#Schmerz am 15.09.2021

Schmerzen bei Kindern: Richtig deuten und frühzeitig handeln

Auch Kinder können von chronischen Schmerzen betroffen sein. So gehen Eltern damit um.
Stocksy / Ali Deck

Unbehandelte Schmerzen bei Kindern verursachen nicht nur Leid. Wie wissenschaftlich nachgewiesen, können sie bei chronischem Verlauf die kindliche Entwicklung negativ beeinflussen. Dass Eltern Anzeichen richtig deuten und rechtzeitig handeln, ist daher maßgeblich. Was bei Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen im Kindesalter zu tun ist, liest du hier.

In der vom Robert Koch-Institut durchgeführten europaweit größten Studie zum Thema Kindergesundheit (KiGGS) wird deutlich: Kopf-, Bauch- oder Rückenschmerzen sind schon im Kindesalter ein maßgebliches Problem.

So ist beispielsweise die Zahl der Kinder mit wiederkehrenden Schmerzen in den letzten Jahren in den Altersgruppen der 7- bis 10-Jährigen sowie der 11- bis 13-Jährigen deutlich angestiegen. Auch bereits Kleinkinder können an regelmäßig wiederkehrenden Schmerzen leiden. Bei GESUNDNAH liest du, wie du deinem Kind bei Schmerzen helfen kannst und wann ein Arztbesuch ratsam ist.

Kopfschmerzen bei Kindern: vorbeugen und behandeln

Kopfschmerzen können Begleiterscheinungen bei anderen Krankheiten sein, wie zum Beispiel einer Erkältung oder einer Grippe. Sie können aber auch mit einem eigenen Krankheitsbild verbunden sein, zum Beispiel bei Migräne. Die Auslöser für Kopfschmerzen sind vielfältig und daher sollte zunächst genau auf die Ursachen geschaut werden.

Stress in der Schule, Angst, zu wenig Bewegung oder zu wenig Schlaf können bereits im Kindesalter zu Spannungskopfschmerzen, der häufigsten Art, führen. Nicht richtig untersucht und behandelt, können Kopfschmerzen die Lebensqualität des Kindes stark einschränken und unter Umständen chronisch werden. Eltern sollten daher bei wiederkehrenden Kopfschmerzen aufmerksam sein und eine ärztliche Untersuchung veranlassen.

Klagt ein Kind regelmäßig über Kopfweh, können folgende Maßnahmen helfen, die Attacken abzuschwächen bzw. zu verhindern oder zumindest die Anzahl zu reduzieren:

  • regelmäßig raus an die frische Luft,
  • mehr Sport und mehr Bewegung im Alltag, am besten im Freien,
  • weniger Zeit vor dem Bildschirm verbringen (Smartphone, PC, TV),
  • ausreichend viele Ruhepausen und feste Schlaf- sowie Mahlzeiten,
  • spezielle Entspannungsübungen.

Ist der Kopfschmerz bereits da, so kann den kleinen und großen Kindern helfen: Genug Trinken, Ruhe, ein kühlender Lappen auf der Stirn, leichte Massagen an Schläfe und Nacken mit Pfefferminzöl (wenn dein Kind das als angenehm empfindet) und Bewegung an der frischen Luft. Sei für dein Kind da, wie auch bei anderen Krankheiten. Sollten sich die Schmerzen nicht von allein bessern, konsultiere einen Arzt.

Wichtig: Auch fürKinder und Jugendliche gibt es Schmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen. Verabreiche deinem Kind diese aber nicht unkritisch. Sollten die Kopfschmerzen sich nicht bessern, so solltet ihr einen Kinderarzt aufsuchen und die Ursache abklären lassen.

Viele weitere Informationen und Tipps für Eltern rund um das Thema Kopfschmerzen und Migräne bei Kindern, findest du auf der Seite der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Bauchschmerzen bei Kindern

„Aua, mein Bauch tut weh!“ Bauchschmerzen gehören zu den häufigsten Krankheitsbildern bei Babys und Kleinkindern. Die Ursachen sind dabei breit gefächert und nicht immer auf Anhieb erkennbar. Zum Glück sind die allermeisten Beschwerden dabei harmlos und nicht von langer Dauer, in manchen Fällen können diese aber auch gefährlich und anhaltend sein.

Mögliche Ursachen für Bauchschmerzen bei Babys bzw. Kindern können sein:

  • In den ersten Lebensmonaten: Säuglingskoliken,
  • Verstopfung,
  • Blähungen,
  • Magen-Darm-Infektionen,
  • Darmverschluss oder Darmentzündung,
  • Blinddarmentzündung,
  • Blasentzündung,
  • Gallen- und Nierensteine
  • eine Entzündung an einer anderen Stelle im Körper.

