#Smartphone am 11.11.2019 aktualisiert am 13.11.2019

Umweltbelastung durch Smartphones: So gelingt eine nachhaltige Nutzung

Smartphone mit kaputtem Display
Leandro Crespi / Stocksy United

Was bedeutet es für die Umwelt, wenn du dir alle zwei Jahre ein neues Smartphone zulegst? Wir haben Tipps für eine nachhaltige Nutzung.

In Deutschland gibt es rund 57 Millionen Smartphone-Nutzer. Laut dem Digitalverband Bitkom haben sechs von zehn Nutzern ihr Gerät im vergangenen Jahr neu gekauft. In immer kürzeren Abständen stellen Hersteller Produktneuheiten vor und versprechen einen leistungsfähigeren Akku, kürzere Ladezeiten oder eine noch bessere Kamera. Die Folge ist, dass der Nutzungszyklus von Mobiltelefonen nur zwei bis drei Jahre beträgt und etwa 124 Millionen alte Mobiltelefone in Deutschlands Schubladen schlummern – obwohl sie teilweise noch funktionieren. „Dabei wird vergessen, dass die Herstellung eines Smartphones zu massiven lokalen Umweltverschmutzungen führen kann. Zugleich werden manche Rohstoffe unter teilweise katastrophalen Arbeitsbedingungen gewonnen “, sagt Kathrin Graulich, stellvertretende Leiterin des Forschungsbereichs Produkte und Stoffströme am Öko-Institut in Freiburg.

Umweltzerstörung für Smartphone-Rohstoffe

In Deutschland landen jährlich etwa 1.000 Tonnen wertvolle Rohstoffe aus Mobiltelefonen im Müll. Konkret sind das etwa 20 Tonnen Kobalt, mehrere Tonnen Zinn, Kupfer, Wolfram, Gold, Silber sowie weitere wertvolle Metalle, so das Ergebnis einer Studie des Freiburger Öko-Instituts im Auftrag für Greenpeace. „Ein Großteil der Edelmetalle und Seltenen Erden könnte recycelt werden. Doch stattdessen werden für neue Geräte immer weiter Rohstoffe abgebaut“, erklärt Kathrin Graulich.

Dieser Raubbau ist extrem umweltschädlich, so die Diplom-Ingenieurin. „So werden zum Beispiel bei der Gewinnung einiger Rohstoffe radioaktive Substanzen oder Schwermetalle freigesetzt.“ Die Gifte und Abfallprodukte gelangen in den Boden und die Gewässer. Das führt zum Teil zu massiven Umwelt- und Gesundheitsproblemen in den betroffenen Regionen. Weitere Probleme sind bewaffnete Konflikte um Minen oder Abbaugebiete, riesige Abraumhalden, die die landwirtschaftliche Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung zerstören, die Abholzung von Regenwäldern und Vernichtung von Naturschutzgebieten sowie die Ausrottung seltener Tierarten wie dem Flachlandgorilla im Kongo. „Wir in Deutschland bekommen das nicht unmittelbar mit. Aber unser Konsum ist mit verantwortlich, wenn anderswo die Umwelt zerstört wird“, ergänzt Kathrin Graulich. Ein weiteres Problem ist, dass der Abbau der verschiedenen Rohstoffe und die Herstellung der Smartphones teilweise in Ländern geschieht, die die Menschenrechte verletzen, Kinderarbeit zulassen und keine Arbeitsschutzmaßnahmen kennen, wie sie bei uns gesetzlich verankert sind.

Smartphones reparieren oder Bauteile tauschen

Um die ökologischen und sozialen Folgen der Rohstoffgewinnung zu reduzieren, sollten vorhandene Geräte so lange wie möglich genutzt werden. Die Realität sieht aber oft anders aus: „Ein Ersatzhandy für Notfälle aufzubewahren, ist in Ordnung“, sagt Kathrin Graulich. „Doch in vielen Haushalten liegen mehrere Geräte oft jahrelang ungenutzt herum.“ Dabei können sie, je nach Zustand, Modell und Marke, weiter genutzt, verkauft oder fachgerecht entsorgt werden. „Bei alten Telefonen wird der Bildschirm ja nicht von heute auf morgen schwarz. Und selbst wenn es keine Software-Updates mehr vom Hersteller gibt, ist das Handy für manche Anwendungen noch benutzbar“, ergänzt die Expertin des Öko-Instituts. Einige Schäden können sogar ganz einfach selbst behoben oder repariert werden, zum Beispiel:

Displaybruch: Ist der Bildschirm zerbrochen, kannst du ihn in den meisten Fällen austauschen. Das geht nicht nur beim Händler, bei dem du das Handy gekauft hast, sondern auch in kleineren Läden, die sich auf Reparaturen an Smartphones, Rechnern, Laptops etc. spezialisiert haben. Die Nachfrage in einem Repair-Café lohnt sich ebenfalls.

Wasserschaden: Ausschalten und so schnell wie möglich alle wichtigen Teile entfernen, dazu gehören Speicher- und SIM-Karten und, wenn möglich, der Akku. Anschließend das Handy für 24 Stunden in einen verschließbaren Behälter legen, der mit Reis gefüllt ist. Der Reis zieht die Flüssigkeit aus dem Handy. Wenn das nicht funktioniert, einen Reparatur-Service aufsuchen.

