#Walderlebnispfade am 06.12.2019 aktualisiert am 20.12.2019

Walderlebnispfade in Baden-Württemberg: Abenteuer für die ganze Familie

Walderlebnispfad in Heidelberg: Zwei Frauen und zwei Jungs spazieren durch den Wald.
wdv / Jan Lauer

Spazierengehen finden Kinder oft langweilig. Spannend dagegen sind kleine Abenteuer im Wald. Unsere Autorin Stephanie Ley aus Weinheim hat mit ihrem Patenkind Max den Walderlebnispfad in Heidelberg getestet.

Die Luft ist kühl und klamm. Nebelschwaden wirbeln um uns herum wie tanzende Geister. Der Weg verschwindet im grau-grünen Nichts. Ein kurzer Blick auf das große Schild am Wegesrand zeigt uns: Wir sind richtig. Hier startet der Walderlebnispfad in Heidelberg. Das Auto lassen wir auf dem Wanderparkplatz am Königstuhl stehen.

Spiel und Spaß im Wald mit Kindern

Zusammen mit meinem fünfjährigen Patenkind Max starte ich in unser kleines Waldabenteuer. Mit dabei sind auch sein vierjähriger Bruder Julius und Mama Nicole.

Zunächst sind die beiden Kids nicht sonderlich begeistert. „Kalt-t-t-t“, lautet der mürrische Kommentar von Max. Also erstmal Wettrennen bis zum nächsten großen Baumstumpf. Von dort aus sehen wir direkt das erste Kunstwerk am Wegesrand: zwei riesige aus Baumstämmen geschnitzte Hände. Max und Julius klettern über riesenhafte Zeigefinger und Daumen. „Ups!“, ruft Julius, als er auf den nebelfeuchten, glitschigen Baumstämmen abrutscht. „Das war knapp!“

Der Walderlebnispfad: Bewegung und Entspannung in der Natur

Auf dem insgesamt zwei Kilometer langen Walderlebnispfad gibt es 16 Stationen zum Klettern und Entdecken. Meistens ist die nächste schon in Sicht – und gibt den Kindern immer wieder Anreiz, weiterzulaufen. Langeweile kommt gar nicht erst auf.

Obwohl das Wetter wenig einladend ist, sind wir nicht die Einzigen, die unterwegs sind. Ein junges Paar mit Kinderwagen kommt uns entgegen. Praktisch: Der Hauptweg ist asphaltiert.

Den Großteil der Strecke legen wir jedoch auf den kleinen Waldpfaden links und rechts des Hauptwegs zurück. Unzählige Tannennadeln und heruntergefallene Blätter machen den Waldboden weich und unsere Schritte fast lautlos. Wir überspringen Pfützen und Matschlöcher, klettern über knorrige Wurzeln und quetschen uns an abgesägten Baumstümpfen vorbei.

Wir bestaunen Pilze in allen Formen und Farben. An den Spinnennetzen fangen sich Wassertropfen und Farne stellen sich uns wie Fangarme in den Weg. Der Entdeckergeist der Jungs ist geweckt. Ganz nebenbei schulen sie ihre Koordination, riechen, tasten und fühlen. So entwickeln Sie Spaß an der Bewegung und lernen, bewusst wahrzunehmen.

Den Wald hören, sehen und fühlen

Nur das Geplapper von Max und Julius sowie ein paar einsame Vogelstimmen klingen dumpf durch den Nebel. An der nächsten Station wird es dafür richtig laut: ein Glockenspiel aus Hölzern und Metallrohren. Die beiden Jungs legen direkt los und machen nach Herzenslust Getöse. Schnell finden sie verschieden dicke Stöcke und starten ein großes Testläuten. Mit welchem Stock schaffen sie den schönsten und vor allem lautesten Ton?

Ehe wir weitergehen, bestaunen wir noch die hölzerne Sitzgruppe mit den eingeschnitzten Tieren. Mit dabei: ein großer, bunter Schmetterling und kleine Käfer.

Der Walderlebnispfad beginnt beim Infoschild.
Zum Staunen: riesige Pilze zersetzen Baumstümpfe.
Die Klangholz-Station lädt zum Lärmen ein.
Kleine Höhlen: Abenteuer am Wegesrand
Können wir so weit springen wie ein Hase?
Mit dem Fernrohr die weitere Umgebung erkunden.
Dem Käfer wird geholfen, ob er will oder nicht.

Wandern ohne Maulen und Murren

Mama Nicole ist begeistert, dass ihre beiden Jungs so klaglos mitlaufen. Sie rennen sogar vorneweg! Denn ständig lockt ein neues Abenteuer. Zum Beispiel der Aussichtsturm am Rand einer Lichtung. Schnell sind Max und Julius oben und winken zu uns hinunter. Ihre Aufmerksamkeit bleibt nicht lange bei uns.

Beide stellen sich vor die Metallröhren, durch die sie wie ein Fernrohr gucken können. Ein paar Meter entfernt sind kleine Tiere aus Holz aufgestellt, die es zu erspähen gilt. „Ein Fuchs!“, ruft Julius. „Eine Wildschweinmama mit drei Babys. Nein, vier!“, schildert uns Max. „Frischlinge nennt man die“, erkläre ich von unten.

Erst nachdem die beiden sicher sind, dass sie wirklich alle Tiere entdeckt haben, kommen sie runter. Auf der Lichtung erkunden wir dann mehrere Tipis, die aus Ästen und Zweigen aufgebaut wurden. Schade, für ein Picknick ist es heute leider zu nass.

