#Gesundheit am 10.06.2021

Intuitiv Essen: Weshalb achtsames Essen gut für uns ist

Eine Frau isst einen gesunden Salat im Rahmen ihrer intuitiven Ernährung.
Stocksy / Maja Topcagic

Im Alltag achten wir oft nicht darauf, uns für unsere Mahlzeiten ausreichend Ruhe und Zeit zu nehmen. Stattdessen essen wir oft unter Zeitdruck und sind mit den Gedanken beim nächsten Termin. Das kann mitunter negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Aus diesem Grund setzen immer mehr Menschen auf „Intuitives Essen“. AOK-Ernährungsexpertin Lena Brodbeck erklärt im Rahmen der Küchenwerkstatt, was sich hinter dem Begriff verbirgt.

Sowohl unser Körper als auch unser Wohlbefinden leiden darunter, wenn wir unseren Mahlzeiten nicht die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdienen. Im täglichen Leben kommt diese Aufmerksamkeit häufig zu kurz. Daher ist es wichtig, bewusst achtsam zu essen und auf die Signale unseres Körpers zu hören. Lena Brodbeck ist Ernährungsexpertin der AOK Baden-Württemberg im Geschäftsbereich „Vorsorge und Prävention“. Im Interview erklärt sie, was es bedeutet, intuitiv zu essen und warum es unserer Gesundheit guttut.

Frau Brodbeck, welche Auswirkungen hat unachtsames Essen auf unsere Gesundheit?

Wenn wir Mahlzeiten zum Beispiel vor dem Fernseher essen, sind wir stark abgelenkt und können uns nicht bewusst auf unser Essen konzentrieren. Das hat zur Folge, dass wir nicht ausreichend kauen und auch die Signale des Magens nicht oder zu spät wahrnehmen. Somit essen wir meist zu große Portionen. Wenn nicht ausreichend gekaut wird, weil wir uns beispielsweise beeilen müssen, können außerdem Magenschmerzen, Blähungen, im schlimmsten Fall Durchfälle folgen – vor allem dann, wenn man ohnehin einen empfindlichen Magen oder Darm hat.

Ruhe und Zeit hingegen sorgen für eine bessere Verdauung und gleichzeitig für einen viel größeren Genuss der Lebensmittel.

„Ohne Ablenkung ist es möglich, die Mahlzeit mit allen Sinnen zu genießen und auf unseren Körper zu hören.“
Lena Brodbeck, AOK-Ernährungsexpertin

Worauf sollten wir bei unseren Essgewohnheiten unbedingt achten?

In erster Linie ist es wichtig, nicht einfach „nebenher“ zu essen. Deshalb ist es am besten, sich ohne Ablenkungen (wie Laptop, Fernseher oder Handy) an den Esstisch zu setzen, die Mahlzeiten schön anzurichten, vielleicht sogar eine Kerze anzuzünden – dadurch steigt nicht nur der Appetit, auch der Essplatz wird verlockender.

Beim Essen selbst ist es von Vorteil darauf zu achten, gut zu kauen und das Essen mit allen Sinnen wahrzunehmen. Beobachte bewusst: „Wie sieht das Essen aus? Wie riecht es? Wie fühlt sich das Essen im Mund an? Wie hört es sich an, wenn ich das Essen kaue? Was kann ich alles rausschmecken?“ Wer sich auf seine Sinne konzentriert, schenkt dem Essen automatisch sehr viel Aufmerksamkeit, kaut ausreichend und nimmt auch die Sättigung viel besser und schneller wahr. Daraus folgt: Keine zu großen Portionen, dafür Wohlbefinden.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „intuitiv essen“?

„Intuitiv essen“ bezeichnet eine Ernährungsweise, die zunächst einmal das Gegenteil zu einer klassischen Diät darstellt. Es gibt weder Verbote noch einen konkreten Ernährungsplan. Keine Schuldgefühle, stattdessen Zufriedenheit. Intuitiv essen bedeutet nichts anderes als: „Folge deinem Bauchgefühl, höre auf deinen Körper und vertraue auf ihn. Hab kein schlechtes Gewissen, wenn du mal zu Schokolade, Chips oder Bier greifst.“

Beim intuitiven Essen orientierst du dich an deinen körperlichen Bedürfnissen. Das bedeutet, du konzentrierst dich auf die bewusste Wahrnehmung von Hunger, Sättigung und Gewohnheiten. Der Genuss von Fast Food oder Süßigkeiten bedeutet für viele Menschen ein Stück Lebensqualität, weshalb man nicht darauf verzichten muss. Es sollte jedoch auch beim intuitiven Essen stets auf eine ausgewogene Lebensmittelauswahl geachtet werden.

