#Gesundheit am 15.01.2021

Nachhaltigkeit im Alltag: So profitiert deine Gesundheit

Kind umarmt Baum, auf dem ein grünes Herz ist.
Nastco

Ernährung, saubere Luft, Mikroplastik und mehr: Welche positiven Auswirkungen und Vorteile bringt ein nachhaltiger Lebensstil im Alltag für unsere Gesundheit mit? Wir verraten dir in sieben Tipps, wie du nachhaltiger und somit auch gesünder leben kannst.

Wie kann eine gesunde, nachhaltige und lebenswerte Zukunft aussehen? Und was kannst du selbst dazu beitragen? Hier erfährst du, mit welchen Tipps du bewusster mit dir selbst und der Umwelt umgehen kannst – und damit auch gesünder lebst.

Was ist Nachhaltigkeit?

Kaum zu glauben, aber die Idee der Nachhaltigkeit ist schon fast 300 Jahre alt. Der Begriff ist auf Hans Carl von Carlowitz (1645-1714), ein Oberberghauptmann des Erzgebirges, zurückzuführen. Carlowitz trat dafür ein, Wälder nachhaltig zu bewirtschaften: Es sollte nur so viel abgeholzt werden, wie auch wieder nachwachsen kann, sodass der Baumbestand in etwa gleichbleibt – diese ressourcenschonende Sicht bezog sich zunächst auf eine nachhaltige Art zu wirtschaften und legte später den Grundstein für den Begriff der Nachhaltigkeit auch in anderen Bereichen wie Umwelt, Gesundheit oder Soziales. 

Unser heutiges Verständnis von Nachhaltigkeit geht auf eine allgemeine Definition zurück, die die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen im sogenannten „Brundlandt-Bericht“ 1987 formuliert hatte:

„Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß künftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht befriedigen können.“

Zehn Jahre später stellte die EU das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit auf: Demnach sollen Ökologie, Ökonomie und Soziales gleichermaßen berücksichtigt werden, um nachhaltige Entwicklungen voranzubringen. Damit ist gemeint, dass weltweiter Klimaschutz und eine nachhaltige Entwicklung nur möglich sind, wenn umweltbezogene, wirtschaftliche und soziale Interessen gleichberechtigt einbezogen und Ziele umgesetzt werden. 

Doch was bedeutet das genau? Kurz gesagt: Wir sollten heute so handeln und leben, dass unsere Kinder genauso handeln und leben können wie wir heute. Die Motivation der vergangenen Jahre, Nachhaltigkeit in verschiedenen Bereichen mehr voranzubringen, liegt in zwei Entwicklungen: der globalen Erderwärmung und im weltweiten Bevölkerungswachstum, die beide miteinander zusammenhängen. Je mehr Menschen es gibt, desto mehr Energie und Nahrung wird gebraucht – infolgedessen steigen die CO2-Abgase und die Erderwärmung nimmt zu. Doch neben der Politik, die zum Beispiel im Pariser Klimaabkommen Maßnahmen gegen den Klimawandel festgehalten hat, kann jeder Einzelne dazu beitragen, dass die Umwelt geschont wird – und damit auch die Gesundheit.

Wie hängen Nachhaltigkeit und Gesundheit zusammen?

Sich gesund ernähren, saubere Luft atmen, Plastik und Müll der Umwelt zuliebe vermeiden – unsere Gesundheit ist eng verknüpft mit einem intakten Ökosystem und abhängig von verschiedenen Umweltfaktoren. Ein nachhaltiger Lebensstil kann hierbei einen entscheidenden Beitrag leisten. „Nachhaltigkeit und Gesundheit sind zwei sich gegenseitig verstärkende Motive, vor allem bei der Ernährungsweise. Denn dieser Bereich betrifft den Menschen direkt körperlich“, sagt Marcel Hunecke, Professor für Allgemeine, Organisations- und Umweltpsychologie an der FH Dortmund. „Wer zum Beispiel weiß, dass er sich mit einer nachhaltigen Ernährung Gutes tun und seine Gesundheit verbessern kann, bei dem steigt die Motivation, sein Essverhalten zu ändern“, so Professor Hunecke. „Und wer sich gesund ernährt, tut zugleich auch etwas für die Umwelt. Wer sich dies bewusst macht, kann daraus einen positiven, sinngebenden Aspekt gewinnen. Und das macht glücklich und zufrieden.“

