#Achtsamkeit am 12.06.2020 aktualisiert am 19.06.2020

Was ist Resilienz? So kommst du mit innerer Stärke durch Lebenskrisen

Reife Frau meditiert und übt sich in Resilienz.
CasarsaGuru

Krisen mit Leichtigkeit meistern – das wünscht sich jeder. Doch wieso schaffen das einige Menschen und andere nicht? Wir erklären dir, was es mit der psychischen Widerstandsfähigkeit, der Resilienz, auf sich hat.

Es gibt Menschen, denen begegnen wir mit besonderem Erstaunen: Sie haben Schlimmes durchgemacht und führen trotzdem ein glückliches und selbstständiges Leben. Sie lassen sich von einem Scheitern nicht unterkriegen und verlieren sich nicht in einer Opferrolle. Diese Menschen stehen wieder auf und gehen gestärkt aus Krisen hervor. Sie fühlen sich auch nicht durch die Corona-Krise und die damit verbundenen Einschränkungen verunsichert. Doch was zeichnet diese Menschen aus, die nichts aus der Bahn zu werfen scheint? Sie sind offenbar resilienter als andere. Was das bedeutet, erklären wir dir hier.

Was ist Resilienz?

Die Psychologie bezeichnet die Fähigkeit, die wir auch „Stehaufmännchen“ nennen, als Resilienz. Resilienz (von lat. resilire - „zurückspringen, abprallen“) ist also eine besondere Kraft der Psyche, Belastungen auszuhalten – eine ausgeprägt lebensmutige Haltung. Ein resilienter Mensch lässt sich von Schicksalsschlägen nicht aus der Bahn werfen, sondern kommt rasch wieder auf die Beine und bewältigt sein Leben wie zuvor.

Zugegeben, die Vorstellung der absoluten psychologischen Unverwundbarkeit ist sehr verführerisch. Wer möchte nicht eine Art „seelische Rüstung" haben? Doch ein solches „Teflon-Ich", an dem alle Probleme und Krisen des Lebens abperlen, gibt es nur in der Fantasie. Im wirklichen Leben dagegen sind wir alle verletzlich. Wir durchleben bei Unfällen, Arbeitslosigkeit oder dem Verlust geliebter Menschen unweigerlich Angst, Trauer oder Selbstzweifel. Resiliente Menschen können diese Gefühle lediglich besser bewältigen; auseinandersetzen müssen sie sich damit wie alle anderen auch.

Hinter der Resilienz steckt also keine geheimnisvolle Kraft, sondern ein komplexer psychischer Mechanismus, in den viele einzelne Faktoren hineinspielen, von denen manche bekannt sind, andere noch nicht. In der psychologischen Forschung wird Resilienz daher bislang nur so erklärt: Resilienz ist die Fähigkeit, seine psychische Gesundheit während Widrigkeiten aufrechtzuerhalten oder danach schnell wiederherzustellen. Auch Prof. Dr. Raffael Kalisch, einer der führenden Wissenschaftler der Resilienzforschung, untermauert diese einfache Definition: "Wir haben bislang nichts Stabiles identifiziert, kein Persönlichkeitsprofil, das Prognosen erlaubt".

Niemand wird resilient geboren: Der Mythos vom Stehaufmännchen

Für Prof. Kalisch ist Resilienz ein „dynamischer Prozess“. Der Hochschulprofessor Michael Marie Jung hat das einmal ganz treffend beschrieben: „Auf den Böden der Krisen wachsen oft regelrechte Riesen.“ Anders gesagt: Niemand wird resilient geboren. Und es ist auch nicht so, dass ein einmal resilienter Mensch vor jeder anderen Krise geschützt wäre. Vielmehr ist es umgekehrt: Erst in der Krise wächst die Resilienz. Zu unterscheiden ist, ob jemand als resilient erscheint, weil kein Problem ihn zu berühren oder gar umzuwerfen scheint – oder ob er es tatsächlich ist. Manches, was auf andere wie resilientes Verhalten wirkt, ist nichts anderes als das Ergebnis von Verdrängung, Vermeidung, Ignoranz oder Selbstberuhigungsstrategien. Mit der psychischen Widerstandskraft verhält es sich also ähnlich wie mit dem menschlichen Immunsystem: Um die nötigen Abwehrkräfte (Antikörper) zu entwickeln, muss man den entsprechenden Attacken (Krankheitserregern) erst einmal ausgesetzt sein.

