#Sozialer Dienst am 14.04.2021

Beratung bei einer Krebserkrankung und mehr: So hilft der Soziale Dienst der AOK Baden-Württemberg

Zwei Personen halten ihre Hände bei einer Krebsberatung.
iStock / PeopleImages

Die Diagnose Krebs, eine psychische Erkrankung oder die Pflege eines Angehörigen können das Leben auf den Kopf stellen. Wenn Betroffene das Gefühl haben, jetzt stürzt alles ein, leistet Alina Steinhauser vom Sozialen Dienst der AOK-Bezirksdirektion Rhein-Neckar-Odenwald Hilfe. GESUNDNAH hat mit der AOK-Mitarbeiterin über die schwierigen, aber auch die schönen Seiten ihrer Arbeit gesprochen.

Viele Versicherte wenden sich jährlich an den Sozialen Dienst der AOK-Bezirksdirektion Rhein-Neckar-Odenwald – und damit auch an Alina Steinhauser. Die 24-Jährige berät, begleitet und bestärkt Menschen in schweren Lebenssituationen.

Ihr Schwerpunkt: Krebspatienten, Menschen mit psychischen und Suchterkrankungen sowie Pflegebedürftige und deren Angehörige. Welche Herausforderungen diese Arbeit mit sich bringt – und wie sie trotzdem nach Feierabend abschaltet, erzählt sie im Interview.

Privat

Frau Steinhauser, wie können wir uns einen typischen Einsatz beim Sozialen Dienst vorstellen?

Normalerweise kommen die Kunden zu uns ins KundenCenter, bei Bedarf fahren wir auch zu ihnen nach Hause oder begleiten sie zu Terminen. Momentan laufen die Beratungen aber wegen Covid-19 vor allem telefonisch ab.

Es ruft mich beispielsweise eine junge Frau Anfang 30 an, die an Krebs erkrankt ist. Die Diagnose ist für sie natürlich ein Schock. Für die Frau war es erst einmal wichtig, ihre Versorgungs- und Unterstützungsmöglichkeiten auszuloten.

Wie können Sie die Betroffenen dann unterstützen?

Das richtet sich immer nach den Bedürfnissen der Menschen. Manche möchten im Gegensatz zu der eben beschriebenen Krebspatientin vielleicht sofort über die emotionale Belastung der Situation sprechen. Sie wollen erzählen, was sie bewegt. Wer plötzlich an Krebs erkrankt, hat häufig das Gefühl, die Kontrolle über sein Leben zu verlieren. Alles ändert sich.

Der Alltag ist vielleicht nicht mehr zu bewältigen oder man verliert den Job. Das gilt auch für Menschen, die an einer psychischen Krankheit leiden oder suchtkrank sind. Dann geht es vor allem ums Zuhören, Anteilnehmen und darum, gemeinsam nach Ressourcen zu suchen. Aber natürlich helfe ich auch bei organisatorischen und bürokratischen Dingen.

Was könnte das sein?

Gemeinsam mit den Kunden erarbeite ich, wie sie die Krankheitsfolgen und ihren Alltag gut bewältigen können. Hierbei kann zur Sprache kommen, welche Unterstützungsangebote oder Selbsthilfegruppen es neben der medizinischen Therapie gibt, wie sie die richtigen Anträge für Leistungen stellen oder wo sie einen Therapeuten finden.

Wir füllen gemeinsam Formulare aus oder gehen auch in Widerspruch, wenn Leistungen nicht bewilligt werden. Die junge Krebspatientin beispielsweise hat durch die Chemotherapie ihre Haare verloren und wollte eine Perücke tragen. Wir haben besprochen, welche Möglichkeiten es für eine Perücke gibt und welche Kosten die AOK übernimmt. Beim Sozialen Dienst stehen die Bedarfe der Betroffenen immer im Vordergrund, unser Angebot richtet sich nach ihnen.

Das klingt nach einer sehr vielfältigen Arbeit. Welche Ausbildung brauchten Sie dafür?

Ich habe „Soziale Arbeit“ mit Schwerpunkt Gesundheitswesen studiert. Das ist ein dualer Studiengang, sodass ich parallel schon beim Sozialen Dienst der AOK-Bezirksdirektion Rhein-Neckar-Odenwald meine Praxisphasen absolviert habe.