Wie kann ich lernen, intuitiv zu essen?

Jeder kann lernen, wieder auf seinen Körper zu hören und seine Bedürfnisse und Signale richtig wahrzunehmen und zu deuten. Wichtig ist dabei Geduld. Der Körper war es vielleicht Jahre lang gewohnt, dass nicht intensiv auf ihn geachtet wurde. Deswegen braucht er seine Zeit, um sich umzugewöhnen. Wer seinem Essen und seinen Gewohnheiten aber täglich Aufmerksamkeit schenkt, auf sein Hunger- und Sättigungssignal hört und mit allen Sinnen die Mahlzeiten zubereitet und genießt, der wird lernen, die Bedürfnisse des Körpers zu deuten und intuitiv essen zu können.

Für alle, die mit Unterstützung lernen möchten, intuitiv zu essen, bietet die AOK den Ernährungskurs „AOK – Achtsam und genussvoll essen“ an.

Worauf muss ich bei einer dieser Art von Ernährung besonders achten?

Zu Beginn der Umstellung ist es wichtig, seine Bedürfnisse zu hinterfragen. Beispielsweise sind es manche Menschen gewohnt, täglich zu vielen Süßigkeiten oder auch Alkohol zu greifen. In solchen Fällen ist es natürlich nicht ratsam, diesem Verlangen einfach zu folgen. Stattdessen sollte man versuchen, sich eine ausgewogene Ernährung anzueignen und erst dann auf das intuitive Essen umsteigen. So sind die wahren Bedürfnisse besser erkennbar und können auch richtig befriedigt werden.

Gibt es dabei bestimmte Regeln oder Verbote?

Eine ausgewogene Ernährung nach den zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sollte immer die Ernährungsgrundlage bilden. Zumindest ist es wertvoll zu wissen, was eine ausgewogene Ernährung an sich ausmacht. Dazu gehören mindestens drei Portionen Gemüse am Tag, zwei Portionen Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse oder auch das Einsparen von Salz und Zucker. Es gibt jedoch beim intuitiven Essen weder Lebensmittel, die unbedingt ausgewählt werden müssen, noch gibt es solche, die man zwanghaft vermeiden soll.

Hat die intuitive Ernährung auch Nachteile?

Wer die intuitive Ernährung beherrscht, wird nicht wirklich Nachteile erfahren. Nur wer seine Bedürfnisse fehlinterpretiert oder sich nicht an die ausgewogene Ernährung hält, läuft Gefahr, das intuitive Essen falsch handzuhaben. Die fehlende Wahrnehmung fängt schon bei der richtigen Größe der Mahlzeitenportion an. Auch haben viele Menschen beispielsweise ein starkes Verlangen nach Fleisch oder Wurst. Da zu viel Fleisch jedoch gesundheitliche Nachteile mit sich bringt, sollten Frauen maximal 300 Gramm, Männer maximal 600 Gramm Fleisch pro Woche zu sich nehmen – daran ändert auch kein noch so starkes Bedürfnis danach.

Hat intuitives Essen auch etwas mit Selbstliebe zu tun?

Ja, sehr viel. Es ist wichtig, seinen Körper wertzuschätzen – und es fällt leichter, dem Körper die gewünschte Aufmerksamkeit zu schenken, wenn man ihn akzeptiert und im besten Fall sogar liebt. Wenn man seine Ernährungsgewohnheiten ändern möchte, ist es zunächst wichtig zu lernen, den „Jetzt-Zustand“ des Körpers zu akzeptieren und sich selbst zu lieben - dann kann es losgehen! Wichtig ist die Haltung: Habe Lust, deinen Körper besser kennenzulernen, und lasse Diätvorschriften hinter dir. Das ist die Basis für intuitives Essen.

Wem würden Sie diese Ernährungsform empfehlen, wem nicht?

Intuitives Essen kann man zunächst jedem empfehlen. Natürlich ist jeder Mensch individuell, es gibt Lebensmittelunverträglichkeiten und –allergien oder Erkrankungen, die eine besondere Ernährungsweise erfordern. Grundsätzlich kann man jedoch sagen:

„Intuitives Essen ist der moderne Ansatz, eine gesunde und ausgewogene Ernährung ohne Verbote und Kalorienzählen zu ermöglichen.“
Lena Brodbeck, AOK-Ernährungsexpertin

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