Expertenforum - Beurteilung Minijob

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Expertenforum

Experten antworten auf Ihre Fragen zur Sozialversicherung

Fragen Sie Experten zu allen Aspekten der Sozialversicherung – im Expertenforum der AOK. An Werktagen bekommen Sie innerhalb von 24 Stunden eine Antwort.

Darüber hinaus können Sie sich im Expertenforum mit anderen Nutzern zu persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Sozialversicherung austauschen.

Fragen zum Jahreswechsel

Zum Jahresbeginn 2021 und auch schon im Herbst 2020 stehen wieder zahlreiche Neuerungen in der Sozialversicherung auf dem Programm. Darüber informieren wir bereits ab September in einem Themenspezial. Für Fragen zu den einzelnen Themen haben wir ein spezielles Expertenforum Jahreswechsel eingerichtet.

  • 01
    Beurteilung Minijob
    Sehr geehrtes Expertenteam,

    Ein Mitarbeiter übte bis 30.06.2020 eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aus. Durch eine Stundenänderung ab 01.07.2020 ist eine Prüfung vorzunehmen, ob ab 01.07.2020 weiterhin Sozialversicherungspflicht besteht oder ob die Beschäftigung im Minijobbereich liegt. Das mtl. Entgelt ab 01.07.2020 beträgt 395,00 € brutto. Ein Hochrechnung vom 01.07.2020 bis 31.12.2020 ergibt ein sozialversicherungspflichtiges Bruttoentgelt (incl. Jahressonderzahlung) in Höhe von 3.000,41 €. Dieser Betrag überschreitet die anteilige (01.07.2020 bis 31.12.2020) Minijobgrenze von 2.700,00 €. Die Hochrechnung für den Zeitraum vom 01.07.2020 bis 30.06.2021 ergibt ein sozialversicherungspflichtiges Bruttoentgelt in Höhe von 5.370,41 €, was im Bereich der Minijobgrenze von 5.400,00 € liegt. Besteht ab 01.07.2020 Sozialversicherungspflicht?

    Vorab vielen Dank für Ihre Unterstützung
  • 02
    RE: Beurteilung Minijob
    Guten Tag,
     
    Bei der Prüfung der Frage, ob das Arbeitsentgelt 450 Euro übersteigt, ist vom regelmäßigen Arbeitsentgelt auszugehen. Das regelmäßige Arbeitsentgelt ermittelt sich abhängig von der Anzahl der Monate, für die eine Beschäftigung gegen Arbeitsentgelt besteht, wobei maximal ein Jahreszeitraum (12 Monate) zugrunde zu legen ist.
     
    Sofern die Beschäftigung im Laufe eines Kalendermonats beginnt, kann für den Beginn des Jahreszeitraums auf den 1. Tag dieses Monats abgestellt werden. Dabei darf das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt im Durchschnitt einer Jahresbetrachtung 450 Euro nicht übersteigen (maximal 5.400 Euro pro Jahr bei durchgehender mindestens 12 Monate dauernder Beschäftigung gegen Arbeitsentgelt in jedem Monat). Es ist mindestens auf das Arbeitsentgelt abzustellen, auf das der Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch hat; insoweit kommt es auf die Höhe des tatsächlich gezahlten Arbeitsentgelts nicht an.
     
    Die Ermittlung des regelmäßigen Arbeitsentgelts hat stets bei Beginn der Beschäftigung und erneut bei jeder nicht in der bisherigen Prognose berücksichtigten Veränderung in den Verhältnissen (z. B. Erhöhung oder Reduzierung des Arbeitsentgelts), die nicht nur gelegentlich und unvorhersehbar ist, im Wege einer vorausschauenden Betrachtung zu erfolgen. Die hiernach erforderliche Prognose erfordert keine alle Eventualitäten berücksichtigende genaue Vorhersage, sondern lediglich eine ungefähre Einschätzung, welches Arbeitsentgelt mit hinreichender Sicherheit zu erwarten ist. Grundlage der Prognose können dabei lediglich Umstände sein, von denen in diesem Zeitpunkt anzunehmen ist, dass sie das Arbeitsentgelt bestimmen werden. Stellen Arbeitgeber aus abrechnungstechnischen Gründen stets zu Beginn eines jeden Kalenderjahres eine erneute vorausschauende Jahresbetrachtung zur Ermittlung des regelmäßigen Arbeitsentgelts an, bestehen keine Bedenken.
     
    Eine erstmalige vorausschauende Betrachtung für eine im Laufe eines Kalenderjahres aufgenommene Beschäftigung kann demnach zu Beginn des nächsten Kalenderjahres durch eine neue jährliche Betrachtung für dieses Kalenderjahr ersetzt werden. Sofern eine Beschäftigung mit einem Arbeitsentgelt von mehr als 450 Euro im Monat durch die vertragliche Reduzierung der Arbeitszeit auf eine Beschäftigung mit einem Arbeitsentgelt bis zu 450 Euro im Monat umgestellt wird, ist der Beschäftigungsabschnitt ab dem Zeitpunkt der Arbeitszeitreduzierung bzw. für den Zeitraum der Arbeitszeitreduzierung getrennt zu beurteilen.
     
    Da sich durch die von Ihnen angesprochene Stundereduzierung zum 01.07.2020 eine Verringerung des regelmäßigen Arbeitsentgelts ergibt, ist ab dem Zeitpunkt der Veränderung eine erneute versicherungsrechtliche Beurteilung nach den oben beschriebenen Grundsätzen durchzuführen.
    Mit freundlichen Grüße
     
    Ihr Expertenteam
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