Einige Kolleginnen und Kollegen haben zudem eine Zusatzausbildung zum qualifizierten Pflegeberater, um auch Pflegebedürftige und ihre Angehörige unterstützen zu können. Diese Ausbildung absolviere ich auch gerade. Weiterhin ist es beim Sozialen Dienst Standard, dass die Beratung von Frauen mit Brustkrebs von Sozialpädagoginnen mit einer psychoonkologischen Zusatzausbildung durchgeführt wird.

Krebserkrankungen, psychische Belastungen – das sind alles mitunter sehr schwere Schicksale …

Das stimmt. Wir möchten die Betroffenen beraten und gleichzeitig empathisch sein, ohne dass uns die Arbeit auffrisst. Die unterschiedlichen Geschichten der Menschen können einem sehr nahe gehen. Besonders wenn ich mich in ihnen selbst wiederfinden kann, wie beispielsweise bei der jungen Krebspatientin. Sie ist ja nur wenige Jahre älter als ich.

Wie schaffen Sie es, sich davon abzugrenzen?

Ablenkung. Gespräche mit Kollegen. Und eine aktive Freizeitgestaltung. Das sind die drei wichtigsten Bausteine für mich. Wir sprechen unter den Kollegen viel über die Themen, die uns emotional bewegen. Wenn das nicht reicht, können wir auch zur Supervision gehen. Aber: Alle Ratsuchenden wissen, dass ihre Informationen unter uns bleiben. Datenschutz ist einer der Grundsätze des Sozialen Dienstes.

Darüber hinaus versuche ich in meiner Freizeit viele Sachen zu machen, an denen ich Spaß habe. Am Ende ist es auch eine professionelle Haltung, sich abzugrenzen.

Hilfe in Notlagen: Der Soziale Dienst der AOK Baden-Württemberg

Wer krank oder pflegebedürftig ist oder seine Angehörigen pflegt, kann sich an den Sozialen Dienst wenden. Hier erhalten Betroffene Unterstützung und Beratung bei sozialen, beruflichen und familiären Belastungen. Die AOK-Mitarbeiter haben ein offenes Ohr, suchen gemeinsam mit den Ratsuchenden nach Lösungen und vermitteln innerhalb des regionalen Netzwerks weitere Hilfen.

Wie du einen Termin beim Sozialen Dienst der AOK Baden-Württemberg vereinbaren kannst, erfährst du hier.

Wie viele Menschen nehmen den Sozialen Dienst in Anspruch?

Das variiert je nach KundenCenter und wie lange die Betroffenen unser Angebot in Anspruch nehmen. Generell haben wir eine sehr hohe Anlaufquote. Meist begleiten wir die Ratsuchenden mehrere Monate durch ihre Krankheit. Wir unterstützen sie so lange, wie sie es brauchen und bis die Versorgung gesichert ist. Das gilt auch für die einzelnen Gespräche – dafür gibt es kein Zeitlimit. Hier gilt: Unser Einsatz richtet sich nach den Anliegen der Versicherten.

Wie hat sich Ihr Blick auf Ihr eigenes Leben durch die Arbeit verändert?

Ich war schon immer sehr hilfsbereit und freue mich jedes Mal, wenn sich die Menschen mir gegenüber öffnen und ich sie unterstützen kann. Das klappt übrigens auch am Telefon sehr gut. Natürlich habe ich häufig mit schweren Erkrankungen zu tun, aber die Arbeit lässt einen dankbar für die kleinen Dinge im Leben werden.

Was möchten Sie Menschen, die erkrankt sind, oder deren Angehörigen mit auf den Weg geben?

Der Soziale Dienst ist ein Lotse durch das Gesundheits- und Sozialsystem und dank unseres großen Netzwerks können wir schnell die notwendigen Maßnahmen vermitteln. Die Leistung ist für die Versicherten der AOK kostenlos und freiwillig.

Wir haben für jeden ein offenes Ohr – es zeugt nicht von Schwäche, sich Hilfe zu holen. Im Gegenteil: Ich sehe das als eine Stärke, etwas verändern zu wollen.

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