Bundesweiter BGF-Preis Gesunde Pflege

Erstmals prämierte die AOK 2022 Pflegeeinrichtungen, die innovative und nachhaltige Ansätze zur Förderung der Gesundheit ihrer Mitarbeiter in der Pflege umsetzen. In Kurzporträts stellen wir die ausgezeichneten Projekte und Institutionen vor.

Gesund planen – doppelt gewinnen

Der im Mai 2022 verliehene BGF-Preis stand unter dem Motto: „Gesund planen – doppelt gewinnen“. Mit der Auszeichnung zeigte die AOK, dass es sich für Arbeitgeber auszahlt, bei der Organisation der Arbeit die Gesundheit der Beschäftigten in den Mittelpunkt zu stellen. Die Gesundheitskasse will mit diesen Beispielen auch andere Pflegeinstitutionen zu eigenen Projekten ermutigen. Zu den Ansätzen, wie es gelingen kann, die Arbeitsorganisation gesund und nachhaltig zu gestalten, gehören etwa

  • die mitarbeiterorientierte Gestaltung von Schichtplänen,
  • eine auf die Gesundheit ausgerichtete Führungskultur und -struktur,
  • Partizipation der Beschäftigten,
  • Förderung der Gesundheitskompetenz der Beschäftigten und der Organisation,
  • faire Aufgabenverteilung mit der Berücksichtigung des Alters,
  • lebensphasenorientiertes Arbeiten,
  • Verbesserung der Teamarbeit,
  • Integration von Angehörigen in den Pflegeprozess,
  • Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder
  • der Einsatz von Hilfsmitteln.

Die bundesweiten Preisträger 2022

2022 erhielten drei gleichwertige Projekte den Hauptpreis, der mit 5.000 Euro dotiert ist:

Vinzentinerinnen Köln GmbH

Die Vinzentinerinnen Köln GmbH ist Trägerin verschiedener Einrichtungen in Köln, Bonn und Mönchengladbach: Zur GmbH gehören sechs stationäre Altenpflegeeinrichtungen, zwei teilstationäre Einrichtungen sowie jeweils eine Einrichtung der Eingliederungshilfe und der Kinder- und Jugendhilfe.

Die Vinzentinerinnen Köln GmbH arbeitet intensiv an einer gesunden Arbeitsorganisation. Sie reden offen miteinander, helfen und unterstützen sich gegenseitig. Das trägt zur Arbeitszufriedenheit und zur Verbesserung der Pflegequalität bei.

Im Mittelpunkt eines bereits im Jahr 2016 gestarteten Prozesses stand von Beginn an der Gedanke, dass eine gesunde Arbeitsorganisation zum Vorteil nicht nur der rund 1.000 Beschäftigten ist, sondern auch für die Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner.

In der Altenpflege sind viele an Demenz erkrankte Menschen zu versorgen, was für die Pflegerinnen und Pfleger eine sehr intensive individuelle Betreuung und eine hohe psychische Belastung bedeutet. Im Rahmen des Projekts ist es gelungen, die Gewaltprävention und die frühzeitige Deeskalation von kritischen Situationen durch offene Kommunikation und eine offene Fehlerkultur voranzubringen.

Dazu beigetragen haben Fortbildungen, Teambildungsmaßnahmen und Gesprächskreise, aber auch neue Personalbemessungsrichtlinien. Verbesserungspotenziale werden durch Arbeitsunfähigkeits- und Fluktuationsanalysen, Mitarbeitergespräche, interne Audits zu verschiedenen Prozessen, Bewohnerinnen- und Bewohnerbefragungen und Beschwerdeauswertungen erkannt. Der Projektzeitraum ist bis auf das Jahr 2030 angelegt. 

Seniorenresidenz Kirchheimbolanden

Die Seniorenresidenz Kirchheimbolanden in Rheinland-Pfalz bietet seit 1995 rund 150 Wohn- und Pflegeplätze.

Für die Mitarbeitenden war die Arbeit bis vor ein paar Jahren vor allem auch durch eine wenig verlässliche Dienstplanung geprägt. Durch kurzfristige Ausfälle mussten Pflegekräfte oft einspringen, was zu Unzufriedenheit in der Belegschaft führte.

2016 startete das BGM-Projekt „Gemeinsam viel bewegen“ mit einer ausführlichen Analyse, Befragungen und Interviews der Mitarbeitenden sowie Workshops zum Thema Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz – bis heute einer der Schwerpunkte des BGM-Ansatzes. Mit einem fundierten Konzept für das Ausfallmanagement gelingt es der Pflegeeinrichtung heute, die Dienstplanung für ihre Mitarbeitenden verlässlicher zu organisieren: Für kurzfristige Personalausfälle werden Mitarbeitende als „Joker“ in Reserve mit eingeplant.

Eine weitere konkrete BGM-Maßnahme wurde von den Mitarbeitenden selbst vorgeschlagen und hat sich sehr bewährt: Die Pflegekräfte können sich am Arbeitsplatz durch geschulte Kolleginnen mit Kinesio-Tapes behandeln lassen.

