#Ehrenamt am 12.10.2020

„Das Leben will gelebt sein“

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Gisela Steinicke ist ehrenamtliche Hospizbegleiterin. Sie ist dort, wo andere Menschen gehen. Wie sich ihre Sicht aufs Leben verändert hat und warum es wichtig ist, in jeder Phase des Lebens mutig zu sein.

Sternbeobachtung. Für Gisela Steinicke ist es mehr als nur ein Hobby. „Wenn man sich mit Astronomie beschäftigt, bekommt man einen ganz anderen Blick auf das Leben“, sagt sie. „Unser Dasein ist doch nur ein Fingerschnippen im Universum. Das zu erkennen, ist auch für meine Arbeit hilfreich.“

Mit Arbeit meint die 61-Jährige ihr Ehrenamt als Hospizbegleiterin. Seit fünf Jahren engagiert sie sich in der Hospizgruppe Umkirch/March im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Unentgeltlich, neben ihrem Job als Bilanzbuchhalterin.

Sie begleitet Menschen auf ihrem letzten Weg. Hält Hände, hört zu, redet, schweigt, schenkt Zeit. „Ich will mich einbringen und der Gesellschaft etwas zurückgeben. Mir geht’s doch schließlich gut!“ 

Ehrenamtliches Engagement: Einsatz zeigen und für andere da sein

Einsatz zeigen, wenn andere davon profitieren können – so hat Gisela Steinicke es immer schon gemacht. Sei es in einer Bürgerinitiative, in der sie für eine Umgehungsstraße kämpfte, oder im Vorstand einer ambulanten Wohngruppe für Pflegebedürftige. Es ist eine Haltung, mit der sie dem Leben begegnet.

Die Entscheidung, eine Ausbildung zur Hospizbegleiterin zu machen, war aber dennoch ein Prozess: „Es ist nicht so, dass man plötzlich denkt: „Ach, das probiere ich jetzt mal aus‘, so wie das beim Tauchen oder einer anderen Sportart der Fall ist. Für diese Aufgabe muss man mit beiden Beinen im Leben stehen. Das ist mit ganz viel Selbstreflexion verbunden.“

Es ist aber auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit, die Gisela Steinicke dazu antreibt, Sterbende zu begleiten. Jeder dieser Menschen hat auch etwas mit ihr selbst zu tun.

„Gerade zum Ende hin lässt man das Leben noch einmal Revue passieren. Das Leben färbt unseren Tod. Wer mit sich hadert oder mit sich selbst nicht im Gleichgewicht ist, der nimmt das mit auf seine letzte Reise. Das zu erleben, hat etwas mit mir gemacht. Ich weiß, dass ich das so für mich nicht haben möchte.“ 

"Das Leben will gelebt sein!"

Ihr Leben hat sich in den vergangenen Jahren verändert: Von Oberflächlichkeiten hat sie sich befreit, und auch ihr Freundeskreis ist kleiner geworden. Geblieben sind die, mit denen sie sich wirklich eng verbunden fühlt.

Gisela Steinicke schafft, was für Außenstehende zunächst schwer nachzuvollziehen ist: Sie zieht Kraft aus etwas, das auf den ersten Blick unglaublich viel Kraft rauben muss.

„Das Leben will gelebt sein! Wir haben doch nur den Augenblick. Also müssen wir tun, worauf wir gerade Lust haben. Es kann morgen plötzlich vorbei sein, das wissen wir nicht. Das ist keine Altersfrage. Das meint man immer, und das ist fatal.“

Klar, jeder von uns hat Verpflichtungen, Routinen, schwere Päckchen zu tragen. Es gibt Zeiten, da sind wir fremdbestimmt, durchgetaktet, mürbe. „Aber umso wichtiger ist es doch, dass wir mindestens im gleichen Maße Genuss erleben“, sagt Steinicke.

„Was immer das auch für jeden Einzelnen bedeutet: Hobbys pflegen, vielleicht eine Sprache erlernen oder ein Musikinstrument. Das Leben ist lernen, und zwar bis es nicht mehr geht, bis zum Ende. Die Frage ist: Öffnen wir uns dem? Oder machen wir zu und leben in den Tag hinein?“

Was Gisela Steinicke als Hospizbegleiterin gelernt hat

Konflikte zu Lebzeiten aus der Welt schaffen, dem Leben gegenüber demütig sein und nichts auf die lange Bank schieben – all das hat Gisela Steinicke von Sterbenden fürs Leben gelernt.

Sie rät jedem: „Sprecht frühzeitig über den Tod. Dieses Tabuthema muss aufgebrochen werden. Genauso wichtig ist es, Nachfolgeregelungen zu treffen: Vollmachten geben, ein Testament verfassen, eine Patientenverfügung. Es geht auch um profane Dinge, etwa, dass jeder weiß, wo welche Unterlagen zu finden sind – angefangen vom Zeitschriften-Abo bis hin zu Versicherungen. Das muss alles übersichtlich gegliedert sein. So gibt man denen, die zurückbleiben, enorm viel Hilfestellung.“

Ob die Menschen, die sie begleitet, auch in ihrer letzten Lebensphase Glücksmomente erleben? „Aber natürlich! Das muss gar nichts Hochtrabendes sein. Das kann schöne Musik sein, ein Bad, ein besonderes Essen, ein gutes Glas Wein, eine Massage, gemeinsam Fotos anschauen oder noch einmal Freunde sehen. Darum geht es doch: Die Lebensqualität bis zum Ende bewahren und, soweit es eben möglich ist, hochzuhalten.“

Angst vor ihrem eigenen Tod hat die Rheinland-Pfälzerin, die seit 45 Jahren in Baden-Württemberg lebt, nicht. „Wenn ich sterbe, soll es ein Fest geben, und es soll getanzt werden, weil ich selbst so gerne tanze.“ Und ja, das glaubt man dieser inspirierenden Frau, die so herzlich und optimistisch ist, aufs Wort.

Frühzeitig vorsorgen – mit Patientenverfügung und Vollmachten

Gerade wenn man noch jung ist, machen viele sich noch keine Gedanken über ihr Lebensende – doch die Augen davor zu verschließen bringt nichts, schließlich gehört der Tod zum Leben dazu.

Deshalb empfiehlt es sich, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen und vorzusorgen. Zum Beispiel in Form einer Patientenverfügung und einer Vorsorgevollmacht. Im Online-Pflegekurs der AOK Baden-Württemberg erfährst du alles Wissenswerte zur rechtlichen Vorsorge für den Ernstfall:

Zum Online-Pflegekurs

Weitere Informationen zur Patientenverfügung

Weitere Informationen zur Vorsorgevollmacht

Zum Palliativwegweiser

Darüber hinaus fördert die AOK Baden-Württemberg ambulante Hospizdienste, die für Versicherte eine ambulante Sterbebegleitung anbieten:

  • im eigenen Haushalt
  • in der Familie
  • in stationären Pflegeeinrichtungen
  • in Einrichtungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung oder der Kinder- und Jugendhilfe und
  • in Krankenhäusern (im Auftrag des jeweiligen Krankenhausträgers)

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