#Wechseljahre am 27.11.2020

Wechseljahre beim Mann: Das steckt dahinter

Älterer Mann steht in der Natur und lächelt.
iStock Nastasic

Schwitzen, Erektionsprobleme oder Stimmungsschwankungen: Ob diese Symptome Anzeichen für Wechseljahre bei Männern sind und wie der Testosteronspiegel damit zusammenhängt, erfährst du hier.

Mit dem Älterwerden verändert sich der Körper – das ist ganz normal. Bei vielen Menschen wird die Haut allmählich schlaffer oder die Muskelkraft lässt mit den Jahren nach. Einige klagen über einen Libidoverlust oder über eine depressive Verstimmung.

Bei Frauen sind sich die Forscher einig: Im Zuge ihrer Wechseljahre können die genannten Symptome auftreten. Doch gibt es das Phänomen der Wechseljahre auch bei Männern?

Ob Männer überhaupt einen solchen „Wechsel“ erleben und wie sich die männlichen Hormone im Laufe der Zeit verändern können, erfährst du hier.

Wechseljahre beim Mann: Gibt es das überhaupt?

Ob „Klimakterium virile“ oder „männliche Andropause“ – wenn in Fachkreisen oder in den Medien davon die Rede ist, sind in den meisten Fällen die männlichen Wechseljahre gemeint.

Auch Begriffe wie „Androgendefizit des alternden Mannes“ (ADAM) und „partielles Androgendefizit des alternden Mannes“ (PADAM) sollen nahelegen, dass ab einem gewissen Alter die Geschlechtshormone des Mannes abnehmen und damit Wechseljahrs-Beschwerden auftreten können. Doch ist das so?

Die klassischen Wechseljahre bei Männern, ähnlich wie bei Frauen, gibt es so nicht, wie die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) erklärt. Vielmehr steckt hinter den meisten Beschwerden ein Testosteronmangel, der durch die richtige Therapie bestenfalls behoben werden kann.

Der Begriff „Wechseljahre“ trifft vor allem deshalb nicht ganz zu, weil die Menge der Geschlechtshormone beim Mann nicht innerhalb weniger Jahre rapide abnimmt und irgendwann gegen Null geht, wie es bei Frauen zu Beginn der Menopause der Fall ist.

Warum sich der Testosteronspiegel beim Mann verändern kann

In einer Sache ähneln sich die Hormonveränderungen bei Männern und Frauen: Bei beiden nimmt die Produktion der Geschlechtshormone etwa ab dem 40. Lebensjahr (bei einigen später) ab – bei Frauen aber viel schneller als bei Männern.

Laut der DGE sinkt der Testosteronspiegel beim Mann jährlich um etwa ein bis zwei Prozent – einen echten Mangel an Testosteron haben allerdings nur drei bis fünf Prozent der über 60-Jährigen.

Der Unterschied zwischen den weiblichen und männlichen Hormonabnahmen liegt in der Ursache: Bei Frauen ist es biologisch gesehen ganz natürlich, dass der Östrogenspiegel abnimmt – bis zur Menopause, in der die Menstruation ausbleibt und sie nicht mehr schwanger werden können.

Bei älteren Männern ist eine langsame Abnahme des Testosteronspiegels im Laufe der Jahre normal, allerdings kann der Hormonwert durch die folgenden Faktoren noch zusätzlich negativ beeinflusst werden:

  • Diabetes
  • Herzerkrankungen
  • Nierenerkrankungen
  • metabolisches Syndrom
  • Stress
  • Übergewicht
  • Entzündungen
  • grippaler Infekt
  • starke körperliche Belastung, zum Beispiel beim Leistungssport

Wer mit der Zeit lernt, besser mit Stress umzugehen oder sein Gewicht zu regulieren, kann dadurch den Testosteronspiegel positiv beeinflussen. Bei körperlichen Erkrankungen, zum Beispiel der Niere oder des Herzens, ist unsere Einflussnahme begrenzt – hier steht die Therapie der Grunderkrankung im Vordergrund.

Darüber hinaus können auch Erkrankungen des Hodens dazu führen, dass das Hormon nicht mehr ausreichend produziert werden kann – denn etwa 95 Prozent des Testosterons bei Männern wird in den Hoden produziert.

Auch Schädigungen der Hypophyse oder des Hypothalamus im Gehirn, die für die Steuerung der Hormonproduktion in den Hoden verantwortlich sind, können Auslöser eines zu niedrigen Spiegels sein.

Testosteronmangel erkennen: Das können die Symptome sein

Manche Männer haben um das 60. Lebensjahr Beschwerden, die auf einen Testosteronmangel hindeuten können – allerdings können laut der DGE auch andere Ursachen dahinterstecken. Wenn du die folgenden Symptome bei dir entdecken solltest, kann nur der Arzt mittels einer Laboruntersuchung abklären, ob dahinter ein Testosteronmangel steckt:

  • Libidoverlust
  • Erektionsstörungen
  • Gewichtszunahme, vor allem am Bauch
  • Abgeschlagenheit
  • Nervosität
  • depressive Verstimmungen
  • Hitzewallungen

Tatsächlich ist für diese Symptome nur in den seltensten Fällen ein echter Testosteronmangel die Ursache. Weitaus häufiger sind beispielsweise Funktionsstörungen der Schilddrüse (Unter-/ Überfunktion), Depressionen oder auch Durchblutungsstörungen bei älteren Männern.

Testosteronmangel: Was kann der Arzt tun?

Stellt der Arzt einen sehr niedrigen Testosteronspiegel beim Mann fest, kann eine Hormontherapie helfen. Studien haben gezeigt, dass sich durch diese Therapie die Sexualität verbessern und die körperliche Leistungsfähigkeit zunehmen kann.

Eine solche Hormontherapie kann vor allem bei jüngeren Männern mit Kinderwunsch sinnvoll sein und durch den Urologen/Andrologen vorgenommen werden. Bei älteren Männern kommt diese Behandlung eher selten zum Einsatz.

Wichtig ist, dass Betroffene nicht eigenständig, ohne vorherige Rücksprache mit ihrem Arzt, Hormonpräparate einnehmen. Eine Hormontherapie sollte ausschließlich durch einen qualifizierten Facharzt vorgenommen und überwacht werden. Denn die Behandlung mit Testosteron kann mit Risiken einhergehen und zum Beispiel zu vorzeitiger oder verstärkter Arteriosklerose oder erhöhtem Herzinfarkt-Risiko führen.

Männergesundheit ist wichtig!

Wusstest du, dass nur etwa 40 Prozent der Männer regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen gehen? Und dass viele bei Beschwerden lieber (eher) abwarten, als einen Arzt aufzusuchen?

Nicht ohne Grund findet jedes Jahr im November die Aufklärungskampagne „Movember“ statt: Weltweit werden in diesem Monat Männer dazu aufgerufen, sich einen Schnurrbart wachsen zu lassen. Damit soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie wichtig Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von zum Beispiel Prostatakrebs sind.

Welche Untersuchungen für Männer wichtig sind und welche AOK-Angebote die Männergesundheit stärken, erfährst du hier.

Beratung und Hilfe für Männer: 6 Anlaufstellen in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg gibt es zahlreiche Projekte, Programme und Initiativen, die sich zum Ziel gemacht haben, die Gesundheit von Jungen und Männern zu stärken. An diese Beratungsstellen kannst du dich bei Sorgen und Nöten wenden oder dich hier mit anderen Männern austauschen:

Die Beratungsstellen für Männer in Baden-Württemberg auf der Karte

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