Ladebuchse: Kannst du das Mobiltelefon nicht mehr aufladen oder das Ladegerät nicht mehr anschließen, ist möglicherweise die Ladebuchse verschmutzt. Um sie zu reinigen, das Handy ausschalten, Buchse sanft mit einer trockenen Zahnbürste reinigen oder mit dem Föhn auspusten. Wenn das nicht hilft, beim Händler nachfragen. Grundsätzlich lässt sich die Ladebuchse austauschen.

Kopfhörerbuchse: Sie verschmutzt zum Beispiel durch Staub. Auch diese kannst du austauschen lassen. Die Kosten dafür sind im Vergleich zum Neukauf gering.

Tipp: Schutzhülle und Panzerglasfolie bewahren dein Smartphone vor Beschädigungen. Schutzhüllen gibt es übrigens auch aus nachhaltigen Materialien wie Holz.

Akku pflegen für längere Lebensdauer

Ein großes Problem, was viele dazu bewegt, sich ein neues Smartphone anzuschaffen, ist ein schwacher Akku. Allerdings ist es recht einfach die Lebensdauer eines Akkus von Anfang an mit ein wenig Pflege mühelos zu verlängern:

  • Die aktuellen Modelle haben meist einen Lithium-Ionen-Akku. Für sie sind dauerhaft hohe Ladestände schlecht. Optimal ist ein Ladestand zwischen 10 und 90 Prozent. Das heißt: Das Gerät vom Netz nehmen, bevor der Akku ganz voll ist. Bei älteren Modellen mit einem Nickel-Cadmium-Akku greift der sogenannte Memory-Effekt. Wird der Akku immer nur teilentladen und dann wieder aufgeladen, verringert er seine Kapazität. Schädlich für alle Handy-Akkus ist, das Gerät nach jeder Nutzung bzw. dauerhaft ans Stromnetz anzuschließen.
  • Hat sich der Akku komplett entladen, sollte er so schnell wie möglich wieder aufgeladen werden. Die Tiefenentladung schadet den Lithium-Ionen-Akkus erheblich. Das gilt auch für Handys, die nicht benutzt werden. Sie sollten spätestens nach sechs Monaten nachgeladen werden.
  • Das Handy nicht extremer Hitze oder sehr kalten Temperaturen aussetzen. Also nicht im Sommer im Auto liegen lassen und vor Sonnenstrahlung schützen. Im Winter sollte das Smartphone geschützt aufbewahrt werden, da auch Kälte Mobiltelefonen zusetzt.

Smartphones weiter nutzen: das hilft der Umwelt

  • Vertrag ohne neues Handy: Die meisten Mobilfunkanbieter bieten mit einer Vertragsverlängerung oder einem neuen Vertrag auch ein neues Handy an. Das muss nicht sein, wenn dein aktuelles Smartphone noch funktioniert. Frag stattdessen bei deinem Anbieter nach einem günstigeren Monatspreis, wenn du dein altes Handy weiter benutzt.
  • Smartphone weiterverkaufen oder verschenken: Nicht genutzte Handys kannst du auch anderen zur Zweitnutzung anbieten, wenn sie noch funktionieren. Am besten geht das online über Plattformen wie Clevertronic.de, zoxs.de oder wirkaufens.de. Denk vorher daran alle persönlichen Daten zu löschen. Denn viele Daten werden nicht auf der SIM-Karte gespeichert, sondern direkt auf dem Handy. Am einfachsten ist es, das Smartphone auf die Werkseinstellungen zurückzusetzen.
  • Alte Handys spenden: Eine weitere Möglichkeit im Sinne der Nachhaltigkeit ist es dein altes Handy zu spenden. Solche Aktionen werden oft von Umweltorganisationen angeboten, wie zum Beispiel vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Für gespendete Handys, die entweder recycelt oder repariert und weitergenutzt werden können, erhält der NABU einen Erlös für seinen Insektenschutzfonds.
  • Zubehör weiter nutzen: Wer mit einem neuen Smartphone das System wechselt, braucht nicht zwingend neues Zubehör. Kopfhörer & Co. lassen sich meistens systemübergreifend oder mit einem Adapter weiterverwenden.
  • Gebrauchtes Smartphone kaufen: Entscheidest du dich für ein gebrauchtes Handy, dann gibst du bereits produzierten Artikel ein zweites Leben. Zudem sind sie deutlich günstiger als neue Geräte. Anbieter wie Clevertronic oder ZOXS geben auch eine Garantie auf einwandfreie Ware.

Die AOK Baden-Württemberg hat 2018 dazu aufgerufen, ausrangierte Handys bei der Gesundheitskasse abzugeben. Dabei haben wir 2.530 Handys gesammelt und durch Recycling unter anderem 22.770 g Kupfer, 379,3 g Silber und 63,25 g Gold zurückgewonnen. Mit dem Erlös haben wir die Projekte „Aktion Hoffnung“, „Difäm/Brot für die Welt“ und „EJW-Weltdienst“ unterstützt.

Kaputte Handys richtig entsorgen

Kaputte Handys gehören nicht in den Hausmüll. „Wichtig ist, dass das Mobiltelefon fachgerecht entsorgt wird. Denn viele der verbauten Einzelteile lassen sich wiederverwenden“, so Kathrin Graulich. Neben kommunalen Sammelstellen nehmen auch verschiedene Hersteller oder Netzbetreiber wie die Telekom ihre alten Produkte zurück. Teilweise bieten sie dann sogar Vergünstigungen bei einem Neukauf an.

Recyceln oder Neukauf

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veröffentlicht am 11.11.2019 aktualisiert am 13.11.2019
AOK-Expertin für Umwelt und Nachhaltigkeit

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