#Sport am 03.06.2021

Badeseen in Baden-Württemberg: Was musst du beim Schwimmen in Seen oder Flüssen beachten?

Ein Mann in einem Schwimmring springt in einen der vielen Badeseen in Baden-Württemberg

Sicher im See: Rettungsschwimmer Sven Hoffmann aus Baden-Württemberg erklärt im Interview, wie du ungetrübten Badespaß in Seen und Flüssen genießen kannst

Welche Badeseen in Baden-Württemberg besonders zu empfehlen sind, haben wir dir bereits verraten. Doch wie ist es eigentlich um die Wasserqualität der unzähligen Badeseen und Flüsse in Baden-Württemberg bestellt? Worauf solltest du unbedingt achten, bevor du dich ins kühle Nass stürzt? Wie sicher ist das Baden in freien Gewässern?

Um Antworten auf diese und mehr Fragen zu bekommen, baten wir den Rettungsschwimmer Sven Hoffmann zum Gespräch. Der Leiter der Wasserwacht Göppingen ist Experte in der Fließwasserrettung. Mit seinen 33 Jahren Erfahrung weiß er genau, welche Gefahren in Seen und Flüssen lauern können und wie du dennoch sicheren Badespaß in freier Natur erleben kannst.

Porträt von Sven Hoffmann
Sven Hoffmann

Herr Hoffmann, wann verdient ein Gewässer das Prädikat „Sicher“?

Grundsätzlich ist ein betreuter beziehungsweise überwachter See wesentlich sicherer als ein unbetreuter Waldsee. Sofern eine entsprechende Infrastruktur mit ausgewiesenen Bereichen sowie seichteren und flachen Stellen für Nichtschwimmer gegeben ist, braucht man keine großen Bedenken bezüglich der Sicherheit zu haben.

Man muss hier generell unterscheiden zwischen stehenden Gewässern und Fließgewässern. Letztere würde ich von der Gefahr her immer höher einstufen. Die potenziellen Gefahren eines Sees sind relativ schnell zu überblicken – sogar als Laie. Ein paar Beispiele: Wie ist die Uferbeschaffenheit? Gibt es Strand-ähnliche Einstiege, wo es ins Wasser geht? Gibt es Aushänge oder Ortsansässige, die weitere Hinweise geben können?

Außerdem sollte man natürlich immer die klassischen Baderegeln beachten. Also die bekannten „Ich sollte nicht …“-Regeln wie zum Beispiel: „Ich sollte nicht nach dem opulenten Mittagsmahl aufgeheizt ins Wasser springen.“ Zudem ist es ratsam, sich beim Einstieg in ein vermeintlich flaches Gewässer langsam vorzutasten.

Bei allen Freigewässern muss man wissen, dass das Wasser nicht wie im Freibad von oben bis unten beheizt ist. Die Sonne heizt lediglich die Oberfläche des Wassers auf. Es gibt tiefere Bereiche, in denen sich das kalte Wasser hält. Zudem gibt es fast keinen See, der nicht an irgendeiner Stelle zumindest eine leichte Strömung hat. Es gibt immer irgendwo einen Ab- oder Einlauf. Daher kann es durchaus dazu kommen, dass ein Schwimmer beim Durchqueren eines Sees plötzlich mit kaltem Wasser in Berührung kommt.

Dieser Moment hat einen ähnlichen Effekt, wie eine ungewollte überraschende eiskalte Dusche am Morgen. Der erste Reflex ist dann: Du erschreckst dich. Dadurch kann es zu einem plötzlichen Einatmen – auch unter Wasser – kommen, was sehr gefährlich ist. Außerdem kann ein Krampf entstehen, der mitten in einem unbetreuten See umso unangenehmer ist.

Dabei spielt wahrscheinlich auch oft die eigene Überschätzung eine Rolle?

Ganz oft, ja! Wer zum Beispiel sagt: „Ich bin gut trainiert, ich schwimme jetzt meinen Kilometer im See. Das mache ich im Freibad auch. Überhaupt kein Problem!“ Der übersieht, dass man im Freibad nach 25 beziehungsweise 50 Meter spätestens eine Möglichkeit zum Festhalten, Ausruhen und Abstoßen hat. Das gibt es in Freigewässern nicht.

Was es mittlerweile jedoch gibt für alle, die in Seen oder Flüssen baden möchten, sind spezielle Rettungshilfsmittel verschiedener Hersteller. Das sind Täschchen, die ich mir um den Bauch binden kann. Im Ernstfall befindet sich darin eine CO2-Patrone, mit der ein Hilfskörper aufgeblasen wird, der den Träger über der Wasseroberfläche hält. Zudem sind diese Hilfskörper in der Regel quietschgelb, sodass man sie sehr gut aus der Entfernung sieht. Selbst ich habe solch eine Hilfe mittlerweile immer dabei, da auch ich als Rettungsschwimmer nicht vor einem Krampf gefeit bin. Ich kann das nur jedem wirklich ans Herz legen.

