#Achtsamkeit am 08.10.2020 aktualisiert am 12.10.2020

Furcht vor Einsamkeit im Alter: "Ich sorge vor!"

Wenn der Ehemann plötzlich zum Pflegefall wird, steht das eigene Leben komplett auf dem Kopf. Susanne Wetterich hat genau das vor einigen Monaten erlebt. Trotzdem blickt die 64-jährige Stuttgarterin nach vorne und schafft es, sich jeden Tag aufs Neue zu motivieren und sich weiterhin für andere einzusetzen.

Angst davor, älter zu werden, hatte Susanne Wetterich nie. Vor Einsamkeit im Alter dagegen schon. Wie sie es schafft, der Einsamkeit vorzubeugen, sich um andere zu kümmern, ohne sich selbst aus den Augen zu verlieren, und was sie jungen Menschen mit auf den Weg geben möchte, erzählt sie im GESUNDNAH-Interview.

Frau Wetterich, was ist Ihrer Meinung nach die Ursache für Einsamkeit im Alter?

Oft sind Frauen von Einsamkeit im hohen Alter betroffen, da sie den Ehemann in der Regel überleben oder dieser früher pflegebedürftig wird. Das habe ich selbst erlebt: Durch den Unfall meines Mannes im Januar ist er auf permanente Hilfe angewiesen und wird stationär gepflegt. Die Corona-Pandemie tut ihr Übriges dazu: Während des Lockdowns durfte ich ihn neuneinhalb Wochen lang nicht besuchen. Das war wirklich schrecklich.

Glücklicherweise haben wir beide finanziell gut vorgesorgt und schon immer ein starkes soziales Umfeld aufgebaut sowie gepflegt. Denn das macht im Falle eines Pflegefalls vieles einfacher – ob es nun um die stationäre Versorgung im Pflegeheim oder die private Pflege durch Angehörige geht. Ich bin 64 und mir geht es zum Glück sehr gut. Ich arbeite noch, bin engagiert und gerne unter Leuten. Alles, was jetzt noch kommt, sehe ich als meinen persönlichen Bonus an. Ich habe das Leben neu zu schätzen gelernt.

Fühlst auch du dich manchmal allein oder einsam? Mit unseren fünf Tipps für den Alltag gelingt es dir vielleicht, diesem Gefühl zu entkommen.

Wie beugen Sie Einsamkeit im Alter vor?

Da mein Mann und ich kinderlos sind, pflege ich meine Freundschaften und sozialen Kontakte umso mehr. Kinder haben sich bei uns einfach nie ergeben. Natürlich hatte ich zwischendurch auch Zweifel – aber alles in einem habe ich immer die Zeit gemeinsam mit meinem Mann genossen und mich auf meine berufliche Karriere und mein politisches sowie ehrenamtliches Engagement konzentriert.

Meine Karriere und mein Engagement sind mir bis heute enorm wichtig. Mein Mann hat mich im Übrigen immer wunderbar dabei unterstützt. Ich habe täglich so viele Kontakte und Begegnungen, die hoffentlich auch im Rentenalter noch weiterhin bestehen. Eine finanzielle Vorsorge im Alter ist mir aber ebenso wichtig. Nur wer nicht unter dem Existenzminimum lebt, kann aktiv am Leben teilnehmen – auch bis ins hohe Alter.

Susanne Wetterich: Kurz vorgestellt

Susanne Wetterich (64) lebt im Stuttgarter Westen. Sie ist selbstständig mit einer eigenen Agentur für PR- und Öffentlichkeitsarbeit. Bevor sie sich selbstständig machte, war sie zunächst als Redakteurin beim Süddeutschen Rundfunk tätig. Dann übernahm sie die Leitung des Presse- und Informationsamts der Landeshauptstadt Stuttgart. Sie ist Regionalrätin, Landesvorsitzende der Frauenunion und stellvertretende Vorsitzende der CDU Nordwürttemberg sowie Kirchengemeinderätin und Vorstandsmitglied beim Schwäbischen Frauenverein.

