#Lachen am 27.08.2021

Lachen ist gesund: Zwei Klinikclowns auf heiterer Mission

Ein Baby mit einem Lachen im Gesicht geht über eine Wiese.
Stocksy / Julia Volk

Pit und Lakritze sorgen mit ihren Clown-Visiten bei kleinen und großen Patienten für lachende Herzen und schenken neuen Mut.

1986 entstand in Amerika die Idee regelmäßiger Clowns-Besuche in Kinderkrankenhäusern. Hierzulande sorgen Klinikclowns seit 1993 für Lachen in Patientenzimmern, auf Krankenhausfluren und in Behandlungsräumen. Regelmäßige Visiten professioneller Clowns erleichtern kranken Kindern die oft schwere Zeit des Krankenhausaufenthaltes. Denn besonders für die Kleinen sind Klinikaufenthalte eine schwierige Situation.

Die Klinikclowns Pit und Lakritze verbreiten im Rhein-Neckar-Kreis mit Musik, Puppenspiel, Tanz, Jonglage oder Stehgreif-Dichtung gute Laune, die sich positiv auf den Gesundheitszustand auswirkt und Heilungsprozesse unterstützt. Damit beweisen sie einmal mehr: Lachen ist die beste Medizin!

Die Klinikclowns Pit und Lakritze vor einer weißen Wand in einer lustigen Pose.
SUSANNE-LENCINAS.DE / Susanne Lencinas

Auftrag Lachen: Für mehr Heiterkeit im Krankenhaus

Rote Nase auf, und hereinspaziert: Wenn zwei Klinikclowns ihren Arbeitstag beginnen, geht es gleich ungewöhnlich los. Mit Kostümierung und mit Aufwärm- und Lockerungsübungen: es wird gehüpft, gewackelt, getanzt und gesungen. „Denn bevor wir die kleinen und großen Patienten besuchen können, müssen wir uns erst mal selbst in die richtige Clownsenergie bringen“, erklärt Sigrid Fath, die als Lakritze seit gut sieben Jahren mit roter Nase in Krankenhäusern unterwegs ist. Wenn sie und ihr Kollege Peter Meier alias Pit die Clowns-Visiten starten, haben sie viel positive Energie im Gepäck, um Heiterkeit in den Klinikfluren und Patientenzimmern zu verbreiten.

„Ich hatte – als langjähriger Bühnenclown – wahnsinnigen Respekt vor Kollegen, die als Klinikclowns unterwegs waren und war mir eine ganze Zeit lang unsicher, ob ich mir das überhaupt zutraue“, gesteht Peter Meier. Inzwischen aber gehört er als Pit, zusammen mit seiner Kollegin Lakritze, zum festen Clown-Team des Vereins Xundlachen e.V. und beide möchten diese Erfahrung nicht missen. Im Duo sind sie in vielen verschiedenen Einrichtungen im Rhein-Neckar-Kreis im Einsatz.

Den Emotionen freien Lauf lassen

Oft wird bei ihrem Besuch in den Krankenhauszimmern gelacht und gekichert. Aber manchmal, so die Clowns, weint man auch miteinander oder ist zusammen zornig. Denn Lakritze und Pit geht es vor allem darum, mit den Menschen in Kontakt zu kommen und einen Raum für Gefühle zu eröffnen. Dabei helfe ihnen ihre langjährige Erfahrung, die sie beide als Clowns auf Bühnen gesammelt haben. Doch auch wenn zwischen Bühnen- und Klinikclown viele Gemeinsamkeiten bestehen, gibt es auch ebenso große Unterschiede.

Für Peter Meier beginnt das bereits bei der Bühne: Im Krankenhauszimmer gilt es, auf engstem Raum zu agieren. Da muss man schon mal um allerlei medizinische Geräte herumtänzeln. Doch so frech und frei wie Clowns eben sind, wird alles in ihr Spiel mit eingebaut – sei es ein Stethoskop, ein Kuscheltier oder die anwesenden Eltern. „Auf der Bühne habe ich in der Regel eine größere räumliche Distanz zu den Menschen. Und ich spiele FÜR die Zuschauer. Hier im Krankenhaus aber spiele ich ganz bewusst MIT dem Publikum, also mit den kleinen und großen Patienten, mit Angehörigen und Eltern und sogar dem Klinikpersonal“, erklärt Meier. Alle nehmen am Spiel teil und werden oft selbst zu Clowns.

