#Sport am 24.01.2020 aktualisiert am 03.04.2020

Kindersportschulen in Baden-Württemberg: optimaler Start in den Sport

Kindersportschulen fördern soziale Kontakte: Drei Mädchen sitzen auf der Turnmatte und tauschen sich aus.
Mihajlo Ckovric / Stocksy United

Warum jedes Kind vom Besuch einer Kindersportschule (KiSS) profitiert, erklärt uns Torsten Kimpfler, Leiter der Kindersportschule des SSV Ulm im Interview.

Was ist eine Kindersportschule?

In eine Kindersportschule kommen Mädchen und Jungs zwei Mal pro Woche zum Sport. Der Unterschied zum Verein oder Schulsport ist, dass die Kinder bei uns spielerisch die Grundfertigkeiten aller oder möglichst vieler Sportarten kennenlernen, damit sie sich später für eine Disziplin entscheiden können. Die Kids trainieren bei uns zum Beispiel Rhythmusgefühl, Koordination im Raum, Körperspannung, Fangen und Werfen. Das ist später dann auch für das Handballspielen wichtig. Viele Sportverbände begrüßen es sogar, wenn der Nachwuchs eine vielseitige sportliche Ausbildung hat.

Was sind die Besonderheiten einer Kindersportschule?

Wir vermitteln in der Kindersportschule viele Sportarten, wenn auch nicht alle. Tanzen bieten wir zum Beispiel nur als Kooperation an. Dafür Trendsportarten wie Fandango – Kämpfen mit Schaumstoffschwertern ­– und Maxboard fahren. Die Kinder sollen bei uns Spaß an der Bewegung entwickeln, damit sie auch in der Freizeit sportlich aktiv sind. Wenn sie dann im Verein bleiben, freuen wir uns umso mehr. Auch wenn man umzieht oder sich sportlich verändern möchte, probiert man eher eine andere Sportart aus und verliert nicht ganz das Interesse. Schließlich fangen die Kids bei der neuen Disziplin nicht von vorne an, sondern haben schon Grundlagen.

Warum empfehlen Sie Eltern, ihre Kinder auf eine Kindersportschule zu schicken?

Ich würde es auf jeden Fall jüngeren Kids empfehlen und Mädchen oder Jungs, die erst mal keine Lust auf Sport haben. Bei mir zum Beispiel war es so: Mein Vater hat mich zum Fußball beim SSV Ulm mitgenommen, weil er sich selbst dafür interessierte. Dann sollte ich besser in meinem Heimatort trainieren. Dort spielte ich zunächst auch Fußball und dann über den Tipp eines Kumpels Handball. Erst im Sportstudium habe ich gemerkt, wie viele andere Sportarten mir Spaß machen – zum Beispiel Schwimmen und Bogenschießen. Ich habe das als Kind nicht ausprobiert, weil es das Angebot nicht gab oder mich keiner dazu animierte.

Für welches Alter ist der Kindersport gedacht?

Wir fangen mit der Vorschul-KiSS an, das ist das letzte Jahr im Kindergarten. Dann kommt der Grundstock, erste bis vierte Klasse, und dann der Sportjugendclub ab der fünften Klasse aufwärts. Der älteste Sportler ist bei uns 23 Jahre, denn auch viele Jugendliche mögen das breite Sportangebot.

Bei uns trainieren Jungs und Mädchen mit unterschiedlichen Leistungen, aber in einem Alter zusammen – meistens aus einer Schulklasse. Begabte und weniger sportliche Kinder kommen zu uns. Manche würden im Mannschaftssport vielleicht untergehen und dann sagen: „Ich hasse Sport!“ Auch Kinder mit Handicap trainieren bei uns. Das läuft in der Regel problemlos. Und das Schöne ist, dass es Gruppen gibt, wo noch nie ein Kind gefragt hat: „Was hat die oder der?“

Beschreiben Sie eine typische Übungsstunde beim Kindersport?

Wir beginnen mit einem Aufwärmspiel, damit sich die Jungs und Mädchen nach dem langen Sitzen in der Schule erst mal beim Kindersport auspowern können. Dabei schulen sie gleichzeitig ihre Kondition und Koordination. Danach kommt eine ruhigere Phase mit Dehn- und Kräftigungsübungen. Sie beugen Verletzungen vor und sorgen für Beweglichkeit, denn viele Kinder sind sehr unbeweglich. Schon kleine Übungen stärken den Rücken für den schweren Schulranzen, denn viele Kinder haben bereits Haltungsschäden.

