#Reizdarm am 19.03.2019 aktualisiert am 30.09.2019

Was ist ein Reizdarm?

Reizdarm erkennen: Frau in Unterwäsche hat auf ihrem Bauch ihren Darm skizziert.
iStockphoto/SolStock/Graham Oliver

Professor Heiner Krammer, Gastroenterologe aus Mannheim, behandelt häufig Patienten mit Reizdarmsyndrom. Im Interview erklärt er, was die Diagnose Reizdarm bedeutet.

Herr Professor Krammer, was sind die typischen Symptome eines Reizdarms?

„Typisch für einen Reizdarm sind Bauchschmerzen, Völlegefühl und Blähbauch, verbunden mit Stuhlunregelmäßigkeiten. Die Beschwerden bestehen über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten. Die Lebensqualität der Patienten ist stark eingeschränkt und es liegen keine für andere Krankheitsbilder charakteristischen Veränderungen im Darm vor.“

Was läuft da eigentlich schief im Darm?

„Das ist bislang nicht vollständig geklärt. Bei einer Routine-Untersuchung lassen sich keine klaren Krankheitsursachen finden. Möglich ist, dass der Darm besonders empfindlich reagiert oder seine Beweglichkeit gestört ist. Die intestinale Mikrobiota (Darmflora) kann aus der Balance geraten sein. Möglicherweise liegt auch eine leichte, nicht nachweisbare Entzündung vor. Auslöser für einen Reizdarm kann zudem eine gestörte Kommunikation zwischen dem Nervensystem des Darms und dem Gehirn sein.“

Wie wird ein Reizdarm diagnostiziert?

„Das Reizdarmsyndrom ist immer das Ergebnis einer Ausschlussdiagnose. Nach einem Gespräch mit dem Patienten erfolgt eine körperliche Untersuchung des Darms einschließlich des Enddarms. Frauen sollten sich zusätzlich beim Gynäkologen vorstellen. Geprüft werden zudem Schilddrüsen-, Leber- und Entzündungswerte. Bei Patienten mit Durchfall wird der Stuhl auf pathogene Keime und Entzündungsparameter untersucht. Bringt auch ein Ultraschall keine Klarheit, ist eine Darmspiegelung (Koloskopie) empfehlenswert.“

Welche Therapien haben sich aus Ihrer Sicht bewährt?

„Wichtig ist ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis. Ich mache deutlich, dass wir keine Heilung des Reizdarms versprechen können. Trotzdem tun wir alles, um die Beschwerden zu lindern. Dominiert Verstopfung, haben wir gute Erfahrungen mit Flohsamenschalen gemacht. Probiotische Mikroorganismen können helfen, die Darmflora zu stärken. Bei manchen Patienten helfen auch Abführmittel oder eine pflanzliche Wirkstoffkombination aus Pfefferminz- und Kümmelöl. Das Reizdarmsyndrom erfordert die Zusammenarbeit verschiedener Fachleute. Daher haben wir in meiner Praxis Ernährungstherapeuten im Team, die persönliche Hilfestellung geben und zu individuellen Ernährungsformen anleiten können.“

Wichtig für Reizdarm-Betroffene: Stress reduzieren

Stress, ein hektischer Alltag und Belastung en können Reizdarm-Symptome wie Durchfall, Blähungen oder Verstopfungen fördern und verstärken. Stressvermeidung und bewusste Entspannung gehören deshalb zu den wichtigsten Empfehlungen, um den Beschwerden eines Reizdarms entgegenzuwirken. Fällt es dir schwer runter zu kommen und bewusst loszulassen, helfen Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Yoga Stress abzubauen. Wichtig ist hierbei: dranbleiben und regelmäßig praktizieren.

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veröffentlicht am 19.03.2019 aktualisiert am 30.09.2019
GESUNDNAH-Redaktion

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