Da Babys und Kleinkinder sich noch nicht richtig ausdrücken können, sind Schmerzen für Eltern oftmals schwer zu deuten. Bauchschmerzen beim Säugling können sich unter anderem durch folgende Anzeichen bemerkbar machen:

  • Schreien oder Wimmern,
  • Krümmen,
  • Anziehen der Beinchen,
  • Verweigerung von Nahrung,
  • Durchfall,
  • Erbrechen,
  • Empfindlichkeit schon bei leichten Berührungen im Bauchbereich.

Etwas größere Kinder können den Schmerz hingegen besser lokalisieren und den Eltern mitteilen, wenn der Bauch wehtut. Zu fettiges oder süßes Essen, zu wenig Bewegung oder aber schwerverdauliche Lebensmittel wie Kohl können bei Kindern zum Beispiel zu Blähungen, Verstopfungen und Bauchweh führen. Ihnen können dann möglicherweise zunächst Hausmittel wie ein magenberuhigender Tee oder eine Wärmflasche helfen. Auch leichte Massagen am Bauch können die Beschwerden lindern. Schenke deinem Kind besondere Aufmerksamkeit und viel Nähe.

Zögert nicht und begebt euch sofort in ärztliche Behandlung oder eine Kinder-Notfallambulanz, wenn z.B.:

  • die Bauchschmerzen andauern und auch nicht nach dem Stuhlgang besser werden,
  • dein Kind Fieber hat,
  • es blass und still wirkt,
  • Galle erbricht (grünlich),
  • sich gar Blut im Stuhl findet.

Der neue Podcast „Leib und Seele“

Sich mit der Entstehung, Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerzen auseinanderzusetzen, hilft, besser mit ihnen zurechtzukommen. In „Leib und Seele“, dem neuen Podcast der AOK Baden-Württemberg, geht die Moderatorin Lilly Wagner zusammen mit verschiedenen Schmerzexperten dem Thema auf die Spur.

Was ist ein Podcast?

Podcasts sind abonnierbare Dateien im Internet. Der Begriff setzt sich zusammen aus der Abkürzung Pod, die für playable on demand steht, also abspielbar auf Abruf, und dem von Broadcast (Übertragung) abgeleiteten Wort cast. Die gängigsten Formate sind der Audio- und der Videopodcast.

Hier gibt es in der Regel ein oder mehrere Moderatoren, die sich gemeinsam oder mit Gästen über bestimmte Themen unterhalten. Dabei kann es sich um Sport oder Gesundheit drehen, aber auch um News aus der Wirtschaft oder aus dem privaten Leben – das einzige Kriterium ist: Es muss Leute geben, die das interessiert und die zuhören bzw. zugucken.

Rückenschmerzen bei Kindern

Im Allgemeinen liegen die Ursachen für Rückenschmerzen im Kindes- und Jugendalter in einer Mischung aus:

  • funktioneller Störung des Bewegungsapparats,
  • einem Mangel an Bewegung und einseitiger Belastung, zum Beispiel beim Sitzen in der Schule oder beim Nutzen von PC und Smartphone sowie
  • Ängsten, Stress, Leistungsdruck und psychischen Probleme

Deinem Kind kann Bewegung helfen, eine Wärmflasche oder ein warmes Bad. Auch leichte Massagen im schmerzenden Bereich können zu einer Besserung führen. Wenn die Rückenschmerzen nicht verschwinden, schlimmer werden oder das Kind am üblichen Bewegungsverhalten, Schlafen oder an der aktiven Teilnahme in der Schule hindern, ist ein Besuch beim Kinder- und Jugendarzt unumgänglich. Hier wird zunächst geschaut, ob es sich um spezifische oder unspezifische Rückenschmerzen handelt. Liegen bestimmte zu behandelnde Ursachen vor, wie beispielsweise ein Haltungsschaden, oder gibt es keine spezifischen Auslöser für die Schmerzen?

Liegen spezifische Gründe vor, kann beispielsweise eine Physiotherapie dem Kind helfen. Hier werden nicht nur die Symptome gelindert, sondern das Kind lernt auch mehr darüber, was ihm bei den Beschwerden guttut und was nicht. Bei unspezifischen Rückenschmerzen hilft: mehr bewegen und weniger einseitig belasten!