Danach kommt die eigentliche Stunde: Dann üben wir irgendwas, wie etwa den Handstand, den wir Schritt für Schritt aufbauen. Da mache ich keinen genauen Plan, sondern schaue, wie schnell wir in unseren gemischten Gruppen vorankommen. Am Schluss gibt es noch ein Spiel, wenn noch Zeit ist. Zum Beispiel „Karotten ziehen“ oder „Geräusche hören“.

Was gefällt den Kindern besonders gut?

Wir versuchen, den Kindern so etwas wie „ein guter Freund“ zu sein. Wir setzen uns natürlich durch und sagen, was gemacht wird. Gleichzeitig haben wir ein offenes Ohr, wenn ein Kind kommt und sagt: „Heute lief Mathe gar nicht gut oder mein Hund ist krank.“ Wir wollen einen „Draht“ zu den Kindern haben, um auf sie einwirken und Vorbild sein zu können. Dazu gehört auch, sich sozial zu verhalten, jeden anzuspielen, auch wenn er den Ball ein paarmal nicht fängt. Wir machen fast überall selbst mit, um Gruppen auszugleichen und Anregungen zu geben.

Auf der Webseite der Kindersportschulen kannst du dich über das Konzept und die Entwicklung informieren sowie Angebote in deiner Nähe finden. 

Welche Kriterien gibt es, um die Qualität einer Kindersportschule zu garantieren?

Das Kindersport-Konzept ist in allen Kindersportschulen in Baden-Württemberg ähnlich. Darüber haben wir uns abgestimmt. Alter und Angebot variieren. Das hängt auch vom Verein ab. Die Idee der Kindersportschule, möglichst viele Sportarten anzubieten, ist bundesweit geschützt. Der Leiter einer Kindersportschule hat immer ein abgeschlossenes Sportstudium. Die Übungsleiter verfügen in der Regel über einen Trainerschein und erhalten von mir eine Einweisung, wie eine Stunde abläuft und wie sie mit schwierigen Jungs und Mädchen umgehen können. Auch ehemalige Schüler machen als „Helfer“ mit.

Was kostet das Angebot und wie finde ich eine Kindersportschule in meiner Nähe?

Der Preis variiert pro Kindersportschule.Bei uns zahlen die Kinder in der Regel für ein Jahr 24 Euro im Monat, wenn sie zwei Mal die Woche kommen. Sie sind zudem Mitglied im SSV Ulm. Ich würde Interessenten empfehlen, den Sportverein in der Nähe zu kontaktieren, nach einer Kindersportschule und einem Schnupperkurs zu fragen. Auf unserer Website kann man sich zum Beispiel für eine Probestunde anmelden.

In Baden-Württemberg gibt es die meisten Kindersportschulen bundesweit. Hat das spezielle Gründe?

Das liegt daran, dass die Idee der Kindersportschulen aus Baden-Württemberg stammt und dort 1989 die ersten Kindersportschulen gegründet wurden. Damals überlegten sich die Sportverbände, dass es keinen Sinn machte, Kinder nur in einer Disziplin zu schulen, sondern eine Grundausbildung zu vermitteln, die auf eine spätere Spezialisierung vorbereitet. Zudem werden die Kindersportschulen in Baden-Württemberg schon lange Jahre vom Schwäbischen Turnerbund (STB) betreut.

Wie findest du das Konzept der Kindersportschule?

Erst mal viele Sportarten kennenlernen und dann vielleicht zum Basketballer werden? Würdest du deine Kinder auf die Kindersportschule schicken oder hast du sogar schon Erfahrungen damit. Wir freuen uns über deinen Kommentar!

Experten-Antworten erhalten und mitdiskutieren

Melde dich jetzt an für Kommentare, Diskussionen und kompetente Antworten auf deine Fragen.

veröffentlicht am 24.01.2020 aktualisiert am 03.04.2020
AOK-Expertin Sport

War nichts dabei?

Einfach nochmal die Suche verwenden.
oder
Frage stellen