Beschäftigung von Nicht-EU-Bürgern

Für Unternehmen, die Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Ausland anwerben wollen, sind Informationen über die Zugangsmöglichkeiten zum deutschen Arbeitsmarkt wichtig. Bürger aus sogenannten Drittstaaten (Nicht-EU-Bürger) benötigen in der Regel eine Aufenthalts- und eine Arbeitserlaubnis . Für sie ist das Aufenthaltsgesetz maßgeblich. Es kommt jedoch im Detail darauf an, aus welchem Drittstaat der potenzielle Arbeitnehmer kommt.

Fachkräfte aus Drittstaaten

Drittstaaten sind Staaten außerhalb der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums. Die Schweiz hat einen Sonderstatus und wird nicht als Drittstaat angesehen. Für alle Staatsbürger von Drittstaaten gilt grundsätzlich das Aufenthaltsgesetz. Sie benötigen eine gesonderte Erlaubnis, um in Deutschland tätig zu werden.

In der Praxis wird zwischen positiven und negativen Drittstaaten unterschieden. Bürger aus positiven Drittstaaten können bei einer Aufenthaltsdauer von bis zu drei Monaten ohne Visum beziehungsweise Sichtvermerk einreisen und eine Arbeit zum Beispiel als Saisonarbeitnehmer aufnehmen.

Positive Drittstaaten
  • Albanien
  • Andorra
  • Antigua und Barbuda
  • Argentinien
  • Australien
  • Bahamas
  • Barbados
  • Bosnien und Herzegowina
  • Brasilien
  • Brunei Darussalam
  • Chile
  • Costa Rica
  • El Salvador
  • Guatemala
  • Honduras
  • Israel
  • Japan
  • Kanada
  • Malaysia
  • Mauritius
  • Mazedonien
  • Mexiko
  • Monaco
  • Montenegro
  • Neuseeland
  • Nicaragua
  • Panama
  • Paraguay
  • San Marino
  • Serbien
  • Seychellen
  • Singapur
  • Südkorea
  • Uruguay
  • USA
  • Vatikanstadt
  • Venezuela

Länder, die hier nicht aufgeführt sind, gehören zu den sogenannten negativen Drittstaaten.

Arbeitsaufenthalte über 90 Tage

Auch Bürger aus positiven Drittstaaten brauchen für einen längeren Aufenthalt von mehr als 90 Tagen einen Aufenthaltstitel, der grundsätzlich aus dem Ausland beantragt werden muss.

Nur Staatsangehörige von Australien, Israel, Japan, Kanada, der Republik Korea, Neuseeland und den USA können den für einen längeren Aufenthalt erforderlichen Aufenthaltstitel (mit Arbeitserlaubnis) nach der visumsfreien Einreise im Inland beantragen.

Sollte ein längerer Aufenthalt mit einer Arbeitsgenehmigung erforderlich sein, haben Einreisende aus Drittstaaten eine berufliche Qualifikation vorzuweisen, die den Anforderungen des deutschen Arbeitsmarkts entspricht.

Das gilt allerdings nicht für Bürger aus den sogenannten „Best Friends“-Staaten. 

    Best Friends-Staaten
    • Andorra
    • Australien
    • Israel
    • Japan
    • Kanada
    • Republik Korea
    • Monaco
    • Neuseeland
    • San Marino
    • USA

    Einreisende aus den „Best-Friends“-Staatendürfen unabhängig von ihrer persönlichen Qualifikation jede Art von Beschäftigung ausüben. Vor der Erteilung einer Arbeitsgenehmigung prüft die Bundesagentur für Arbeit jedoch

    • die Arbeitsbedingungen,
    • das Vorliegen eines konkreten Arbeitsplatzangebots sowie
    • ob kein bevorrechtigter, also inländischer oder aus einem anderen EU-Staat stammender Arbeitnehmer für die konkrete Beschäftigung verfügbar ist.

    Fachkräfteeinwanderungsgesetz

    Mit dem am 1. März 2020 in Kraft getretenen Fachkräfteeinwanderungsgesetz wird es für Betriebe einfacher, Beschäftigte aus Nicht-EU-Staaten einzustellen. Das Gesetz erleichtert es Arbeitgebern, Menschen aus Nicht-EU-Staaten in Deutschland eine Beschäftigung anzubieten. Dazu wurde die Definition von Fachkräften zunächst einheitlich gefasst. Als Fachkräfte gelten künftig

    • Hochschulabsolventen und
    • Personen mit qualifizierter Berufsausbildung.

    Das trägt den Bedürfnissen der Wirtschaft Rechnung, die insbesondere Bedarf im Gesundheits- und Pflegebereich, in den sogenannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), aber auch im Handwerk hat.

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    Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt

    Wenn Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten über einen Arbeitsvertrag und eine anerkannte Qualifikation im Sinne eines Hochschulstudiums oder einer qualifizierten Berufsausbildung verfügen, können sie nach der Neuregelung in allen Berufen, zu denen sie ihre Qualifikation befähigt, arbeiten.

    Bewerber aus dem Nicht-EU-Ausland benötigen vor der Einreise nach Deutschland in aller Regel ein Visum. Das Visum zur Arbeitsaufnahme ist üblicherweise befristet und vor der Einreise nach Deutschland bei der deutschen Auslandsvertretung im Herkunftsland zu beantragen. Dazu muss bereits ein unterschriebener Arbeitsvertrag vorliegen. Im Arbeitsvertrag kann vermerkt werden, dass er erst wirksam wird, wenn ein gültiges Visum erteilt wurde.