Resilienzfaktoren: Das beeinflusst deine innere Stärke

Es gibt Bedingungen, die eine resiliente Haltung begünstigen können. Die Wissenschaft spricht hier von „Resilienzfaktoren“. Eine resiliente Haltung ist demnach davon abhängig, wie stark deine Schutzfaktoren sind, um die Anfälligkeit oder Verletzlichkeit in Krisen reduzieren zu können.

Die drei wesentlichen Faktoren, die deine Resilienz beeinflussen, sind personale Faktoren, Umweltfaktoren und sogenannte Prozessfaktoren. Klingt kompliziert? Wir erklären dir beispielhaft, was es mit den Resilienzfaktoren auf sich hat.

Personale Faktoren

Positiv denken

Wie siehst du die Welt um dich herum? Bist du optimistisch? Denkst du immer positiv? Das alles hat Einfluss darauf, wie resilient du in Krisen bist. Wie du lernen kannst, positiver zu denken, erfährst du hier. 

Mit Gefühlen umgehen können

Je besser du deine Emotionen und Handlungen kontrollieren kannst, desto eher hast du die Stärke, Krisen zu meistern und dich nicht unterkriegen zu lassen. Das bedeutet nicht, Gefühle wie Angst oder Wut zu unterdrücken, sondern sie so auszuleben, sodass sie sich nicht immens steigern.

An dich glauben

Wenn du an deine Fähigkeiten und dich selbst glaubst, hast du wahrscheinlich eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung, wie Forscher diese Fähigkeit nennen. Das bedeutet, du gehst in ungewisse Situationen gelassener rein und kannst Beziehungen aktiv gestalten.

Umweltfaktoren

Familie

Wenn du eine Familie oder tolle Freunde hast, die dir in jeder Lebenslage zur Seite stehen, kannst du besser durch Krisen gehen. Wie heißt es doch so schön: Geteiltes Leid, ist halbes Leid – und das stimmt auch.

Eigene Kultur

Mit welchen Wertesystemen und Bräuchen bist du aufgewachsen? Auch das hat Einfluss darauf, wie innerlich stark du bist.

Gemeinschaft

Mit welchen Wertesystemen und Bräuchen bist du aufgewachsen? Auch das hat Einfluss darauf, wie innerlich stark du bist.

Prozessfaktoren

Deine Perspektive

Mit welchen Wertesystemen und Bräuchen bist du aufgewachsen? Auch das hat Einfluss darauf, wie innerlich stark du bist.

Akzeptieren

Versuche zu akzeptieren, was sich nicht verändern lässt. Wenn du die Gedanken daran loslassen kannst, fühlst du dich freier. Das ist nicht einfach, aber mit viel Übung kann es klappen. Achtsamkeitstechniken können dir dabei helfen. Im Podcast „Lebe Balance“ der AOK Baden-Württemberg zeigen wir dir verschiedene Achtsamkeitsübungen für den Alltag. Jetzt reinhören!

Lösungsorientiert sein

Fixiere dich nicht auf das Problem, sondern darauf, wie du es lösen kannst. Versuche alle Energie auf das zu konzentrieren, was als nächstes ansteht und setze dir dabei realistisch erreichbare Ziele.

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veröffentlicht am 12.06.2020 aktualisiert am 19.06.2020
AOK-Experte für Entspannung und psychische Gesundheit

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