Wie schätzen Sie die Schwimmfähigkeit der Deutschen und vor allem der Kinder ein?

Wir haben leider schon vor Corona das Thema gehabt, dass es ein Bädersterben gibt. Bei uns im Kreis hat sich erst kürzlich eine Bürgerinitiative dafür eingesetzt, dass ein Freibad erhalten bleibt – glücklicherweise erfolgreich mit Unterstützung der Politik. Aber es ist definitiv ein Thema. Ich sehe es persönlich bei meiner siebenjährigen Tochter, die im weiterführenden Schwimmkurs ist, und würde mit ihr dieses Jahr auch nicht so entspannt irgendwo zum Baden gehen.

Es ist einfach eine Übungssache und eine vertrauensfördernde Maßnahme für die Kinder. Zudem fördert es das Selbstvertrauen. Das liegt jetzt seit über einem Jahr brach. Ich glaube, dass wir das nur schwer wieder einholen werden. Zumal die Plätze eh schon arg begrenzt sind und es an Bädern und Personal mangelt. 

Haben Sie einen Badesee- oder Fluss-Geheimtipp in Baden-Württemberg?

Mein absoluter Geheimtipp ist, wirklich kleine Flüsse zu besuchen. Von denen gibt es bei uns sehr viele. Sie haben den Vorteil, dass sie sich sehr weit strecken, sodass man ein ruhiges Plätzchen für sich finden kann. Die Ufervegetation schützt außerdem vor der Hitze. Als Wasserwachtler komme ich da allerdings etwas in die Zwickmühle, da in einem Fluss ganz andere Gefahren lauern als in stehenden Gewässern. Dazu gehören Strömungen, Untiefen oder Wehranlagen. Zudem sollte man gegebenenfalls auf Hochwasser achten.

Daher muss ich mir meine Badestelle an einem Fluss vorab ganz genau anschauen. Je größer der Fluss, desto gefährlicher ist es aufgrund der verschiedenen Strömungssituationen. Im Rhein oder im Neckar zu schwimmen würde ich beispielsweise überhaupt nicht empfehlen. Kleine Flüsse oder Bäche eignen sich wiederum gut zur Abkühlung im Sommer.

Schöne Flüsse in Baden-Württemberg für Stand-Up-Paddling

An vielen Flüssen und Badeseen in Baden-Württemberg gibt es mittlerweile Stand-Up-Paddling-Angebote. Wir zeigen dir, wo du am besten im Stehen paddeln kannst.

Richtiges Schwimmen sollte man definitiv in einem See betreiben. In Richtung Welzheimer Wald gibt es zum Beispiel ein paar schöne Stauseen, die als Rückhaltebecken angelegt sind. Da kann man sich wirklich einen aussuchen, da jeder wunderschön ist. Einen wirklichen Favoriten habe ich da nicht. Ich empfehle, einfach ein bisschen die Augen offenzuhalten.

Wie gut ist die Wasserqualität von Badegewässern in Baden-Württemberg?

In ganz Baden-Württemberg sieht es bezüglich der Wasserqualität der Badestellen sehr gut aus. Dazu muss man sagen, dass eine temporäre Verschlechterung der Qualität nicht zwangsläufig am Wasser selber liegen muss. Das kann verschiedenste Ursachen haben. Zum Beispiel ein verstärkter Besuch von See- und Wasservögeln oder Blaualgenbildung durch zu viel Wärme im Sommer. Saisonal bedingt kommt es zwischendurch zu regionalen Warnungen. Generell kann man jedoch sagen, dass die Wasserqualität zum Baden in Baden-Württemberg wirklich gut ist.

Aktuelle Corona-Regeln in Baden-Württemberg

Bitte beachte die aktuellen Regelungen in Baden-Württemberg im Zuge der Corona-Pandemie. Je nach Inzidenzhöhe gibt es Lockerungen oder Einschränkungen im öffentlichen Leben.

Einen Überblick über alle Corona-Regelungen in Baden-Württemberg erhältst du auf der Website der Landesregierung.

Gibt es ein persönliches Schwimmerlebnis, das Sie besonders positiv in Erinnerung haben?

Positive Momente gibt es sehr viele. Wasser und das entsprechende Ambiente sind für mich immer eine Regeneration und ich kann meine Akkus aufladen. Letztes Jahr bin ich zum Beispiel in einem Badesee in Tirol gewesen. Darin zu schwimmen vor einer Bergkulisse, wo man einen Tag zuvor noch oben gestanden ist, ist für mich unbezahlbar. Berge und Seen würde ich persönlich sogar Strand und Meer vorziehen.

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