#Resilienz am 12.10.2020

„Positiv denken und Lösungen finden – einen anderen Weg gibt es nicht“

Du hast der Datennutzung durch Google erfolgreich widersprochen. Damit die Änderung wirksam wird, muss die Seite neu geladen werden.

Die Diagnose Krebs verändert das Leben grundsätzlich, nichts ist mehr wie zuvor. Nicht nur Betroffene, auch pflegende Angehörige kommen dann oft an ihre Grenzen. Serife Kittelberger aus Reutlingen in Baden-Württemberg kennt das Gefühl auch, doch bei ihr gibt es nur eine Lösung: Positiv in die Zukunft zu blicken und weiterzumachen. Woher sie die Kraft nimmt und wie die AOK Baden-Württemberg pflegende Angehörige in ihrem Alltag unterstützt.

In schweren Zeiten hilft es, eine innere Stärke zu haben und resilient zu sein, um Krisen besser zu meistern – so wie Serife Kittelberger aus Reutlingen, die immer positiv nach vorne schaut, egal was kommt.

Die 50-Jährige hat trotz der Krebserkrankung ihres Mannes ihren Optimismus nie verloren. Ihre mitreißende Energie kann eine Inspiration für alle sein, die durch schwere Zeiten gehen.

Für die zweifache Mutter, die mit einer eigenen Werbeagentur selbstständig ist, ist das Glas immer halb voll – selbst, wenn man meinen könnte, dass es dazu eigentlich keinen Grund gibt. Wie die positive Lebenseinstellung ihr beim Umgang mit der Krebserkrankung ihres Mannes hilft und was für sie im Leben wirklich zählt.

Sie sind seit neun Jahren mit Ihrer Werbeagentur selbstständig. Wie hat Ihr Umfeld damals reagiert?

Alle haben mir gesagt, dass es die beste Entscheidung für mich war. Die Kinder waren damals noch klein, mein Mann beruflich viel unterwegs und ich habe zu Hause alles allein gewuppt.

Die Selbstständigkeit gibt mir die Möglichkeit, meine Zeit wirklich frei einzuteilen – die flexiblen Arbeitszeiten und auch meine tollen Kunden machen es mir heute möglich, meinen Mann bei seiner Krebserkrankung bestmöglich zu unterstützen.

Wie geht es Ihrem Mann heute?

Körperlich leider nicht so gut, weil er wieder in chemotherapeutischer Behandlung ist. Der Krebs hat wieder gestreut und Metastasen gebildet, zum Beispiel in der Wirbelsäule. Wir schauen aber optimistisch in die Zukunft und geben den Kampf gegen die Erkrankung nicht auf.

Was für uns gerade nicht leicht ist: Durch die Corona-Pandemie kann ich meinen Mann nicht wie sonst unterstützen, weil ich nicht bei den Behandlungen dabei sein darf.

Aber zum Glück haben wir einen wirklich tollen Freundeskreis, das ist Gold wert! Und unsere Hausärztin unterstützt uns, wo sie nur kann. Sie fährt zum Beispiel sogar am Wochenende noch vorbei, um ihm eine Infusion zu geben.

Wie hat die Krebserkrankung Ihres Mannes Ihr Familienleben verändert?

Wir sind eine „Macher“-Familie und eigentlich immer sehr aktiv. Langeweile gibt’s bei uns einfach nicht! Campingurlaube, gemeinsam Motorrad fahren und tanzen geht jetzt alles nicht mehr, das war schon hart und hat unseren Alltag verändert.

Unser Familienleben ist ruhiger, aber nicht unbedingt langweiliger geworden. Wir sind alle immer noch voller Tatendrang und legen unseren Fokus nicht nur auf die Krebserkrankung – das ist auch wichtig für meinen Mann.

Gerade fiebern wir mit unserem Sohn, weil er bald seinen Mofa-Führerschein macht und ich will bald in der Wohnung renovieren – es gibt immer viel zu tun.

Serife Kittelberger: Kurz vorgestellt

Serife Kittelberger ist bei Reutlingen aufgewachsen und lebt auch heute noch in ihrem Heimatdorf. Zusammen mit ihrem Mann und 15-jährigen Sohn (ihre Tochter ist für ein Studium weggezogen) wohnt sie in einem Mehrgenerationenhaus, ihre Mutter und Schwester wohnen im selben Haus.

Dass sie gerne unter Menschen ist, zeichnet die 50-Jährige einfach aus: „Menschen sind dein Hobby“, sagte ihr einmal eine Freundin. Das zeigte sich auch an ihrem 50. Geburtstag, zu dem über 100 Gäste kamen und die ganze Nacht durchtanzten – unter anderem zu Hard Rock, denn Serife Kittelberger liebt einfach die energiegeladene Musik von AC/DC oder Depeche Mode.

„Das schaffe ich nicht mehr“ – kennen Sie diesen Gedanken?

Ja klar, dieser Gedanke kam in den letzten Jahren immer mal wieder. Doch ich bin einfach belastbar und ein positiver Mensch. Geht nicht, gibt’s nicht! Das ist nicht nur ein Spruch, auf mich trifft der wirklich zu. Es gibt für alles eine Lösung und Aufgeben war für mich noch nie eine Option.

Diese positive Lebenseinstellung ist beeindruckend. War das schon immer so?