Greizer Senioren- und Pflegeheim GmbH

Hoher Krankenstand, unzählige Überstunden und Mitarbeitende, die frustriert kündigten: Die neue Geschäftsführung der Greizer Senioren- und Pflegeheim gGmbH musste 2018 viele Probleme anpacken, um das Unternehmen auf erfolgreichen Kurs zu bringen.

Der gemeinnützige Träger für zwei Pflegeheime und weitere Sozialeinrichtungen der Stadt Greiz in Thüringen startete in einen umfassenden Prozess: Noch bis 2023 läuft das BGM-Projekt „Gesundes Unternehmen, gesunde Mitarbeiter“.

Wesentlicher Bestandteil war die Entwicklung einer verbindlichen Arbeitsordnung für alle Beschäftigten, die ein respektvolles und gerechtes Miteinander ermöglichen sollte und sich auf viele Arbeitsbereiche auswirkte: Das beginnt bei verbindlicher Urlaubsplanung und geht bis zum fairen Umgang mit Raucherpausen. Über aufgestellte Ideen-Boxen können die Beschäftigten Verbesserungsimpulse geben.

Zum BGM-Projekt gehört neben internen Sport- und Präventionsangeboten auch eine externe Ausbildungs- und Werbekampagne, die Erfolge zeigt: Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen zwölf neue Pflegeauszubildende begrüßen, so viele wie noch nie. Damit die dringend notwendigen Nachwuchskräfte auch motiviert bleiben und fachlich auf hohem Niveau ausgebildet werden, wurde zudem die Stelle einer zentralen Praxisanleiterin geschaffen.

Weil sie sich besonders innovativ mit einem Spezialthema befasst haben, erhielten zwei Einrichtungen einen Sonderpreis, der ebenfalls mit 5.000 Euro dotiert ist.

Klinik Wartenberg

Dass die Leistungsfähigkeit eines Menschen vom individuellen Tagesrhythmus, dem Chronotypus, abhängt, ist keine neue Erkenntnis. Dass Arbeitgeber wie die bayerische Klinik Wartenberg untersuchen, welche Chronotypen ihre Mitarbeitenden sind, ist dagegen eine Besonderheit.

Tatsächlich können die inneren Uhren im Extremfall sechs bis acht Stunden voneinander abweichen. Gerade im Schichtdienst kann der persönliche Tagesrhythmus ein wichtiger Faktor sein, um Schlafstörungen und Folgen für das Immun- und Herz-Kreislauf-Systems zu minimieren.

An der Studie nahmen 128 Mitarbeitende aus dem Pflegebereich teil, deren Rhythmus analysiert und in den Schichtdienstplanung eingebunden wurde.

Herausragendes Ergebnis: Nur noch 15 Prozent der Beschäftigten berichteten nach Ablauf der Studie über eine schlechte bis sehr schlechte Schlafqualität. Zu Beginn waren es 35 Prozent. Und: Bei allen Krankheiten konnte eine deutliche Reduzierung festgestellt werden beispielsweise von auftretenden Rückenschmerzen, was auch Einfluss auf die AU-Tage hat.

Barmherzige Brüder Rilchingen

In den Einrichtungen der Barmherzigen Brüder Rilchingen im Saarland ist man das Thema Suchterkrankungen offensiv angegangenen. Seit 2018 ist die Suchtprävention Schwerpunkt der Betrieblichen Gesundheitsförderung. Dazu wurde eine Arbeitsgruppe speziell zu diesem Thema ins Leben gerufen, die sich mit Medikamentenmissbrauch und mit dem Thema Alkohol befasst. Für die Mitarbeitenden wurden Beratungen und Schulungen angeboten.

Dabei geht es nicht darum, den Alkohol komplett aus dem Alltag zu verbannen, sondern über einen verantwortungsvollen Umgang aufzuklären. Mit einer „Behüterli“-Aktion werden etwa die Autofahrer angesprochen. Der „Behüterli“ ist ein Anhänger – über den Zündschlüssel gezogen erinnert er daran, den Wagen nach dem ersten Bier lieber stehen zu lassen.

BGF-Preis Gesunde Pflege: die Auswahlkriterien

Die Auswahl der Preisträger unterlag einem klaren Anforderungskatalog. Als auszeichnungswürdiges BGF-(Modell)Projekt musste es folgende Bedingungen erfüllen:

  • innovativer Ansatz
  • Transfer in den Berufsalltag gewährleistet
  • nachhaltig angelegt
  • wirksam und in der Praxis bewährt
  • unter Beteiligung der Beschäftigten oder deren Vertretung entwickelt
  • verständlich, nachvollziehbar und aussagekräftig beschrieben
  • die spezifischen Interessen und Probleme der Zielgruppen sind adäquat berücksichtigt und bedarfsgerecht aufbereitet
  • entspricht dem Leitfaden Prävention der GKV

BGF-Preis Gesunde Pflege: fachkundige Jury

Eine Jury mit Mitgliedern aus Wissenschaft, Politik und Praxis hat aus den Teilnehmern die Preisträger ausgewählt. Die Jurymitglieder sind:

  • Knut Lambertin, Aufsichtsratsvorsitzender (Versichertenseite) des AOK-Bundesverbandes
  • Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes
  • Claudia Moll, Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung
  • Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerates
  • Antje Ducki, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Berliner Hochschule für Technik

Stand

Erstellt am: 15.06.2022

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