Expertenforum - Kein absehbares Ende der Überschreitung von 20 h/ Woche - Werkstudenten-Privileg?

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Expertenforum

Experten antworten auf Ihre Fragen zur Sozialversicherung

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Fragen zum Jahreswechsel

Zum Jahresbeginn 2021 und auch schon im Herbst 2020 stehen wieder zahlreiche Neuerungen in der Sozialversicherung auf dem Programm. Darüber informieren wir bereits ab September in einem Themenspezial. Für Fragen zu den einzelnen Themen haben wir ein spezielles Expertenforum Jahreswechsel eingerichtet.

  • 01
    Kein absehbares Ende der Überschreitung von 20 h/ Woche - Werkstudenten-Privileg?
    Ein ordentlicher Student wird mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 20 h/ Woche ab 01.09.2020 befristet bis zum 31.08.2022 eingestellt. Der Student übt parallel eine unbefristete Beschäftigung mit 5 h/ Woche (PGS 109) aus. Außer diesem Minijob hat er seit 01.01.2019 keine weiteren Beschäftigungen ausgeübt.

    Die aktuelle vorlesungsfreie Zeit der Universität dauert vom 18.07.2020 bis 01.11.2020. Danach finden die Vorlesungen der Universität (wegen der Pandemie) nur online statt.

    Trotz Überschreitung der wöchentlichen 20 h-Grenze geht der Student davon aus, dass ab 01.09.2020 bis zum Ende der vorlesungsfreien Zeit (am 01.11.2020) und drüber hinaus bis zur Wiederherstellung des Präsenzbetriebes der Universität (gemäß GKV Rundschreiben vom 09.04.2020) das Werkstudenten-Privileg bei ihm Anwendung findet (maximal bis zur Erreichung der jährlichen 26 Wochen mit über 20 h Arbeitszeit).

    Meines Erachtens kann bei diesem Student bereits ab der Einstellung am 01.09.2020 das Werkstudenten-Privileg nicht angewendet werden, da in Bezug auf beide Beschäftigungen absehbar ist, dass die Überschreitung der 20 h/ Woche über die vorlesungsfreie Zeit hinaus und auch über die Phase ohne Uni-Präsenzbetrieb andauert. Ist diese Beurteilung korrekt? Vielen Dank für eine Unterstützung.
  • 02
    RE: Kein absehbares Ende der Überschreitung von 20 h/ Woche - Werkstudenten-Privileg?
    Guten Tag,
     
    bei Studenten, die mehrere Beschäftigungen nebeneinander ausüben, sind zur Prüfung der Frage, ob die 20-Wochenstunden-Grenze erreicht oder überschritten wird, die wöchentlichen Arbeitszeiten der nebeneinander ausgeübten Beschäftigungen zusammenzurechnen. Dies gilt für alle gleichzeitig nebeneinander ausgeübten Beschäftigungen, unabhängig von ihrer sozialversicherungsrechtlichen Beurteilung. Ergibt die Zusammenrechnung, dass die wöchentliche Arbeitszeit insgesamt mehr als 20 Stunden beträgt, ist nicht mehr vom Erscheinungsbild eines ordentlichen Studenten auszugehen. Bei nebeneinander ausgeübten Beschäftigungen ist in einem weiteren Schritt zu prüfen, ob bei einer Beschäftigung gegebenenfalls die Merkmale einer geringfügig entlohnten bzw. einer kurzfristigen Beschäftigung vorliegen.
     
    Die Arbeitszeit bei einer Beschäftigung im Rahmen der 20-Wochenstunden-Grenze kann allerdings während vorlesungsfreien Zeit oder am Wochenende bzw. in den Abend- und Nachstunden auch in der Vorlesungszeit auf über 20 Wochenstunden ausgeweitet werden. Dies setzt jedoch voraus, dass es sich um eine im Voraus befristete Zeit handelt. Dabei dürfen diese Beschäftigungszeiten im Laufe eines Jahres 26 Wochen nicht überschreiten. Dies gilt auch dann, wenn durch Aufnahme einer befristeten Beschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber der Beschäftigungsumfang auf mehr als 20 Wochenstunden erhöht wird. Studierende, die im Laufe eines Jahres (nicht Kalenderjahres) mehrmals eine Beschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden ausüben, sind vom Erscheinungsbild nicht mehr als ordentlich Studierende, sondern als Beschäftigte anzusehen, wenn die Zusammenrechnung der Beschäftigungszeiten mehr als 26 Wochen (182 Kalendertage) ergibt.
     
    Der Jahreszeitraum zur Statusbestimmung ist in der Weise zu ermitteln, dass vom voraussichtlichen Ende der zu beurteilenden Beschäftigung ein Jahr zurückgerechnet wird. Anzurechnen sind alle Beschäftigungen in diesem Zeitraum, in denen – unabhängig von der versicherungsrechtlichen Beurteilung – die wöchentliche Arbeitszeit mehr als 20 Stunden beträgt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Beschäftigungen bei demselben Arbeitgeber oder bei verschiedenen Arbeitgebern ausgeübt werden, jedoch bleiben vorgeschriebene Zwischenpraktika unberücksichtigt.
     
    Ergibt die Zusammenrechnung in Ihrem Sachverhalt, dass insgesamt Beschäftigungszeiten von mehr als 26 Wochen vorliegen, besteht vom Beginn der zu beurteilenden Beschäftigung an bzw. von dem Zeitpunkt an, in dem erkennbar ist, dass der vorgenannte Zeitraum überschritten wird, Versicherungspflicht in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Ihr Expertenteam
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