Spiel und Spaß beim Wandern auch für Erwachsene

Bei der nächsten Station sind wir alle gefordert: Weitsprung-Wettbewerb mit Hase, Fuchs, Frosch und Co. Wir springen ohne Anlauf, das Holz ist einfach zu rutschig. Also aus dem Stand, 1-2-3 ab in die Grube! Die ist zum Glück mit Rindenmulch gefüllt. Das freut die Knie und Füße von Mama Nicole und mir. An der Seite zeigen uns Holzpfähle an, wie weit die einzelnen Waldtiere springen können. Der Hase ist uns weit voraus... Aber den Frosch haben wir überholt!

Julius entdeckt erst jetzt die Tierspuren, die an der Absprungkante ins Holz eingeschnitzt sind. „Maus“, weiß Max und zeigt auf zwei kleine Abdrücke. „Ja, Maus“, plappert Julius ihm nach. Die anderen Spuren sind schon etwas kniffliger. Fuchs oder Wiesel? Die Auflösung gibt’s an den Holzbalken an der Seite der Sprunggrube.

Große und kleine Waldtiere

Wir gehen weiter. Die richtig großen Tiere des Waldes haben wir bisher nur aus Holz gesehen. Max motzt ein bisschen. Aber auf ein lebendiges Wildschwein verzichte ich gerne. Kann er natürlich nicht nachvollziehen.

Dass auch die winzigen Krabbeltiere interessant sein können, zeigt uns wenig später sein lautstarker Schrei: „Schwarzer Käfer! Ein schwarzer Käfer mitten auf dem Weg!“ Die Sachlage ist klar: Das verirrte Exemplar muss sofort von der Straße gerettet werden. Damit es nicht plattgetrampelt wird − oder gefressen. Doch wie das so ist, wehrt sich das arme Tier etwas gegen seine Rettung. Es will sich einfach nicht an dem Stöckchen festhalten. „Wir wollen dir doch nur helfen!“, will Max beruhigen. Schwups, da liegt das schwarze Käferlein nun zappelnd auf dem Rücken. „Der hat ja einen lila Bauch!“ staunt er. Jetzt rückt auch Julius näher ran.

Vor meinem inneren Auge sehe ich die beiden das hilflose Tier schon vor Hilfsbereitschaft versehentlich zerquetschen. Mit vereinten Kräften schaffen wir den Käfer schließlich von der Straße. „Geschafft!“ jubeln die Jungs. Jetzt nur nicht draufspringen, denke ich. Schnell weg, denkt sich der Käfer und verkriecht sich.

Nicht zu lang, nicht zu kurz

Wir befinden uns mittlerweile auf der Zielgeraden und kommen an einem kleinen Tümpel vorbei. Ob wir wohl einen Frosch zu Gesicht bekommen? Leider haben wir kein Glück. Bevor einer der Jungs ins Wasser fällt, gehen wir weiter. Bei schönerem Wetter hätten wir sicher noch eine Picknick-Pause eingelegt. Ansonsten hat der Weg eine gute Länge: lang genug, um sich etwas zu bewegen. Kurz und abwechslungsreich genug, damit sich niemand langweilt.

Nach einem letzten Anstieg kommen wir wieder am Parkplatz an. Das Auto erwartet uns mit trockenen Hosen und sauberen Schuhen. Der Rückweg führt uns direkt am Heidelberger Schloss vorbei. Doch da ist Julius schon eingeschlafen.

Wald erleben mit Kindern in Baden-Württemberg

Den Heidelberger Walderlebnispfad kannst du mit dem Auto oder der Bergbahn erreichen – ein weiteres Highlight für die Tour. Die Bergbahn fährt alle 20 Minuten von der Heidelberger Innenstadt (Station Kornmarkt/Rathaus) bis zur Endstation Königstuhl und braucht 17 Minuten.

Es gibt noch weitere kinderfreundliche Rund- und Wanderwege in Baden-Württemberg:

Baiersbronner Holzweg

Wo: Baiersbronn
Länge: 2,5 Kilometer, 21 Stationen
Parken: Parkplatz Heuberg, zum Bahnhof Baiersbronn sind es ca. 1,8 Kilometer
Highlights: Barfußpfad, alte Pflanzschule, Waldspielplatz, Baumtreppe, Kinder-Wander & Erlebnispass
Kinderwagentauglich: Nur bedingt. Besser eine Kindertrage im Wander-Informationszentrum ausleihen.

Naturlehrpfad „Augen Auf“

Wo: Schramberg-Tennenbronn
Länge: 4 Kilometer, 35 Schautafeln
Parken: Talstraße, beim Evangelischen Gemeindehaus
Highlights: großes Insektenhotel, die Touristen-Info verleiht Kinder-Forscherrucksäcke mit Fernglas, Kompass, Taschenlampe, Lupe usw.
Kinderwagentauglich: Die erste Hälfte des Weges (ca. 2 Kilometer).

Bauernpfad Kressbronn

Wo: Kressbronn
Länge: 2,5 Kilometer
Parken: Wanderparkplatz im Ortsteil Berg
Highlights: Naschgarten, in dem alle angebauten Früchte probiert werden dürfen, Abstecher ins Maislabyrinth Nitzenweiler nach halber Strecke, Forscherrucksack-Verleih in der Tourist-Information Kressbronn
Kinderwagentauglich: Ja. Die Tourist-Information verleiht auch Rückentragen, Karten und Kinderwagen.

Noch mehr Walderlebnispfade findet ihr hier.

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veröffentlicht am 06.12.2019 aktualisiert am 20.12.2019
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