#Plastik am 03.09.2019 aktualisiert am 30.09.2019

Ist Mikroplastik schädlich für meinen Körper?

Hände mit Glitzer- und Mikroplastikpartik
Jovana Rikalo / Stocksy United

Mikroplastik ist für die Umwelt eine große Belastung. Auch wir nehmen es täglich in geringer Dosis auf. Wie gefährlich ist das und wie lässt sich Mikroplastik vermeiden?

Was ist Mikroplastik?

Mikroplastik sind Partikel aus Kunststoff, die kleiner als fünf Millimeter und biologisch nicht abbaubar sind. Da sie so klein sind, können wir sie kaum sehen. Enthalten sind sie zum Beispiel in Peeling, Duschgel oder Shampoo und auch in dekorativer Kosmetik. Mikroplastik ist auch in Kleidung als synthetische Faser wie Polyester enthalten und löst sich mit jedem Waschgang. Außerdem entsteht es beim Zerfall von größeren Kunststoffprodukten wie Flaschen oder Tüten sowie beim Abrieb von Autoreifen. „Der Reifenabrieb macht bei der Mikroplastikentstehung sogar den größten Anteil aus“, erklärt Dr. Andreas Köhler, Umweltforscher am Öko-Institut in Freiburg.

Warum ist Mikroplastik schädlich für die Umwelt?

Mikroplastik gelangt durch die Kanalisation erst in Kläranlagen und ein Teil davon in unsere Flüsse und schließlich ins Meer. „Die Abwasserreinigung kann diese Partikel nur bedingt herausfiltern. Da Plastik sich, wenn überhaupt, extrem langsam abbaut, bleibt es in den Gewässern und kann nicht zurückgeholt werden“, erklärt der Umweltforscher. Nachgewiesen wurden die Kleinstpartikel schon in Würmern, Muscheln, Plankton, Vögeln oder größeren Fischen und Meeressäugern. Das heißt, dass über die natürlichen Nahrungsketten Mikroplastik auch auf unseren Tellern landet.

Ist Mikroplastik schädlich für mich?

Bisher ist ungeklärt, ob Mikroplastik für den Menschen schädlich ist. „Es könnte sein, dass wir es wieder ausscheiden, doch die Forschung ist noch am Anfang“, sagt der Experte. Ungesund ist hingegen, wenn dem Plastik weitere Stoffe zugesetzt werden, wie zum Beispiel Bisphenol A (BPA). Erst im Januar 2017 wurde es wegen seiner schädlichen Wirkung auf das Hormonsystem in der EU in die Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe aufgenommen. Noch bis Mitte 2011 wurde es beispielsweise bei der Herstellung von Babyflaschen zugesetzt. In der Beschichtung von Konserven- und Getränkedosen und vielen anderen Kunststoffprodukten ist BPA noch immer enthalten. Hinzu kommt, dass die winzig kleinen Plastikteilchen wie ein Magnet auf Schadstoffe reagieren und Pestizide sowie andere Umweltgifte an sich binden.

Wie kommt es in den Körper?

„Über die Haut können wir die Partikel nicht aufnehmen. Wir atmen sie in Form von Staub ein oder verschlucken sie“, erklärt der Experte. Das heißt, dass Mikroplastik in Kosmetik wohl nicht die größte Gefahr für Menschen darstellt, für die Umwelt aber schlecht ist. Doch dass wir Mikroplastik aufnehmen, wurde mittlerweile bewiesen. Pro Woche etwa fünf Gramm – so viel wie eine Kreditkarte wiegt, so das Ergebnis einer Studie der University of Newcastle in Australien.

Mikroplastik entsteht durch Abrieb von Autoreifen, Kleidung oder Plastikprodukten und wird industriell für Kosmetik und Waschmittel hergestellt.

Es gelangt ins Abwasser und wird von Kläranlagen nur teilweise gefiltert.

Durch Oberflächenwasser und Flüsse landet Mikroplastik im Meer, wo es Meerestiere über die Nahrung aufnehmen.

Mit Mikroplastik belasteter Fisch kommt in den Handel.

Wir essen die Fische und das von ihnen aufgenommene Mikroplastik.

Wie erkenne ich Mikroplastik in Kosmetikprodukten?

Es ist oft nur schwer zu erkennen, ob ein Produkt Mikroplastik enthält oder nicht. Die zurzeit häufigsten Kunststoffe in Kosmetika und ihre Abkürzungen sind:

PE Polyethylen
PP Polypropylen
PET Polyethylenterephthalat
Nylon-12 Nylon-12
Nylon-6 Nylon-6
PUR Polyurethan
AC Acrylates Copolymer
ACS Acrylates Crosspolymer
PA Polyacrylat
PMMA Polymethylmethacrylat
PS Polystyren
PQ Polyquaternium

Quelle: Einkaufsratgeber, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

Wie kann ich Mikroplastik vermeiden?

  • Fahre weniger Auto. Damit verringerst du den Abrieb von Kunststoff.
  • Verzichte auf synthetische Kleidung aus Polyester, Polyamid, Polyacryl, Nylon, Elasthan oder Mikrofaser. Alternativ kannst du Kleidung aus Kunstfasern in einem speziellen Waschbeutel waschen, der den Faserabrieb auffängt.
  • Überprüfe die Zutatenliste deiner Kosmetikprodukte auf Mikroplastik-Bestandteile oder verwende zertifizierte Naturprodukte. Diese werden grundsätzlich ohne Mikroplastik hergestellt.
  • Verzichte auf Kleidung, Dekoware oder Kosmetik mit Glitzeranteil. In den meisten Glitzerprodukten ist Mikroplastik enthalten.

Fakt ist: Wer Mikroplastik vermeiden will, muss grundsätzlich den Verbrauch von Reifen und Plastikprodukten reduzieren. „Wir müssen einfach weniger konsumieren und die Dinge, die wir haben, reparieren und nutzen solange es geht. Müll reduzieren, darum geht es und das ist nur möglich, wenn wir weniger verbrauchen“, so der Umweltforscher.

Mikroplastik erkennen: nützliche Tools für den Produkt-Check

CodeCheck
Einkaufsratgeber BUND

Mit der kostenfreien App „CodeCheck“ findest du schon beim Einkauf heraus, ob Produkte Mikroplastik enthalten. Scanne dafür einfach den Barcode von Lebensmitteln oder Kosmetikartikeln. Die App zeigt dir an, welche Inhalts stoffe drinstecken. Auch interessant, wenn du Palmöl, Parabene oder zu viel Zucker vermeiden willst.

Download:
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Von Zahncreme über Gesichtspflege bis Nagellack: Der Einkaufsratgeber vom Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) listet alle aktuellen Kosmetikprodukte auf, die Mikroplastik oder andere Kunststoffe enthalten. Du findest in diesem Ratgeber die genaue Bezeichnung der Produkte sowie die jeweilige Kunststoffart. Optimal für eine Bestandsaufnahme des eigenen Kosmetikschranks.

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veröffentlicht am 03.09.2019 aktualisiert am 30.09.2019
AOK-Expertin für Umwelt und Nachhaltigkeit

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