Mit einem Lachen gegen die Angst

Der Besuch von Lakritze und Pit ist für viele Kinder wie auch Erwachsene eine willkommene Ablenkung im Klinikalltag. „Bei einem unserer Besuche trafen wir zum Beispiel auf eine Mama mit ihrem kleinen Sohn. Beide waren extrem angespannt und voller Angst, weil die OP des Sohnes kurz bevorstand. Aber dann kamen wir um die Ecke und konnten Mutter und Sohn nach nur wenigen Minuten zum Lachen bringen. Sogar als sie in den Aufzug zum OP-Saal stiegen, haben wir sie noch lachen gehört! Das ist das Schöne an unserem Beruf, zu merken, dass er wirklich etwas bewirkt.“

Dass Lachen und Humor eine ganze Reihe von positiven Auswirkungen auf den Gesundheitszustand haben und Heilungsprozesse fördern, konnte auch in zahlreichen Studien bestätigt werden.

Die wunderbare Welt des Lachens

Lachen ist für den Körper fast schon ein kleines Workout: Du bewegst dabei 17 Gesichtsmuskeln und rund 300 Muskeln im ganzen Körper. Laut Studien des US-Lachforschers William Fry lachen Kinder etwa 400-mal am Tag – Erwachsene dagegen lachen nur durchschnittlich 17-mal täglich. Dabei sollten wir es viel öfter tun. Denn Lachen ist sehr gesund, wie zahlreiche wissenschaftliche Studien bestätigen. Es verringert unter anderem den Anteil von Stresshormonen im Blut, hilft den Blutdruck zu senken und steigert die Konzentration der Abwehrzellen des Immunsystems.

Humor kennt keine Grenzen

Die Klinikbesuche erfordern von den beiden Clowns aber auch viel Spontanität, denn sie wissen nie, was sie hinter einer Patiententür erwartet. Jeder Besuch ist einzigartig und unplanbar. „Wir lassen uns immer wieder gerne überraschen“, erklärt Sigrid Fath. „Es gibt kein festes Programm, alles wird improvisiert. Bei mir kommt es sogar oft vor, dass ich erst hinterher bewusst reflektiere, was ich eben als Clown im Zimmer gesagt habe. So sehr gehe ich in unserem Spiel auf.“

Zwei Clowns am Krankenbett eines kleinen Kinds.
SUSANNE-LENCINAS.DE / Susanne Lencinas

Ob nach einem Clown-Tag abends jedes Lachen aufgebraucht sei? Auf diese Frage schütteln beide Clowns nur heftig mit dem Kopf. So ein Tag im Krankenhaus klinge anstrengend, doch sie nehmen ihre Arbeit als Bereicherung für sich wahr. Peter Meier: „Man bekommt so viel Kraft, Lachen und Energie vom Publikum zurück. Ich fühle mich immer ganz reich nach diesen Stunden. Richtig aufgeladen.“

Lachen schweißt zusammen

Klar, es gebe auch schwierige Momente und auch welche, die einen persönlich sehr traurig machen. Doch in diesen Augenblicken können beide aufeinander zählen. Im Nachhinein besprechen sie, was ihnen durch den Kopf geht und auf der Seele brennt. Auch bei ihren Clown-Kollegen, die im Verein Xundlachen e.V. organisiert sind, können sie solche Momente ansprechen, gemeinsam reflektieren und sich zu ihren Erfahrungen austauschen.

Sigrid Fath: „Es überwiegen definitiv die Situationen, in denen man weiß, man hat gerade etwas Positives bewirkt. Und wir hören von allen Seiten, dass wir jetzt – wo wir aufgrund der Pandemie unsere Besuche aussetzen mussten – sehr vermisst werden. Auch wenn wir uns immer wieder kreative Auftritte auf Balkonen, in Gärten der Einrichtungen oder digital einfallen lassen, wir sind überglücklich, dass wir wieder im Krankenhaus unterwegs sind. Um Menschen Zeit zu schenken, sie auf andere Gedanken zu bringen und gute Clown-Energie zu verbreiten.“

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