    In Deutschland muss die Fachkraft dann eine Aufenthaltserlaubnis beantragen. Diese wird zusammen mit der Genehmigung zur Aufnahme einer Beschäftigung in Deutschland von der Ausländerbehörde erteilt.

    Prüfung der Qualifikation des Bewerbers

    Ebenfalls vor der Einreise nach Deutschland wird die Qualifikation des Bewerbers auf seine Gleichwertigkeit mit deutschen Abschlüssen überprüft. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) bewertet die Kenntnisse der Bewerber und bestimmt, welche Maßnahmen für die Anerkennung der Qualifikation noch benötigt werden.

    Wenn die BA die Qualifikation des Bewerbers anerkannt hat und dieser bereits einen Arbeitsvertrag vorweisen kann, entfällt die früher notwendige Vorrangprüfung. Die Vorrangprüfung besagte, dass Jobsuchende aus dem Nicht-EU-Ausland nur Stellen

    annehmen durften, für die kein Deutscher oder EU-Bürger infrage kam. Für Berufsausbildungen gibt es allerdings immer noch die Vorrangprüfung.

    Eine Sonderregel gibt es für den IT-Bereich: IT-Spezialisten aus Nicht-EU-Staaten mit mindestens drei Jahren Berufserfahrung können ohne weitere Prüfung durch die BA eine Beschäftigung aufnehmen, wenn sie in dem Job ein Gehalt von derzeit mindestens 4.020 Euro erhalten.

    Blaue Karte EU für Hochschulabsolventen

    Akademikern aus Drittstaaten steht mit der Blauen Karte eine weitere Zugangsmöglichkeit zum deutschen Arbeitsmarkt offen. Sie kann beantragt werden, wenn sie einen ihren beruflichen Qualifikationen angemessenen Arbeitsplatz vorweisen können und ein bestimmtes Mindestgehalt verdienen. Sie gilt als Aufenthaltstitel.

    Die Blaue Karte (Blue Card) EU berechtigt zum Aufenthalt und zur Erwerbstätigkeit in Deutschland und der EU. Sie wird vor der Einreise beantragt und ist an diverse Voraussetzungen gekoppelt. Regelungen hierzu finden sich im Aufenthaltsgesetz.

    Die Blaue Karte EU ist für alle Inhaber befristet und gilt zwischen einem und vier Jahren. Ihre Grundlage ist die EU-Richtlinie 2009/50/EG.

    Voraussetzungen für den Antrag auf eine Blaue Karte EU

    Ein Ausländer kann für Deutschland eine Blaue Karte EU beantragen, wenn er

    • entweder einen deutschen oder einen anerkannten ausländischen oder einen einem deutschen Hochschulabschluss vergleichbaren ausländischen Hochschulabschluss hat und
    • einen Arbeitsvertrag oder ein konkretes Arbeitsplatzangebot mit einem Bruttojahresgehalt von 2/3 der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung, in sogenannten Mangelberufen von 52 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung, vorweisen kann. Die Bemessungsgrenzen werden jedes Jahr neu festgelegt. Für 2020 gilt eine Gehaltsgrenze von 55.200 Euro beziehungsweise 43.056 Euro in Mangelberufen.

    Ausländische Absolventen inländischer Hochschulen

    Ausländische Fachkräfte mit inländischem Hochschulabschluss erhalten einen Aufenthaltstitel für eine der beruflichen Qualifikation entsprechende Beschäftigung ohne Zustimmung der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV).  Diesen Titel erhalten auch Absolventen deutscher Auslandsschulen für eine qualifizierte betriebliche Ausbildung in einem staatlich anerkannten oder vergleichbar geregelten Beruf.

    Darüber hinaus können Angehörige aus Drittstaaten, die ein Hochschulstudium in Deutschland abgeschlossen haben, ohne Beschränkung eine ihrem Studium angemessene Tätigkeit aufnehmen. Die zuständige Ausländerbehörde erteilt den nötigen Aufenthaltstitel.

    Führungskräfte aus dem Ausland

    Hoch qualifizierte ausländische Arbeitnehmer erhalten einen Aufenthaltstitel für eine Beschäftigung ohne Zustimmung der ZAV, wenn es sich um Führungskräfte handelt. Das trifft zu für leitende Angestellte mit einer Generalvollmacht oder Prokura sowie Gesellschafter von Handelsgesellschaften und leitende Angestellte auf Vorstands-, Direktions- und Geschäftsleitungsebene.

    Ausländische Auszubildende

    Bewerber aus Drittstaaten benötigen für eine Berufsausbildung in Deutschland eine Aufenthaltserlaubnis zu Ausbildungszwecken. Damit dürfen sie an nicht studienvorbereitenden Sprachkursen teilnehmen und sich betrieblich aus- und weiterbilden lassen, sofern die Bundesagentur für Arbeit zustimmt. Die Aufenthaltserlaubnis ist befristet und gilt nur für diesen Zweck. Nach der Ausbildung haben sie ein Jahr Zeit, um einen angemessenen Arbeitsplatz zu finden.

    Make it in Germany
    Fachkräfte aus dem Ausland

    Die Bundesregierung betreibt unter dem Titel „Make it in Germany“ ein Internetportal mit umfassenden Informationen zur qualifizierten Beschäftigung ausländischer Fachkräfte in Deutschland.

    Stand

    Zuletzt aktualisiert: 04.03.2020

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