#Gesundheit am 23.03.2021 aktualisiert am 22.04.2021

Wie läuft eine Corona-Impfung im Impfzentrum ab?

Ein Mann erhält eine Corona-Impfung.
iStock / Inside Creative House

Die Impfung gegen die Krankheit COVID-19 beschäftigt die Menschen auch in Baden-Württemberg. Doch wie läuft die Impfung im Impfzentrum ab und wie ist es, in einem Impfzentrum zu arbeiten? Im Interview berichtet AOK-Mitarbeiterin Anke Gaber von ihrem Freiwilligeneinsatz im Impfzentrum Heidelberg.

Seit dem 27. Dezember 2020 wird bundesweit gegen COVID-19 geimpft – so auch in den knapp 80 Impfzentren in Baden-Württemberg, in denen viele Freiwillige mithelfen. Eine von ihnen ist Anke Gaber, die hauptberuflich beim AOK-Arztpartnerservice arbeitet.

Neben ihrem Vollzeitjob unterstützt die gelernte Arzthelferin zweimal wöchentlich im Impfzentrum Heidelberg und im mobilen Team. GESUNDNAH blickt mit Anke Gaber hinter die Kulissen und wollte von der 52-Jährigen wissen, wie die Corona-Impfung abläuft. 

Frau Gaber, wie sind Sie darauf gekommen, im Impfzentrum Heidelberg und im mobilen Team mitzuhelfen?

Im November 2020 habe ich in den Medien immer wieder gehört, dass es noch zu wenig medizinisches Personal für die Impfkampagne gebe und der Impfstart deshalb vielleicht gar nicht eingehalten werden könnte.

Da ich selbst gelernte Arzthelferin bin und über 20 Jahre lang „Spritzen“-Erfahrung habe, musste ich nicht zweimal darüber nachdenken und habe mich direkt beworben. Schließlich möchte ich, wie viele andere auch, bald wieder zu einem normalen Leben zurück.

Wie bekommen Sie die Impf-Einsätze und Ihre Arbeit bei der AOK unter einen Hut?

Das funktioniert erstaunlich gut. Ich habe mit der AOK Baden-Württemberg einen sehr verständnisvollen Arbeitgeber, der mir die Nebentätigkeit sofort erlaubt hat und mich unterstützt. Wenn ich zum Beispiel mal Spätschicht im Impfzentrum habe, kann ich früher gehen. Das passiert aber nicht oft, denn meistens arbeite ich in meiner Freizeit, vor allem am Wochenende.

Privat klappt es auch wunderbar: Mein Mann unterstützt mich, meine zwei Kinder sind schon längst aus dem Haus und meinem Vereinshobby kann ich ja gerade sowieso nicht nachgehen. Insgesamt arbeite ich zweimal in der Woche im Impfzentrum oder im mobilen Impfteam – je nachdem, wo ich gerade gebraucht werde.

Sie waren schon vor dem eigentlichen Impfstart vor Ort. Hatten Sie bei den Vorbereitungen geholfen?

Genau, denn aus einem ehemaligen Einkaufszentrum musste ja in kurzer Zeit ein Impfzentrum entstehen.

Als Mitte Dezember die Vorbereitungen begonnen haben, standen zwar schon die Kabinen, doch wir mussten noch viel organisieren: Material beschaffen, Wege für Besucher abstecken, Hinweisschilder aufstellen, Kühlmöglichkeiten für den Impfstoff organisieren und probehalber die Abläufe durchgehen – damit alles rechtzeitig fertig wurde für den Impfstart am 27. Dezember 2020.

Zudem wurden wir in der Apotheke eingewiesen, wie man mit den Impfstoffen richtig umgeht.

Was sind Ihre Aufgaben im Impfzentrum Heidelberg und im mobilen Impfteam?