Wie sorgen Sie in finanzieller Hinsicht vor?

Da habe ich, so denke ich, viel richtig gemacht. Sollte es auf den letzten Metern noch Schwierigkeiten geben, wird, ebenso wie bei Renteneintritt insgesamt, meine finanzielle Fallhöhe nicht sehr groß sein. Bevor ich mich 2003 im Bereich der PR- und Öffentlichkeitsarbeit selbstständig gemacht habe, habe ich zwanzig Jahre in Festanstellung gearbeitet. Aus meiner Anstellung werde ich bei Renteneintritt meine Rente beziehen und auch aus meiner privaten Vorsorge. Zwei Lebensversicherungen kommen dazu. Trotz der momentanen recht hohen monatlichen Belastungen, denke ich, dass das der richtige Schritt ist. Mittlerweile kann ich auch unsere Wohnung mein Eigen nennen. Hier werde ich, so lange es geht, bleiben. Nun zwar leider ohne meinen Mann, aber ich sehe es dennoch als Segen.

Woraus ziehen Sie die Kraft, immer positiv zu bleiben, trotz des schweren Rückschlags?

Von Natur aus bin ich Optimistin, auch wenn das nicht immer so war. Als junge Frau war ich oft selbstkritisch. Bei jedem Rückschlag ging die Welt für mich unter. Mittlerweile habe ich die nötige Gelassenheit, um trotzdem positiv zu bleiben.

Zudem hilft mir mein Glaube. Ich bete regelmäßig und ziehe daraus viel Kraft und innere Ruhe. Ich sage mir immer ‚Ich weiß, du schaffst das!‘ und dann schaffe ich es auch. Es geht eben doch immer irgendwie weiter. Natürlich habe ich auch mal einen schwachen Moment, aber dann nehme ich mir die Zeit für meine Gedanken, auch wenn das negative sind. Ich schaue dann fünf Minuten aus dem Fenster und sortiere mich neu. Ich habe mein Leben schließlich selbst in der Hand.

Die AOK Baden-Württemberg unterstützt Mitglieder von pflegebedürftigen Angehörigen mit einer umfassenden Pflegeberatung und individueller Begleitung. Weitere Informationen und Kontaktdaten deiner Pflegeberater/innen findest du vor Ort oder hier.

Sie haben sich mit 47 selbstständig gemacht – warum so spät und war es die richtige Entscheidung?

Wenn ich zurückdenke, hätte ich mich gerne noch viel früher selbstständig gemacht. Meinen Job als Pressesprecherin mochte ich aber auch immer sehr. Die Abwechslung und vielfältigen Aufgaben – jeden Tag eine neue Herausforderung. Klingt spannend, ist aber auch sehr anstrengend. Ewig, so dachte ich nach mehr als zehn Jahren, kann ich das nicht machen. Für mich war es genau der richtige Schritt, genau zum rechten Zeitpunkt: Denn dank meiner Berufserfahrung und Menschenkenntnis sowie einer gewissen Reife und viel Selbstvertrauen bin ich in der Lage, alles erfolgreich zu managen und immer einen kühlen Kopf zu bewahren.

Eine gewisse Zeit lang in Festanstellung zu arbeiten, würde ich im Übrigem jedem jungen Menschen empfehlen, der plant, sich selbstständig zu machen. Es ist nämlich alles andere als verkehrt, Hierarchien und das echte Arbeitsleben kennenzulernen. Für mich ist die Selbstständigkeit genau das Richtige, ich nehme die Arbeit gar nicht als solche wahr, es fühlt sich eher wie Urlaub an. Zum Glück habe ich mich diesen Schritt getraut und ich rate auch allen anderen, nicht zu lange zu zögern. Rückschläge im Leben, ob nun privat oder beruflich, sind ganz normal, man darf nur nicht klein beigeben, denn es gibt immer einen Weg.

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veröffentlicht am 08.10.2020 aktualisiert am 12.10.2020

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