Das Thema Nachhaltigkeit und Gesundheit beinhaltet zudem viele Aspekte, die ein verstärktes Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Mensch und Umwelt fördern. So können beispielsweise Umwelteinflüsse wie Luftverschmutzung oder Plastikvermüllung die menschliche Gesundheit negativ beeinflussen. Mikroplastik kann über Luft, Nahrungsmittel oder Kosmetikartikel aufgenommen werden.

Interesse an einem nachhaltigen Lebensstil zeigen quer durch die gesamte Bevölkerung Deutschlands alle Altersgruppen und Geschlechter. Ihr Augenmerk richtet sich dabei zum Beispiel darauf, wie Müll vermieden werden kann oder weniger Ressourcen verschwendet werden können. Viele Menschen stellen auch ihr Konsumverhalten auf den Prüfstand und ergreifen Maßnahmen, um nachhaltiger zu leben. Zum Beispiel achten viele mittlerweile darauf, nur Konsumgüter zu kaufen, die unter fairen Arbeitsbedingungen (faire Löhne und keine Kinderarbeit) hergestellt worden sind. Und viele Eltern vermitteln ihren Kindern schon früh eine Vorstellung von einer lebenswerten Zukunft. 

 

 

AOK-Klimachallenge: Mach mit!

Du möchtest Nachhaltigkeit in deinen Alltag mehr einbinden? Mach mit bei unserer Klimachallenge und verzichte zum Beispiel 30 Tage lang auf Fleisch, wasche einen Monat lang deine Kleidung bei geringeren Temperaturen oder gehe mehr zu Fuß – so kannst du aktiv etwas zum Klimaschutz beitragen und schauen, wie viel CO2 du dabei meidest. Insgesamt konnten so schon in Baden-Württemberg knapp 182.000 Kilogramm CO2 eingespart werden.

Hier geht’s zur Challenge.

Nachhaltig handeln, gesünder leben: 7 Tipps für den Alltag

1. Fleischkonsum reduzieren

Wenn du weniger Fleisch isst, schützt du damit das Klima. Warum ist das so? Je höher der Fleischkonsum insgesamt ist, desto mehr Tiere müssen gehalten werden – die landwirtschaftliche Tierhaltung trägt maßgeblich zur Erderwärmung bei. Erfahre hier mehr, wie Fleischkonsum und Klimaschutz zusammenhängen. Hinzu kommt, dass zu viel Fleisch essen nicht gesund ist, weil dadurch zum Beispiel das Risiko für Darmkrebs und weitere Erkrankungen steigt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche. Wähle am besten Fleisch in Bioqualität, da hier die Tierhaltung besser und die Antibiotika-Belastung geringer ist. Wenn du dich in vegetarischer Ernährung ausprobieren möchtest, haben wir hier Tipps für dich zusammengestellt.

2. Saisonal und regional einkaufen

Obst und Gemüse, das du nach Saison und aus der Region einkaufst, ist klimafreundlich. Die Transsportwege sind kürzer und die Lebensmittel müssen nicht lange gelagert werden. Einen Überblick über saisonales Obst und Gemüse bekommst du in unserem Saisonkalender. Saisonale Lebensmittel kannst du auch bei regionalen Erzeugern in Baden-Württemberg bestellen. 

3. Lebensmittel nicht wegwerfen

Erstelle vor jedem Einkauf am besten eine Einkaufsliste und plane deinen Wocheneinkauf  im Voraus, sodass du die richtige Menge an Lebensmitteln einkaufst und nichts wegwerfen musst. Und wenn Milch, Joghurt und Co. bereits abgelaufen sind? Oftmals sind Lebensmittel weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus noch genießbar.

