen schon sehr ungewohnt. Meine Frau und mich hat es aber nicht abgehalten, seit der Öffnung wieder so regelmäßig wie zuvor zum Haarschnitt zu kommen.“

Thomas Ribaucourt, Kunde

Neue Standards für den Arbeitsschutz

Die „SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards für das Friseurhandwerk der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)“ werden regelmäßig aktualisiert – nach ihnen arbeitet das gesamte Team von Your Hair Dresser an beiden Standorten.

Zuletzt gab es eine Anpassung im Juni: Nun ist Haarewaschen vor der Behandlung fürs Haarefärben nicht mehr nötig, wenn dabei durchgängig Handschuhe getragen werden. Den stets aktuellen Stand der Corona-Arbeitsinformationen für Friseure veröffentlicht die BGW auf ihrer Homepage.

PDF LogoSARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards für das Friseurhandwerk als PDF herunterladen

#friseuregegencorona

Screenshot der Website Friseure gegen Corona

Friseure als Hygiene-Botschafter

Mitte Juni 2020 setzten der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks und der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel mit der Kampagne „Sicher. Gepflegt. Schön. #friseuregegencorona“ ein Zeichen für sicheren Schutz durch Hygiene.

Mit der Kampagne weist der Verband darauf hin, wie wichtig die Hygiene- und Abstandsregeln in den Salons sind, und fordert auf, zum „Hygienebotschafter“ zu werden, um einer zweiten Welle keine Chance zu geben.

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