Coronakrise: resiliente Unternehmen mit geringerem Krankenstand
20.09.2021 | Fehlzeiten-Report 2021

Coronakrise: resiliente Unternehmen mit geringerem Krankenstand

Empfanden Beschäftigte ihr Unternehmen in der Coronakrise als besonders anpassungsfähig und flexibel, hatten sie seltener gesundheitliche Beschwerden. Das zeigt eine Befragung für den Fehlzeiten-Report 2021 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Resilienz schützt Beschäftigte und Unternehmen in der Krise

Die Pandemie hat einen großen Umbruch in der Arbeitswelt nach sich gezogen. Für 80  Prozent der Beschäftigten veränderte sich die persönliche Arbeitssituation, zum Beispiel durch die Arbeit im Homeoffice. Je anpassungsfähiger und flexibler Beschäftigte sich selbst und ihr Unternehmen in der Pandemie einschätzten, desto besser bewerten sie auch ihren eigenen Gesundheitszustand und ihr individuelles Wohlbefinden. Das zeigt eine Befragung von mehr als 2.500 Beschäftigten zwischen 20 und 65 Jahren für den Fehlzeiten-Report 2021 des WIdO.

WIdO
Fehlzeiten-Report 2021

Der Fehlzeiten-Report 2021 des WIdO beleuchtet die Folgen der Coronapandemie für Beschäftigte und Unternehmen.

Mehr psychische Beschwerden im Zuge der Pandemie

Insgesamt sind bei vielen Beschäftigten jedoch besonders die psychischen Beschwerden im Zuge der Pandemie gestiegen, wie der Fehlzeiten-Report zeigt. Während Anfang 2020, also noch vor der Pandemie, etwa 69 Prozent der Befragten über emotionale Probleme wie Lustlosigkeit, Nervosität oder Niedergeschlagenheit berichteten, waren es in diesem Frühjahr 88 Prozent.

Auch der Anteil der Beschäftigten mit mindestens einer psychosomatischen Beeinträchtigung ist im Zuge der Pandemie von 80 auf 84 Prozent gestiegen. Besonders deutlich war der Anstieg bei Konzentrationsproblemen (plus 10 Prozent) und Schlafstörungen (plus 7 Prozent). Ein Rückgang der Beschwerden zeigte sich laut der Befragung dagegen bei den Atemwegs- und bei den Infektionskrankheiten.

Widerstandsfähige Beschäftigte seltener krank

Die Befragungsergebnisse des WIdO belegen auch, dass die individuelle Resilienz, also die Fähigkeit, Belastungssituationen zu trotzen und sie gestärkt zu überwinden, in einem deutlichen Zusammenhang zum gesundheitlichen Wohlbefinden steht. Erwerbstätige, die ihre Resilienz als besonders positiv einschätzen, leiden unter weniger gesundheitlichen Beschwerden als solche, die ihre individuelle Resilienz vergleichsweise schlecht beurteilen.

Besonders deutlich sind diese Unterschiede bei emotionalen und psychosomatischen Beschwerden. Im Vergleich zu den psychisch stabilen Erwerbstätigen berichten mehr als doppelt so viele Beschäftigte mit niedriger individueller Resilienz über Zweifel an den eigenen Fähigkeiten (69 Prozent versus 27 Prozent) oder Angstgefühle (52 Prozent versus 11 Prozent). Diese psychischen Belastungen werden von körperlichen Beschwerden begleitet, etwa von Magen-Darm-Problemen (38 Prozent versus 13 Prozent) oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen (36 Prozent versus 12 Prozent).

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Krisenbewältigung im Unternehmen beeinflusst Fehltage

Aber nicht nur die persönliche Belastungsfähigkeit, auch die Resilienz des eigenen Unternehmens beeinflusst den Gesundheitszustand der Beschäftigten. Wird ein Arbeitgeber in der Krise als besonders anpassungsfähig, die Führungskraft als Unterstützung und der Zusammenhalt im Betrieb als gut erlebt, berichten Beschäftigte seltener von gesundheitlichen Beschwerden. Dieser Effekt spiegelt sich auch in den krankheitsbedingten Fehltagen wider: Beschäftigte, die der Resilienz ihres Unternehmens besonders gute Noten geben, haben im Schnitt 7,7 krankheitsbedingte Fehltage in den letzten zwölf Monaten. Bei Erwerbstätigen, die die Unternehmensresilienz besonders schlecht bewerten, sind es dagegen 11,9 krankheitsbedingte Fehltage. Die WIdO-Experten schließen aus ihren Befragungen, dass vor allem ein offener Umgang mit Fehlern, ein guter Informationsfluss und schnelle Entscheidungen ein Unternehmen in Krisen widerstandsfähiger machen.

Insgesamt stellen die Beschäftigten ihren Unternehmen und Führungskräften in dieser Hinsicht gute Noten aus: Mehr als vier Fünftel der Befragten sehen ihr Unternehmen bei der Corona-Krisenbewältigung als gut aufgestellt an (83 Prozent). Drei Viertel beurteilen ihre Führungskräfte als geeignet dafür, das Unternehmen durch die Coronakrise zu steuern (77 Prozent).

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Pflegekräfte unter besonderem Druck

Besonders Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen standen während der Coronapandemie unter erhöhtem Druck, stellt ein Beitrag im Fehlzeiten-Report fest. Die Sorge um das psychische Wohlergehen der Pflegebedürftigen, die Einhaltung von Hygienevorschriften, die Durchführung der Tests im Team und bei den betreuten Personen sowie die Bewältigung von Personalausfällen seien typische Belastungsfaktoren gewesen. Darunter litt auch der Gesundheitszustand vieler Pflegekräfte. Bei den knapp 660.000 Pflegern, die bei der AOK versichert sind, waren letztes Jahr gemäß den WIdO-Experten im Durchschnitt 25,4 Arbeitsunfähigkeitstage zu verzeichnen. Das waren 6,1 Fehltage mehr als im Durchschnitt der AOK-Mitglieder.

So unterstützt die AOK

Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, die Betriebliche Gesundheitsförderung in der Pflege zu stärken. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen war die AOK während der Pandemie in über 1.300 Einrichtungen der Pflegebranche mit ihren Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) aktiv. Die AOK baut ihr Angebot für Pflegeeinrichtungen immer weiter aus, unter anderem durch Workshops, Schulungsplattformen und Werkzeuge zur Qualitätsmessung der Gesundheitsförderung in der Pflege.

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Erstellt am: 20.09.2021

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