#Handysucht am 14.06.2019 aktualisiert am 18.09.2019

Was kann ich gegen Handysucht tun?

Das Smartphone unterstützt im Alltag. Doch nutzt du es zu exzessiv? Wir erklären dir, wo eine Handysucht beginnt und was du dagegen tun kannst.

Smartphone-Sucht – gibt es das?

Streng genommen nicht, weil es keine Diagnose gibt. „Smartphones fördern aber suchtähnliches Verhalten“, sagt Annika Schüle vom Baden-Württembergischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation (BWLV). Der Übergang dahin ist schleichend. Wer ständig aufs Handy schaut, weil er Angst hat, etwas zu verpassen, fördert damit seine Abhängigkeit. Denn das Gehirn schüttet in so einem Moment das Glückshormon Dopamin aus. Man fühlt sich besser. Die Folge: Man greift immer öfters zum Handy. Laut Studien schauen Menschen durchschnittlich über 80-mal pro Tag auf das Handy, unterbrechen alle 18 Minuten andere Tätigkeiten.

Fünf Symptome, die du ernst nehmen solltest

  • Kontrollverlust über den eigenen Handykonsum
  • Vernachlässigung von Hobbys, Interessen oder Freunden aufgrund ständiger Handynutzung
  • Entzugserscheinungen wie aggressives Verhalten, wenn das Handy vergessen wurde oder der Akku leer ist
  • Heimliche Handynutzung, um andere Menschen zu täuschen
  • Erfolglose Versuche die Handynutzung einzuschränken

Welche Folgen hat eine exzessive Smartphone-Nutzung?

Das Smartphone hat unser Leben verändert. Früher musste man innehalten – zum Beispiel an der Bushaltestelle. Heute sind wir durch Handys ständig abgelenkt. Das ist schlecht für die seelische Balance. „Exzessiver Smartphone-Konsum kann so zu einer psychischen Erkrankung beitragen“, sagt Schüle.

Smartphone mindern außerdem die Konzentration. Das haben Studien herausgefunden. Problematisch ist das vor allem im Straßenverkehr. Zudem macht übermäßiger Smartphone-Konsum einsam. Betroffene ziehen sich sozial zurück, haben weniger Zeit für Freunde.

Handysucht überwinden: Das kannst du tun

Einige Tage ohne Smartphone? Für viele unvorstellbar. Doch Digital Detox, also digitale Entgiftung, wird immer beliebter. Auch Achtsamkeitsübungen können helfen. „Entscheidend ist ein bewusster Umgang“, sagt Schüle.

  • Bei den meisten Smartphones kannst du die Zeit, die du täglich maximal am Handy hängst, begrenzen. Nutze diese Möglichkeit.
  • Verzichte auf bestimmte Dienste. Besorge dir zum Beispiel einen echten Wecker!
  • Nicht für jede App brauchst du Push-Nachrichten. Hinterfrage, was dich wirklich interessiert.
  • Schalte auf der Arbeit alle Signaltöne ab. So kannst du dich besser konzentrieren.
  • Freizeit dient der Erholung vom Alltagsstress. Checke berufliche Mails daher nur, wenn es unbedingt sein muss.
  • Du meinst, immer schnell auf Nachrichten reagieren zu müssen? Das verursacht Stress. Sprich es an! Vielen geht es genauso.
  • Eine Stunde vor dem Schlafengehen solltest du das Smartphone weglegen. So kommst du zur Ruhe und schläfst besser.

Hängt dein Partner ständig am Smartphone, dann sprich ihn darauf an. Wichtig: Lass dich nicht entmutigen! Denn kurzfristig kannst du wenig bewirken. „Wer exzessiv das Smartphone nutzt, steckt in einem Strudel“, sagt Schüle. Um etwas zu verändern, kommt es auf den Willen an. „Den muss jeder selbst entwickeln“, so Schüle.

Professionelle Hilfe und regionale Anlaufstellen bei Handysucht

Die meisten Therapeuten behandeln Onlinesucht und Co. mit einer Verhaltenstherapie, manchmal zusätzlich mit Medikamenten. Das Ziel: Krankhaftes Verhalten verstehen, gesundes Verhalten einüben. Der Baden-Württembergischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation (BWLV) betreibt neun Kompetenzzentren, die beraten und Behandlungen in die Wege leiten.

Adressen und weitere Infos zu den Kompetenzzentren Mediensucht

Sieben von zehn Menschen in Deutschland haben ein Smartphone. Doch wofür wird es neben dem Telefonieren genutzt? Studien zeigen, dass soziale Medien wie Instagram hoch im Kurs sind – bei Frauen mehr als bei Männern. Diese nutzen das Smartphone außerdem gerne zur Recherche oder zum Spielen. Musikhören ist in etwa gleich beliebt.

veröffentlicht am 14.06.2019 aktualisiert am 18.09.2019
GESUNDNAH-Redaktion
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