Chronische Schmerzen bei Kindern

Eine chronische Schmerzstörung besteht, wenn Kinder und Jugendliche zwei- bis dreimal pro Woche wiederkehrende Schmerzen über einen Zeitraum von drei Monaten oder länger haben. Etwa fünf Prozent aller Kinder leiden an chronischen Schmerzen, sodass sie in ihrem Alltag stark eingeschränkt sind. Durch diese permanente Belastung können Ängste, Schulprobleme und Depressionen entstehen.

Schmerzfreiheit bzw. das Erlernen des Umgangs mit Schmerzen sind deshalb auch wichtige Voraussetzungen für eine möglichst gesunde körperliche und psychosoziale Entwicklung des Kindes. Auch bei chronischen Schmerzen ist eine gezielte Diagnostik und Therapie wichtig. Eine Klinik, die sich auf die Behandlung von chronischen Schmerzen bei Kindern spezialisiert hat, ist das Kinderschmerzzentrum Baden-Württemberg in Stuttgart.

Das Kinderschmerzzentrum Baden-Württemberg in Stuttgart

Das Kinderschmerzzentrum Baden-Württemberg bietet Behandlungen für alle chronischen Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen an – ambulant und stationär. Für die Diagnostik stehen hier modernste Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung. Spezialisten verschiedenster Fachrichtungen arbeiten dabei eng zusammen.

Die Spezialklinik in Stuttgart bietet ein drei- bis vierwöchiges multimodales Schmerztherapieprogramm an. Dieses wurde am Deutschen Kinderschmerzzentrum Datteln entwickelt. Es besteht aus sechs Modulen, die aufeinander aufbauen und auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten abgestimmt werden. Sie umfassen:

  • wöchentlich drei Einzelpsychotherapien, eine Gruppenpsychotherapie und eine Familientherapie mit Arzt und Psychologe,
  • ärztliche Einzelgespräche,
  • Physio- und Sporttherapietherapie,
  • Biofeedback,
  • Musiktherapie,
  • Ablenkungs- und Entspannungstechniken,
  • soziales Kompetenztraining und Schulunterricht.

Weitere Informationen über Behandlungsschwerpunkte, diagnostische und therapeutische Verfahren zur Schmerzbewältigung findest du auf der Website des Kinderschmerzzentrums Baden-Württemberg.

 

Tipps für den Umgang mit chronischen Schmerzen bei Kindern

1. Den Schmerz des Kindes ernst nehmen und keine Diskussionen führen. Wichtiger ist es, zu überlegen, was das betroffene Kind dagegen tun kann.

2. Ermutige dein Kind, selbständig und aktiv etwas gegen die Schmerzen zu unternehmen. Kleinere Kinder benötigen dabei Unterstützung durch eine Bezugsperson.

3. Auch mit Schmerzen sollte das Kind einen möglichst normalen Alltag haben. Also regelmäßig zur Schule gehen, Alltagsaufgaben im Haushalt übernehmen und Freizeitaktivitäten wahrnehmen.

4. Die Schmerzen sollten kein Anlass sein, sich liebevoller um das Kind zu kümmern oder ihm mehr Zuwendung zu schenken.

5. Längere schmerzfreie Zeiten solltet ihr gemeinsam bewusst wahrzunehmen, freue dich gemeinsam mit dem Kind darüber.

6. Pflichten wie Hausaufgaben oder Mithilfe im Haushalt sollten dem Kind/Jugendlichen nicht wegen der Schmerzen abgenommen werden.

7. Ständiges Nachfragen, ob dein Kind gerade unter Schmerzen leidet, lenkt den Fokus auf die Schmerzen. Aber diese verstärken sich, wenn man sich darauf konzentriert. Deshalb lieber nicht laufend danach fragen.

8. Sei im Umgang mit deinen eigenen Schmerzen ein Vorbild und bekämpfe diese aktiv. Die besten Herangehensweisen: Zuversicht, Ablenkung, Spazieren gehen, andere körperliche Aktivitäten sowie Entspannungsmethoden.

9. Vorsicht bei Medikamenten. Das gilt für den Umgang mit eigenen Schmerzen, aber insbesondere auch für Kinder und Jugendliche. Besprich dich darüber grundsätzlich mit dem behandelnden Arzt. Dazu gehört auch abzuklären, ob Medikamente notwendig sind und falls ja, welche und in welcher Dosierung..

10. Informiere das Umfeld deines Kindes, also weitere Bezugspersonen, gegebenenfalls Kindergarten, Schule, Verein etc. darüber, wie bestmöglich mit den Schmerzen umzugehen ist.

11. Wird das Kind selbständig aktiv gegen den Schmerz, hat es für diesen Umgang ein Lob als Belohnung verdient.

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