Im Impfzentrum bin ich für das Impfen der „Impflinge“ zuständig – so nennen wir die Menschen, die zu uns zukommen. Die Spritzen müssen wir dort nicht selbst aufziehen, das bereitet eine Apotheke vor. Wenn ich im mobilen Team unterwegs bin, sind wir meistens zwei Arzthelferinnen und fahren zu Pflegeheimen. Die eine bereitet dann die Spritzen vor und die andere impft.

Alles zur Corona-Impfung

Welche Impfstoffe gibt es? Wie ist eigentlich die Impfreihenfolge und wie bekomme ich einen Impftermin? Die häufigsten Fragen zur Corona-Impfung haben wir hier für dich beantwortet.

Weitere Informationen zur Corona-Impfung in Baden-Württemberg findest du auf der Website der Landesregierung.

Wer zu Ihnen ins Impfzentrum kommt, hat einen festen Termin. Wie läuft die Impfung genau ab?

Im Impfzentrum Heidelberg gibt es einen festen Ablauf. Los geht es schon vor dem Impfzentrum, denn der Sicherheitsdienst lässt nur Menschen auf den Parkplatz, die einen festen Termin haben und diesen schriftlich nachweisen können.

Im Eingangsbereich unterstützt die Bundeswehr und überprüft, ob die Terminnachweise richtig sind und eine Impfberechtigung vorliegt. Anschließend geht es zur Anmeldung, bei der die Versichertenkarte eingelesen wird und die Impfberechtigen einen Laufzettel bekommen, auf dem die vier nachfolgenden Stationen abgehakt werden können.

AOK

In der ersten Kabine gibt es ein Informationsvideo zu den aktuell verfügbaren Impfstoffen  und möglichen Nebenwirkungen. Danach geht es in die nächste Kabine zu einem Arztgespräch, bei dem es zum Beispiel um Medikamenteneinnahme geht.

In einer weiteren Kabine werden die Menschen schließlich geimpft. Danach müssen die Geimpften 20 Minuten im Wartebereich bleiben, um sich auszuruhen und um zu schauen, wie sie auf die Impfung reagieren.

Sind die Menschen dankbar?

Die älteren Menschen sind wirklich sehr dankbar, endlich geimpft werden zu können. Letztens hat ein älterer Herr nach der zweiten Impfdosis zu mir gesagt: „Gell, jetzt nur noch acht Tage, dann kann ich meine Enkel endlich wiedersehen.“

Ein 95-Jähriger, der noch richtig fit ist, hat mich angestrahlt und gesagt: „Jetzt kann ich noch ein paar Jahre länger leben.“ Die Menschen bekommen erstmal wieder ihre Freiheit zurück, denn viele Ältere waren ja in Isolation, hatten kaum oder gar keine sozialen Kontakte mehr.

Da ist die Impfung für viele ein richtiges Highlight – auch wenn man danach natürlich immer noch die geltenden Hygiene- und Maskenregeln einhalten muss, weil eine Impfung nicht immer vollumfänglich und langanhaltend schützen kann.

AOK

Welche Situation ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Ein trauriges Gespräch mit einem älteren Mann, der mir von seinem Schicksalsschlag erzählt hat: Seine Frau ist im Januar 2021 an COVID-19 gestorben. Sie hatte eigentlich nur einen Arm gebrochen.

Nach dem Krankenhausaufenthalt hat ihr Mann ihr dazu geraten, für ein paar Tage in Kurzzeitpflege gehen, um dort mehr Krankengymnastik zu bekommen – dort hat sie sich mit dem Coronavirus angesteckt. Er macht sich heute große Vorwürfe. Die Ansteckung hätte aber natürlich auch überall sonst passieren können.

Würden Sie Ihren Freunden raten, sich impfen zu lassen?

Auf jeden Fall! Wir können die sogenannte Herdenimmunität nur erreichen, wenn sich ein hoher Prozentsatz impfen lässt – ansonsten würde es vielleicht noch länger dauern bis wir wieder zurück zur Normalität finden.

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    veröffentlicht am 23.03.2021 aktualisiert am 22.04.2021

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