Expertenforum - Werkstudenten ohne Vorlesung

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Expertenforum

Experten antworten auf Ihre Fragen zur Sozialversicherung

Fragen Sie Experten zu allen Aspekten der Sozialversicherung – im Expertenforum der AOK. An Werktagen bekommen Sie innerhalb von 24 Stunden eine Antwort.

Darüber hinaus können Sie sich im Expertenforum mit anderen Nutzern zu persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Sozialversicherung austauschen.

Fragen zum Jahreswechsel

Zum Jahresbeginn 2021 und auch schon im Herbst 2020 stehen wieder zahlreiche Neuerungen in der Sozialversicherung auf dem Programm. Darüber informieren wir bereits ab September in einem Themenspezial. Für Fragen zu den einzelnen Themen haben wir ein spezielles Expertenforum Jahreswechsel eingerichtet.

  • 01
    Werkstudenten ohne Vorlesung
    eine eingeschriebener Student legt eine Bescheinigung der FH vor, dass alle Vorlesungen bereits wahrgenommen wurde und daher keine Vorlesungen mehr stattfinden/erforderlich sind. Nach der Bescheinigung hat dies nichts mit Corona zu tun.

    Jetzt möchte diese Person eine Beschäftigung von 40Std/Woche als Werkstudentin aufnehmen (nur RV Pflicht). Im kommenden Wintersemester wird dann die Bachelorthesis erstellt.

    Kann für die Beschäftigung von 6 Monaten das Werkstudentenprivileg angewendet werden - auch wenn im Wintersemester die Bachelorarbeit erstellt wird.

    Kann neben der Bachelorthesis weiterhin die Beschäftigung mit nur Rentenversicherungspflicht ausgeübt werden? oder muss ggf. ab dem Wintersemester eine neue Beurteilung vorgenommen werden.

    Würde sich die Beurteilung ändern wenn die fehlenden Vorlesungen etwas mit Corona zu tun haben?
  • 02
    RE: Werkstudenten ohne Vorlesung
    Guten Tag,
     
    Personen, die neben ihrem Studium nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich beschäftigt sind, gehören ihrem Erscheinungsbild nach grundsätzlich zu den Studenten und nicht zu den Arbeitnehmern.
    Bis zum regulären Abschluss des Studiums kann der Student im Rahmen des Werkstudentenprivilegs bei Ihnen beschäftigt bleiben. Die Tatsache, dass keine Vorlesungen mehr besucht werden müssen, ist unerheblich.
     
    Die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit ist allerdings dann kein allein entscheidungsrelevantes Kriterium für die versicherungsrechtliche Beurteilung, wenn sie im Einzelfall so liegt, dass sie sich den Erfordernissen des Studiums anpasst und unterordnet. Dementsprechend kann bei Beschäftigungen am Wochenende sowie in den Abend- und Nachtstunden Versicherungsfreiheit aufgrund des Werkstudentenprivilegs auch bei einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden in Betracht kommen, vorausgesetzt, dass Zeit und Arbeitskraft des Studenten überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden. Auch bei Beschäftigungen, die ausschließlich während der vorlesungsfreien Zeit ausgeübt werden, ist davon auszugehen, dass Zeit und Arbeitskraft in der Gesamtbetrachtung überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen werden. Wird eine Beschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von nicht mehr als 20 Stunden lediglich in der vorlesungsfreien Zeit (z. B. Semesterferien) auf mehr als 20 Stunden ausgeweitet, so bleibt auch für diese Zeit das studentische Erscheinungsbild erhalten, sodass grundsätzlich Versicherungsfreiheit aufgrund des Werkstudentenprivilegs anzunehmen ist.
     
    Vom Erscheinungsbild eines Studenten ist jedoch nicht mehr auszugehen, wenn eine derartige Beschäftigung mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 20 Stunden ohne zeitliche Befristung ausgeübt wird oder auf einen Zeitraum von mehr als 26 Wochen befristet ist; in diesen Fällen tritt die Zugehörigkeit zum Kreis der Beschäftigten in den Vordergrund.
     
    Für Ihren Fall empfehlen wir, die schriftliche Erklärung über die vorlesungsfreie Zeit in die Personalakte zu legen und die Beschäftigungszeit über 20 Wochenstunden im Vorfeld zu befristen. Bitte achten Sie darauf, dass die 26-Wochen-Grenze, auch mit anderen Beschäftigungsverhältnissen, nicht überschritten wird.
     
    Hat ein Student die von der Hochschule für den jeweiligen Studiengang nach den maßgebenden Prüfungsbestimmungen vorgesehene letzte Prüfungsleistung (z. B. Abgabe der Bachelorarbeit) erbracht, so wird die Hochschulausbildung im Sinne der Anwendung des Werkstudentenprivilegs nicht mit dieser letzten Prüfungsleistung, sondern mit Ablauf des Monats, in dem der Student vom Gesamtergebnis der Prüfungsleistung offiziell schriftlich unterrichtet wird, als beendet angesehen. Mit der offiziellen schriftlichen Unterrichtung ist der Zugang des per Briefpost vom Prüfungsamt übermittelten vorläufigen Zeugnisses gemeint; der späteren Überreichung des endgültigen Zeugnisses (im Rahmen einer Abschlussfeier) kommt in diesem Zusammenhang keine Bedeutung zu. Demzufolge kann nach Ablauf des Monats, in dem der Student vom Gesamtergebnis der Prüfungsleistung offiziell schriftlich unterrichtet wird, trotz ggf. vorliegender Immatrikulationsbescheinigung das Werkstudentenprivileg nicht mehr angewandt werden.
     
    Auch die krisenbedingt verlängerten Semesterferien ändern nichts daran, dass das Werkstudentenprivileg verlorengeht, wenn sich Beschäftigungen bzw. Beschäftigungszeiten mit mehr als 20 Wochenstunden (einschließlich solcher in den Semesterferien) im Laufe eines Jahres wiederholen und insgesamt mehr als 26 Wochen ausmachen. Eine übergreifende Sonderregelung aufgrund der Corona-Pandemie existiert nicht.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
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