Es ist ganz klar, dass man mit Anfang 20 noch nicht das Selbstbewusstsein hat wie jetzt mit 50 Jahren. Man muss ja Sachen erleben, durch Krisen gehen, Lebenserfahrung sammeln.

Aber ich glaube, das liegt auch an meiner Mentalität und meinem südländischen Temperament, weil ich türkische und sizilianische Wurzeln habe. Meine Energie kommt einfach von innen!

Mich begleitet heute ein Spruch von Buddha, der auch in meinem Arbeitszimmer hängt: „Letztendlich zählen nur drei Dinge: wie sehr du geliebt hast, wie sanft du gelebt hast und wie würdevoll du die Dinge hast ziehen lassen, die nicht für dich bestimmt waren.“

Das befolge ich sehr strikt: Wenn ich Dinge, die nicht für mich bestimmt waren, loslasse, geht es mir gleich besser.

Wie schaffen Sie sich Ausgleich vom Alltagsstress? Was gibt Ihnen die nötige Kraft?

Um fit und gesund zu bleiben, mache ich viel Sport. Seit zehn Jahren versuche ich, meine 40 Bahnen zu schwimmen, schaffe es aber nicht immer. Und vor etwa eineinhalb Jahren habe ich mit Yoga angefangen.

Was mir unheimlich viel Kraft gibt ist auch meine Arbeit, die mir einfach Spaß bringt. Meine ideale Freizeit sähe natürlich so aus, dass ich erstmal drei Wochen durchschlafe – aber dafür bleibt keine Zeit.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft, wenn Sie mal in Rente gehen?

Ich denke noch gar nicht so viel darüber nach, wie es im Alter werden kann, dafür fehlt mir die Zeit. Ich muss meinen Job machen, meine Angehörigen umsorgen.

Klar, merke ich jetzt schon, dass ich nicht mehr 20 Jahre alt bin. Morgens um vier Uhr nach dem Feiern heimzukommen, stecke ich nicht mehr so gut weg wie früher. Was ich mir allerdings von Herzen wünsche: Dass mein Partner wieder gesund wird, denn mit ihm möchte ich alt werden.

Für pflegende Angehörige: So unterstützt die AOK Baden-Württemberg

Online-Pflegekurse

Ob zu Grundlagen der häuslichen Pflege, zu speziellen Themen wie Alzheimer und Demenz oder zur rechtlichen Vorsorge für den Ernstfall: Die AOK Baden-Württemberg unterstützt pflegende Angehörige in den Online-Pflegekursen mit viel Wissen und praktischen Tipps.

Ein weiterer Baustein des Kurses ist der Pflegekompass, der durch alle möglichen Szenarien führt und aufzeigt, wo sich die Teilnehmer Unterstützung und Informationen holen können.

Zudem kann ein Expertenrat direkt abgerufen werden – dieser liefert innerhalb 48 Stunden Antworten von Pflegefachkräften auf die gestellten Fragen. Der Online-Pflegekurs kann zeitlich flexibel durchgeführt werden.

Jetzt anmelden

Pflegeberatung

Wer sich umfassend beraten lassen möchte, kann sich jederzeit vertrauensvoll an die AOK-Pflegeberatung in Baden-Württemberg wenden. Vor Ort unterstützen qualifizierte Pflegeberater bei allen Fragen rund um den Pflege-, Versorgungs- oder Betreuungsbedarf – besonders zu Beginn der Pflegesituation oder wenn sich die Verhältnisse plötzlich verändern ist es hilfreich zu wissen, an wen man sich wenden kann.

Die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen des Sozialen Dienstes beraten Pflegebedürftige und ihre Angehörigen auch gerne zu Hause. Gemeinsam können spezielle Lösungen gefunden werden, um die Pflegesituation zu erleichtern und zu verbessern.

AOK-Pflegeberatung: Weitere Infos und Ansprechpartner

Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen für pflegende Angehörige

Die Gesundheit von pflegenden Angehörigen zu stärken, liegt der AOK Baden-Württemberg am Herzen. Denn manchmal gerät im Pflegealltag das körperliche oder seelische Wohlbefinden in den Hintergrund.

Deshalb bietet die AOK Baden-Württemberg Pflegenden die Möglichkeit, alle zwei Jahre eine Reha (Rehabilitation) in Anspruch zu nehmen, wenn es aus medizinischer Sicht erforderlich ist.

Wenn pflegende Angehörige an Kursen, Gesundheitsprogramm oder Vorsorgemaßnahmen teilnehmen, ist der Pflegebedürftige gut versorgt – zum Beispiel können sie in Form von nachbarschaftlichen Hilfen betreut werden oder einen Kurzzeitpflegeplatz im Pflegeheim erhalten.

In einer umfassenden Broschüre sind alle Leistungen im Pflegekontext noch einmal ausführlich erklärt (Hilfen für pflegende Angehörige ab Seite 51): Die AOK-Pflegeleistungen im Überblick

Lebenskrisen: Ist dein Glas halb voll oder halb leer?

5 Personen haben abgestimmt
Experten-Antworten erhalten und mitdiskutieren

Melde dich jetzt an für Kommentare, Diskussionen und kompetente Antworten auf deine Fragen.

War nichts dabei?

Einfach nochmal die Suche verwenden.
oder
Frage stellen