#Psyche am 19.10.2018 aktualisiert am 01.03.2019

Was ist alles eine Angststörung – und habe ich eine?

Eine Frau zieht sich eine Wollmütze über ihr Gesicht um es zu verstecken.
Stocksy United / Jacqui Miller

Jeder Mensch hat Angst. Das ist etwas ganz Natürliches. Doch wenn die Angst überhandnimmt und den Alltag bestimmt, spricht man von einer Angststörung.

Angst ist eine wichtige Emotion in unserem Leben. Sie hilft uns, in Gefahrensituationen schneller zu reagieren. „Wer Angst hat, ist aufmerksam, nimmt seine Umgebung deutlicher wahr und der Körper bereitet sich auf eine mögliche Reaktion – Flucht oder Angriff – vor“, erklärt Prof. Andreas J. Fallgatter, ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemein Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Tübingen. Angst ist somit überlebenswichtig. Sie kann auch anspornen, bestimmte Dinge zu tun oder die eigenen Grenzen zu gehen und diese zu überwinden. Doch wenn die Angst zu stark wird und den Alltag beherrscht, kann sie lähmen und krank machen.

Wenn Angst lähmt statt schützt

„Bei einer Angststörung ist die Angst unangemessen und unrealistisch“, erklärt Angstexperte Fallgatter. „Die Betroffenen leiden unter der Angst und ziehen sich immer mehr zurück.“ Das kann soweit gehen, dass der Betroffene nicht mal mehr die Wohnung verlässt. Die Angst hat dann ihre schützende Wirkung verloren. Doch zum Glück ist man seiner Angst nicht hilflos ausgeliefert. Eine Psychotherapie kann helfen, die Angst wieder auf ein normales Maß zu reduzieren. „Bei 60 bis 75 von 100 Angstpatienten können sich die Symptome allein durch eine kognitive Verhaltenstherapie wesentlich verbessern“, betont Prof. Fallgatter. Warte daher nicht zu lange, wenn du unter heftigen Ängsten leidest. Eine unbehandelte Angststörung kann sich immer mehr verselbständigen, bis es zur „Angst vor der Angst“ kommt und man alles meidet, was die Angst auch nur auslösen könnte. Doch für Hilfe ist es nie zu spät, jeder kann den Weg zurück in ein weitgehend angstfreies Leben finden. Mehr über die kognitive Verhaltenstherapie erfährst du unter gesundheitsinformation.de.

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Spezifische Phobie

Bei der spezifischen Phobie wird die Angst durch bestimmte Objekte oder Situationen hervorgerufen, die in der Regel ungefährlich und harmlos sind. Dazu gehören zum Beispiel die Furcht vor Tieren (Hunde, Ratten), Insekten (Wespen, Spinnen), Höhen- und Flugangst. Die Betroffenen wissen, dass sie übertrieben reagieren und schämen sich oft dafür, können daran aber nichts ändern.

Soziale Phobie

Wer unter einer Sozialphobie leidet, hat Angst, sich vor anderen zu blamieren oder von anderen kritisch beobachtet zu werden. Häufige Situationen sind zum Beispiel Prüfungen, Essen im Restaurant, Party oder wenn man eine Rede halten soll. Die Angst äußert sich häufig in Erbrechen, Zittern oder Toilettendrang.

Agoraphobie

Agoraphobie wird auch Platzangst genannt. Betroffene haben die Befürchtung, dass ihnen an bestimmten Orten oder in bestimmten Situationen nicht schnell genug geholfen werden kann, wenn etwas passiert oder sie dort peinliches Aufsehen erregen. Daher meiden sie Menschenmengen, öffentliche Plätze und Verkehrsmittel oder Fahrstühle. In schweren Fällen können sie nicht mehr ihre Wohnung verlassen.

Panikstörungen

Bei einer Panikattacke kommt es zu schweren Angstanfällen mit starken körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Atemnot, Benommenheit, Zittern, Schwitzen oder Schmerzen in der Brust. Die Betroffenen haben Todesangst und befürchten zum Beispiel einen Herzanfall. Immer wieder landen sie beim Arzt oder in der Notaufnahme. Die Panikattacke kann in jeder Situation auftreten. In etwa zwei Dritteln aller Fälle ist sie kombiniert mit einer Agoraphobie.

Generalisierte Angststörung

Bei einer generalisierten Angststörung hat man ständig Angst. Häufig machen sich Betroffene Sorgen um ihre Angehörigen und befürchten, dass sie einen Unfall haben oder schwer erkranken. Sie stehen daher unter ständiger Anspannung und haben immer das Gefühl einer nahen Katastrophe. Aus lauter Sorge werden Dinge vermieden oder aufgeschoben, zum Beispiel eine Reise. Mehr zu generalisierten Angststörung liest du übrigens unter gesundheitsinformation.de.

Zwangsstörung

Auch Zwänge wie ständiges Händewaschen, Zählen oder Putzen gehören zu den Angststörungen. Die Handlungen werden als einschränkend, unsinnig und quälend empfunden. Werden die ritualisierten Handlungen jedoch nicht ausgeführt kommt es zu starken Angstgefühlen. Die Betroffenen glauben oft, nur durch ihr zwanghaftes Verhalten ein Unglück für sich oder andere vermeiden zu können.

veröffentlicht am 19.10.2018 aktualisiert am 01.03.2019
AOK-Expertin Medizin
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