Aus vielen Resten lässt sich noch Leckeres kochen. Im baden-württembergischen Genuss-Kochbüchle gibt es dazu viele gesunde und umweltfreundliche Ideen. 

Foodsharing in Baden-Württemberg

Etwa zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel landeten in Deutschland 2019 im Müll, etwa die Hälfte davon kommt von privaten Haushalten. Wenn du Lebensmittel zu Hause übrig hast, die noch gut sind, teile sie doch mit anderen! In den Sozialen Medien wie in der „Fair-Teiler“-Facebookgruppe für Stuttgart und auf der Website von Foodsharing e.V. hast du die Möglichkeit, Obst, Gemüse und andere Lebensmittel weiter zu verschenken.

 

4. Zero Waste

Plastikfrei einkaufen ist nachhaltig. Denn in Deutschland fallen jährlich etwa 37,4 Kilogramm Plastikabfälle pro Person an. Darunter fällt auch viel Verpackungsmüll, der sich zum Beispiel dadurch reduzieren lässt, wenn du in Unverpackt-Läden oder auch auf dem Wochenmarkt einkaufst. In Unverpackt-Läden füllst du die gewünschte Ware – Nudeln, Erbsen oder Kaffeebohnen – selbst in mitgebrachte Behälter ab. So vermeidest du viel Plastikmüll. Wo es Unverpackt-Läden in Baden-Württemberg gibt, verraten wir dir hier. Zusätzlich bieten auch immer mehr Supermarktketten unverpacktes Obst und Gemüse an.

 

5. Mikroplastik reduzieren

Die Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser von unter fünf Millimeter sind so klein, dass du sie kaum sehen kannst – und sie sind biologisch nicht abbaubar. Enthalten ist Mikroplastik zum Beispiel in Peelings, Duschgels oder Shampoos. Wenn du Kosmetikprodukte mit Mikroplastik verwendest, nimmst du unweigerlich die Partikelchen in deinen Körper auf. Hinzu kommt, dass sie ins Abwasser gelangen und von dort in die Umwelt. Auch beim Waschen von Kleidung aus Polyester, beim Abrieb von Autoreifen oder beim Zerfall von Kunststofftüten oder -flaschen finden die Partikel ihren Weg in die Natur. Wie schädlich Mikroplastik sein kann, erfährst du hier.

 

6. Das Auto mal stehen lassen

Wenn du etwas zur Verbesserung der Luftqualität beitragen möchtest, kannst du möglichst viel zu Fuß gehen oder das Fahrrad nehmen – das ist umweltfreundlich und hält dich gleichzeitig fit. Merke dir dafür schon mal den Mai 2021 vor: Vom 1. Mai bis zum 31. August findet wieder die AOK-Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ statt. Registriere dich einfach auf der Aktions-Website und gewinne attraktive Preise.
Bei längeren Strecken kannst du auf Busse und Bahnen umsteigen, deinen Arbeitgeber nach einem Job-Ticket fragen oder als Berufspendler Fahrgemeinschaften bilden. Wäge auch ab, ob du deine Arbeit vielleicht auch im Homeoffice erledigen kannst – das spart Wege, ist stressfreier und verringert das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus. Und wer das Auto nimmt, kann sich überlegen, auf spritsparende, schadstoffarme Fahrzeuge umzusteigen. Ob Elektromobilität klimafreundlich oder gar -schädlich ist, erfährst du hier im Interview mit Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann.

 

7. Medikamente richtig entsorgen

Nicht verbrauchte oder abgelaufene Arzneimittel gehören in den meisten Bundesländern in den Restmüll – eine bundeseinheitliche Regelung gibt es nicht. Der Restmüll ist eine gute Möglichkeit, weil die Abfälle verbrannt werden und somit keine Arzneimittel-Rückstände in die Umwelt gelangen, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erklärt.  Beim Bundesinstitut kannst du nachschauen, wie die Arzneimittelversorgung für deine Region geregelt ist.

 

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